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Wie die Zeit vergeht

Auferstehung: Komponistinnenkonzert und Ausstellung - 24.09.2008

Kantorin Sirka Schwartz-Uppendieck und Elmar Oppenländer packten beim 9. Komponistinnenkonzert gemeinsam zu. © Hans G. Esterl


Das Vergehen der Zeit ist das thematische Bindeglied beider Projekte. Die Kompositionen folgten teils den Tageszeiten, dem Lauf des Jahres, dem Verlauf des Menschenlebens. Den Auftakt bildete das Präludium in F-Dur, das Fanny Hensel, Schwester Felix Mendelssohns, zu ihrer Hochzeit 1829 komponierte; an der Orgel Auferstehungskantorin Sirka Schwartz-Uppendieck, zugleich Initiatorin der Komponistinnen-Konzertreihe.

Während Hensel als bedeutendste deutsche Komponistin der Romantik gilt, hatte in späteren Jahren Luise Adolpha Le Beau (1850-1927) zumindest unter zeitgenössischen Kritikern den Ruf als «Königin der komponierenden Frauen». Le Beaus «Drei Alte Tänze» stehen für den Ausdruck der Fülle des Lebens, genau wie die Valses No. 1, 3 und 4 von Maria Szymanowska (1789-1831), die Schwartz-Uppendieck und Elmar Oppenländer dreihändig am Klavier vortrugen.

Die Mazurken und Polonaisen der polnischen Pianistin und Komponistin entstanden einige Jahre, bevor Landsmann Frédéric Chopin Ruhm erntete. Verträumte Stimmungen zauberten «Primavera» und «Sérénade d’Autumne» aus den «Pièces Romantiques Opus 55» von Cécile Chaminade (1861-1944). Georges Bizet entdeckte und förderte sie. Chaminades melodiöse Werke sind der Romantik verhaftet, Schwartz-Uppendieck und Oppenländer trugen sie vierhändig vor.

Den Abschluss bildeten Präludium und Fuge g-Moll von Clara Schumann (1819-1896) auf der Orgel. Sie räumte zunächst der schöpferischen Arbeit ihres Mannes Robert Schumann Vorrang ein und komponierte erst in späteren Jahren wieder.

In den Fotografien und Bildern der anschließenden Ausstellung stehen betagte Gesichter voller Lebenslust, Zuversicht und Neugier im Mittelpunkt. Die Fürther Fotografin und Sozialpädagogin Judith Mertens und der Nürnberger Maler und Grafiker Klaus Steigner beschäftigte die Tatsache, dass alte Menschen zwar einen Großteil der Bevölkerung ausmachen, dennoch aber nicht entsprechend gewürdigt werden.

Die Puppensammlerin

Ihre Modelle suchten sie in Senioren- und Altersheimen. Vor der künstlerischen Arbeit standen lange Gespräche mit der auserwählten Person über deren Leben. Jeder der dargestellten Menschen inszenierte sich vor der Kamera selbst, wie etwa jene alte Dame, die Puppen sammelt. In der Fotografie von Mertens wird sie von zwei Puppen flankiert, deren Augen genauso groß und neugierig scheinen wie die ihrer Besitzerin.

Daneben dann die grafische Umsetzung durch Steigner: Mit einem Computerprogramm, das dreidimensionale Darstellungen ermöglicht, gestaltete er den Kopf der Dame so, dass er ähnlich einem antiken Puppenkopf aus Porzellan wirkt. Jedes Portrait existiert sowohl als Fotografie wie auch als grafische Darstellung. So ergänzen sich beide künstlerische Techniken. Das Ergebnis: mehrschichtige Charakterstudien. MARION REINHARDT

«Lebensansichten ab 70: Portraits - Malerei - Fotografie»: Auferstehungskirche im Stadtpark, täglich 10-18, ab 26. Oktober 10-16 Uhr. Bis 2. November. 

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