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Donnerstag, 25.04.2019

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Wertvolles Kulturgut sinnlos zerstört

Stuckverzierungen im Festsaal des Park-Hotels abgeschlagen — Bis zu 250000 Euro Bußgeld - 16.07.2010

Der Festsaal im damaligen „Hotel National“ des Jahres 1915: An den Wänden sind die großen Spiegel mit den sie „krönenden“ Stuckmedaillons zu sehen. Diese Medaillons fielen nun Hammer und Meißel zum Opfer. © FN-Archiv


„Es ist eine Riesensauerei“, sagt Christoph Maier, städtischer Rechts- und Ordnungsreferent, hörbar wütend angesichts „der Vernichtung wertvollen Kulturguts“.

Bei der Begehung des Saals Ende 2008 waren die Medaillons noch fast intakt. © Mayer


Die Vorgeschichte: Im Zuge der Planungen für das Einkaufszentrum „Neue Mitte“ waren Ende 2008 die Gebäude entlang der Rudolf-Breitscheid-Straße von einer Experten-Kommission der Stadt besichtigt worden, um einen Überblick über die erhaltenswerte Bausubstanz in dem Areal zu bekommen.

Das im 19. Jahrhundert als „Hotel National“ erbaute heutige Park-Hotel war nach dem Zweiten Weltkrieg von 1953 bis 1955 modernisiert und aufgestockt worden. Aus diesem Grunde erfüllte nur noch das Rückgebäude an der Moststraßenseite des Anwesens mit dem ehemaligem Festsaal im ersten Obergeschoss die so genannte Denkmaleigenschaft nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz.

„Von besonderer Bedeutung waren dabei Stuckverzierungen in Form von Rundbogen-Blendarkaden mit Kapitell-Kämpfern und Schlussstein ausgefüllt, in die wiederum reich verzierte Wandvorsprünge eingestellt waren. Diese Stuckreliefs bestanden aus einem rechteckig hervorstehenden Rahmen, auf dessen oberer Kante sich jeweils ein rundes Medaillon mit gemalten Porträts zeitgenössischer Persönlichkeiten befand“, heißt es in einer Information der Bauaufsicht.

Umbau überstanden

Stadtheimatpfleger Alexander Mayer, der 2008 bei der Begehung dabei war, ist entsetzt: „Die Medaillons wurden über Generationen hinweg sorgsam geschützt — sogar den Umbau des Festsaals zum Kino 1948 überstanden sie fast unbeschadet“, weiß Mayer.

Laut Auskunft von Ralf Röder, dem Chef der städtischen Gebäudewirtschaft, die für die Bauaufsicht zuständig ist, ist der Saal zwar durch diverse Einbauten „überformt“, aber hinsichtlich des prachtvollen Wandschmucks durchaus erhaltenswert gewesen. „Das waren qualitätvolle Reste von Stuckierung und Bemalung“, sagt Röder.

Reste, die irgendwann in der ersten Hälfte dieses Jahres Hammer und Meißel zum Opfer fielen. Wer derart rabiat Hand anlegte, bleibt im Ungewissen. Michael Vormbrock, dem das Park-Hotel zusammen mit zwei Miteigentümern gehört, war gestern auf FN-Anfrage für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Was, wie es hinter vorgehaltener Hand heißt, möglicherweise als „verkaufsfördernde Maßnahme“ gedacht war, um die Immobilie ohne „Denkmalsballast“ für Investoren beziehungsweise Käufer attraktiver zu machen, zieht nun eine Ordnungswidrigkeits-Klage nach sich. Die Zerstörung der Stuck-Kunstwerke stellt nach Auskunft von Christoph Maier einen schweren Verstoß gegen Artikel 23 des bayerischen Denkmalschutzgesetzes dar, der die Erhaltung von Baudenkmälern und die Pflichten von deren Eigentümern klar regelt. Die „Freveltat“ könnte die Verantwortlichen bis zu 250000 Euro Bußgeld kosten.

OB fordert Höchststrafe

Geht es nach Oberbürgermeister Thomas Jung, dann wird diese „Höchststrafe“ auch eingefordert. „Man muss hier von einem massiven Eingriff ausgehen — und der muss auch entsprechend bestraft werden“, fordert Jung, der „von der Aktion völlig überrascht wurde“, wie er sagt. Es sei jedermann klar gewesen, dass es sich hier um „schützenswerte Substanz im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“ handele; deshalb müsse man von einer vorsätzlichen Tat und nicht von einem Versehen ausgehen.

Die Klage ist bereits eingereicht, die Ermittlungen laufen, wie Christoph Maier erklärt. 

HANS VON DRAMINSKI

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