Samstag, 18.01.2020

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Weihnachtsoratorium: Mit Bach auf Du und Du

Langenzenner Großtat: Sämtliche sechs Teile stemmten Markus Simon und seine Chöre an einem Abend - 29.12.2019 18:00 Uhr

Alles im Griff: Dirigent und Basssolist Markus Simon, Kantorei und Vokalensemble Langenzenn sowie das Orchester KlangLust bei der Arbeit in der Stadtkirche.


Weil dieser Koloss von einem Notenberg nahezu drei Stunden in Anspruch nimmt, ist es mit Blick auf die handelsübliche Länge eines Konzertes gang und gäbe, drei, höchstens vier Kantaten aufzuführen; am populärsten sind die Teile I-III nicht zuletzt, weil sich die meisten Ensembles just für sie entscheiden. Markus Simon aber stellte sich am vierten Adventssonntag in der Stadtkirche mit seinen beiden Langenzenner Chören, der Kantorei und dem Vokalensemble, der nicht unproblematischen Mammutaufgabe, sämtliche sechs Teile zu stemmen - mit Pause in der Mitte.

Auch zwei Nackenschläge brachten dieses Doppel-Konzert nicht ins Wanken. Zuerst sagte Altistin Mareike Lennert am Morgen krankheitsbedingt ab, kurzfristig sprang Marina Sandel aus Stuttgart ein. Während der Pause gegen 18 Uhr musste dann auch Tenor Aljoscha Lennert passen; die Rettung nahte in Gestalt von Martin Platz vom Nürnberger Staatstheater, der in Windeseile Langenzenn ansteuerte, einen Parkplatz fand, in die Kirche hastete und ohne jegliche Vorbereitung ab Teil IV die Partie des Evangelisten mit den Worten "Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde" übernahm. Sehr aufregend.

Simon hatte die Chöre auf diese gewaltige Aufgabe hervorragend vorbereitet und gelangte mit ihnen zu einer Laienchor-Niveau deutlich überbietenden Interpretation. Mit dem ersten Ton des Einleitungschores "Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage" war die stattliche Sängerschar präsent in forschem Tempo, mit großen melodischen Spannungsbögen, schöner Klangfülle und Homogenität. Breites Tempo wählte Simon für die Choräle. Das a-cappella gesungene "Ich steh´ an deiner Krippen hier" bezauberte mit einem Höchstmaß an Ausdruck und mit einem wunderschön sitzenden Pianoschluss. Dass hier im Vorfeld intensiv gearbeitet wurde, bewiesen die exakten Koloraturen und die feinen dynamischen Schattierungen etwa in "Ehre sei Gott in der Höhe".

Einfühlsames Orchester

Ausgeschlafen präsentierte sich ebenfalls das Fürther Kammerensemble KlangLust mit Konzertmeister Bernd Müller. In der sanft wiegenden Sinfonia stimmten gleichermaßen Ausdruck, Intensität und Einfühlsamkeit. Die Holzbläserriege gab sich weder in den Orchesterpassagen noch in den Instrumentalsoli Blößen. Sauber unterwegs war in der Echoarie "Flößt mein Heiland" die Oboe im Zwiegesang mit der Echostimme von Chorsängerin Anna Simon. Die Ansbacher Hoftrompeter sorgten für schmetternden Glanz, nicht nur im höchst virtuosen Solo des Schlusschorals, sowie für energiegeladenen Hörnersound.

Franziska Bobe gestaltete mit ihrer hell timbrierten Sopranstimme und glasklaren Spitzentönen die Arien, Marina Sandel überzeugte mit kraft-voller Mezzostimme. Markus Simon hatte, klar, in der Bassarie "Großer Herr und starker König" seinen Top-Moment, gefiel aber auch in den dramatischen Rezitativen. Mit seiner lyrischen Tenorstimme hielt Aljoscha Lennert in der Partie des Evangelisten, aber auch in der Tenorarie "Frohe Hirten, eilt" tapfer bis zur Pause durch. Martin Platz zog alle Register im Rezitativ "So geht!" und servierte in der Schlussarie "Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken" halsbrecherische Koloraturen.

Das Weihnachtswunder von Langenzenn, es wurde wahr trotz widriger äußerer Umstände.

Günter Greb

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