13°

Freitag, 18.09.2020

|

Weithin über alle Welt?

„Konvergenz“: Neue Arbeiten Sascha Bancks in der Foerstermühle - 27.01.2011 11:00 Uhr

Ganz weit, ganz nah, ganz Sascha Banck: Für ihre aktuellen Werke ließ sich die Kulturförderpreisträgerin des Jahres 2008 von Nanofotografie und Satellitenbildern inspirieren.

© Hans-Joachim Winckler


Sind die Sterne womöglich doch mehr als nur Nadelstiche im Gewand der Nacht? Am liebsten würde Sascha Banck auf und davon düsen, die knifflige Frage klären und hinterm Mond noch lange nicht haltmachen. Es ist nämlich so: Banck, neuerdings 31, entdeckte im vorvergangenen Herbst die Astronomie für sich. Seitdem weiß sie, wie faszinierend Satellitenbilder sind, dass zum Beispiel Bangladesch „von oben traumschön ausschaut“ und die europäische Weltraumbehörde ESA „eine ganz hervorragende Homepage“ hat.

Was folgte, waren sechs Wochen quer durch die USA, von Texas nach Seattle und zurück, 15000 Kilometer im Mietwagen. Während die bessere Hälfte fuhr, bestaunte die Fürther Künstlerin und Nürnberger Akademie-Absolventin, wechselweise Sternenkarten und Skizzenblock in der Hand, jenes Himmelszelt, das sich über der Einöde jenseits der Metropolen zuweilen besonders prachtvoll entfaltet.

Wieder in Fürth, schuf sie im Atelier in der Pfisterstraße eine Serie eigens für die Foerstermühle. Nein, Banck hat nichts nachgemalt oder nachgeäfft. „Die Sternenbetrachtung floss gedanklich in meine Arbeit ein, nicht bildhaft“, sagt sie. Weitere Inspirationsquelle für die 14 Arbeiten bei Foerster ist die Mikroskop- und Nanofotografie. So sind Großformate entstanden, die sich Größenrelationen und kühnen Perspektiven widmen und die zugleich Wachstum und Bewegung in einem entscheidenden Moment einzufrieren scheinen.

Farben und Flächen

Der Betrachter, sagt Banck, soll nichts enträtseln, zumal es ohnehin keine realen Vorlagen für diese wuchtigen Bildnisse gibt. Die Motivik erinnert an tektonische Platten, an Borsten, Schuppen, Fäden und Flechten; das wäre kaum überdurchschnittlich aufregend zu nennen, verfügte die Künstlerin nicht über einen schier unverwechselbaren Drang zu Farbigkeit und Flächigkeit. „Ich habe“, sagt sie, „immer versucht, mich weiterzuentwickeln und nach dem Ende eines Projektes wieder etwas völlig Neues zu machen. Aber was ich auf keinen Fall beiseite legen kann, sind die Farben.“

In einem aufwendigen Verfahren mischt sie Acrylhybridfarben, die auch in Bunt- und Filzstiften zum Einsatz kommen, und trägt sie in unterschiedlicher Dicke auf die Leinwand auf. Das macht einigen Effekt und ist von schwer zu toppender haptischer Wucht.

In Bancks witzigen, konzentriert gearbeiteten Kleinformaten wiederum rückt der Betrachter in die Satellitenposition. Das sieht nach Städten aus, nach Weilern, Feld und Flur — die Gedankenreise kann beginnen. Über zwei Jahre mussten vergehen, ehe nun endlich auf den Kulturförderpreis der Stadt eine groß angelegte Banck-Ausstellung folgt. Man registriert es verwundert. (Siehe „Fürther Kunststücke“)

 

MATTHIAS BOLL

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Fürth