Weinfest: Hilferuf nach München

31.7.2014, 16:00 Uhr
Mit Symbolik gegen die Ohnmacht: Am Mittwoch, dem Tag, an dem die Wirte normalerweise ihr Weinfest eröffnet hätten, stoßen Mitglieder des Ältestenrats, darunter OB Thomas Jung (Mitte), in der Gustavstraße an.

© Foto: Michael Müller Mit Symbolik gegen die Ohnmacht: Am Mittwoch, dem Tag, an dem die Wirte normalerweise ihr Weinfest eröffnet hätten, stoßen Mitglieder des Ältestenrats, darunter OB Thomas Jung (Mitte), in der Gustavstraße an.

Es sei sehr traurig, dass die Fürther nach 18 gelungenen Weinfesten heuer auf die Veranstaltung verzichten müssen, sagte Oberbürgermeister Thomas Jung, der sich einen Rotling bestellt hatte. Es ging um Bilder und Botschaften an diesem Tag.

Die Eröffnung des Weinfests wurde stets groß inszeniert: mit einem Eröffnungsumzug der Wirte, mit weißgold gekleideten Weingöttinnen und der Krönung des Weingottes. Das Fotomotiv 2014 ist ein anderes: Stadträte der SPD, der CSU und der Grünen stoßen an: mit Wein, Bier, einem Hugo oder Sprizz. Man will ein Zeichen setzen, ganz ähnlich, wie es am Samstag Bürger vorhaben, die zum „friedlichen Protest“, zu einem Picknick in der Gustavstraße, aufgerufen haben. „Die Menschen spüren eine Ohnmacht“, sagt Rathauschef Jung, „wie wir im Stadtrat auch. Man ist ja fast hilflos, weil wir an Grenzen stoßen.“

Die Resolution, die der Ältestenrat – ein Gremium des Stadtrats, dem unter anderem die Fraktionschefs von SPD, CSU und Grünen angehören – unterzeichnet hat, ist an die bayerische Staatsregierung und den Landtag gerichtet: „Nur der Freistaat Bayern kann uns hier retten“, heißt es in dem Schreiben. Die Entscheidung der Ansbacher Richter wird darin einmal mehr als „lebensfremd und abwegig“ bezeichnet. Die Richter hatten zur Auflage gemacht, dass die sechstägige Veranstaltung um 22 Uhr enden müsse; so ein Weinfest, argumentiert der Ältestenrat, sei „in keiner Stadt und keinem Dorf vorstellbar“.

Das Gericht habe angedeutet, dass es sich der Problematik seiner Entscheidung bewusst sei, sehe aber offenbar „keine rechtlichen Spielräume bei der in Bayern herrschenden Rechtslage“. Deshalb, so heißt es weiter, appellieren die Fürther Stadtratsfraktionen über alle Parteigrenzen hinweg an die Bayerischen Ministerien und den Landtag, „Schritte zu ergreifen, um einen Freiflächenausschank bis 23 Uhr dort zu ermöglichen, wo es Kommunen in eigener Verantwortung für gerechtfertigt erachten“.

Man wolle auch darauf aufmerksam machen, ergänzte Jung, „dass es jeder Kommune so gehen könnte, dass traditionsreiche Veranstaltungen von Anwohnern gekippt werden“. CSU- Fraktionschef Dietmar Helm, sein SPD-Kollege Sepp Körbl und die Vize-Fraktionschefin der Grünen, Barbara Fuchs, unterstrichen, der Vorstoß sei ein gemeinsames Anliegen.

Wehmütig werde man, fand die Runde, wenn man daran denke, wie viele Menschen sich immer beim Weinfest trafen. Und weil es schon um Bilder ging, hatte der Ältestenrat seinen Treffpunkt bewusst ausgewählt: Man saß in einem Café, das zum Haus eines Klägers gehört. Er sei in den Konflikt nicht involviert, sagte der Betreiber, der gegen die Gäste aus der Politik nichts einzuwenden hatte. Dieses „Lagerdenken“ sei nicht gut. Er selbst hätte, wie schon 2013, gerne beim Weinfest mitgemacht. In die Vorbereitungen sei viel Geld und Arbeit geflossen. „Ich bin genauso betroffen wie die anderen.“

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