Untersuchung

Wie fahrradfreundlich ist Fürth? Ergebnis fällt durchwachsen aus

22.3.2021, 18:00 Uhr
Die Dambacher Straße wird in den kommenden Monaten zur Fahrradstraße umgebaut. Der ADFC wünscht sich mehr solcher Strecken für Radler in Fürth.

Die Dambacher Straße wird in den kommenden Monaten zur Fahrradstraße umgebaut. Der ADFC wünscht sich mehr solcher Strecken für Radler in Fürth. © Hans-Joachim Winckler

Die Stadt tut zwar etwas für Fahrradfahrer in Fürth, doch das reicht nicht – das zumindest legen die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests nahe, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im Zwei-Jahres-Takt durchführt. 230.000 Menschen haben von September bis November bundesweit abgestimmt; die Fahrradfreundlichkeit in Fürth beurteilten 547 Radler.

Insgesamt stellt die Stadt in einer Pressemitteilung "einen positiven Aufwärtstrend" fest. Der Grund: Fürth rückt unter den Städten mit über 100.000 Einwohnern bundesweit auf Rang neun vor (2018: Platz 18 von 41 Städten), in Bayern landet Fürth hinter Erlangen und Ingolstadt auf Platz drei (2018: Platz vier von fünf Städten). Die Gesamtbilanz fällt mit der Note 3,76 trotzdem durchwachsen aus.

Das hat, wie der Fürther ADFC aufschlüsselt, verschiedene Gründe. Größter Kritikpunkt: Drei Viertel der hiesigen Radler erachten die Radwege als zu schmal. 53 Prozent der Befragten finden, dass Radfahrer als Verkehrsteilnehmer nicht akzeptiert werden, 59 Prozent geben sogar an, dass sie sich gefährdet fühlen – und 71 Prozent geraten immer wieder mit Autofahrern oder Fußgängern aneinander.

Die wiederkehrenden Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern – insbesondere an neuralgischen Punkten wie dem Radweg am Wochenmarkt an der Freiheit oder an der Bahnunterführung in der Schwabacher Straße – sind in Fürth in der Tat ein allseits bekanntes Problem.

In der ADFC-Umfrage beklagen sich 65 Prozent der Teilnehmenden darüber, dass sie auf den Routen immer wieder Hindernissen ausweichen müssen. Dementsprechend unsicher fühlen sie sich (68 Prozent) auf den hiesigen Wegen, insbesondere auf den Radfahrstreifen.


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Immerhin: Über die Hälfte (60 Prozent) der Befragten hat Spaß beim Radeln. Positiv schlagen sich in den Ergebnissen etwa der während der Pandemie vorübergehend eingerichtete Pop-up-Radweg, die neue Bremenstaller Brücke über die Regnitz, Fahrradabstellmöglichkeiten und die Verbreiterung des Pegnitztalradwegs nieder – 52 Prozent der Befragten geben an, dass den Radfahrenden während Corona "handfeste Signale für Fahrradfreundlichkeit gegeben wurden", so der ADFC.

Verbesserte Infrastruktur

Pandemiebedingt gab es fünf Zusatzfragen rund ums Thema "Corona und Radfahren". Fürth schnitt dabei besonders gut ab – und belegte unter den Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern mit der Note 3,23 Platz eins.

Summa summarum zieht der Fürther ADFC-Vorsitzende Olaf Höhne ein positives Fazit: "Wir freuen uns, dass die Investitionen in die Fahrradinfrastruktur der letzten Jahre positiv aufgenommen wurden und die Stadt Fürth sich (. . .) dadurch wesentlich verbessert hat." Das dürfe aber, so Höhne, nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin viel zu tun gibt: Konflikte mit Fußgängern und Autos, ausbremsende Ampelschaltungen und mangelhaftes Baustellenmanagement "stehen einer besseren Wertung im Weg".

Der Fürther ADFC wünscht sich mehr Falschparker-Kontrollen, mehr Tempo-30-Zonen und Fahrradstraßen. Vor kurzem fiel der Startschuss dafür: Die Dambacher Straße wird bis Ende Mai zur ersten Fahrradstraße Fürths umgebaut.

Fünf Kommunen im Landkreis wurden beurteilt

Im Landkreis stimmten 370 Menschen ab, deutlich weniger als in der Stadt. Allerdings: Erstmals wurden mit Zirndorf (78), Oberasbach (106), Cadolzburg (56), Stein (59) und Roßtal (71) fünf verschiedene Städte und Gemeinden im Fahrradklimatest beurteilt. Während Stein (Platz 11 von 101 Orten vergleichbarer Größe) hier positiv heraussticht, liegen Zirndorf (Platz 14 von 49), Cadolzburg (Platz 32 von 101) und Roßtal (Platz 39 von 101) im vorderen Mittelfeld.

Einzig Oberasbach (Platz 70 von 101) hat offensichtlich noch Nachholbedarf, was die Fahrradfreundlichkeit anbelangt. Im Durchschnitt schneidet der Landkreis – ähnlich wie die Stadt – mit der Note 3,7 ab.

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