Wird das Alte Kino wachgeküsst?

13.12.2010, 09:00 Uhr
Der alte Klappstuhl ist nicht mehr zu gebrauchen, auch das Kino bräuchte eine Runderneuerung. Wie das zu stemmen wäre, überlegen Roland Schönfelder (links), Klaus Roscher (rechts) und ihre Mitstreiter.

Der alte Klappstuhl ist nicht mehr zu gebrauchen, auch das Kino bräuchte eine Runderneuerung. Wie das zu stemmen wäre, überlegen Roland Schönfelder (links), Klaus Roscher (rechts) und ihre Mitstreiter. © Rempe

Die langen Sitzreihen sind längst abmontiert, die wenigen verbliebenen Klappstühle zerbrochen. Und doch gibt es keinen Zweifel, dass in diesem Saal einst die großen Cinema-Helden antraten, um die Langenzenner zu unterhalten. Daran erinnern bis heute die Dämmplatten, im dezent plüschigen Stil der 50er, die für den guten Ton sorgten. Vor 25 Jahren wurde die Leinwand dunkel. Jetzt könnte es für das Alte Kino eine neue Blüte geben.

Die Idee, in dem zentral gelegenen Saal einen neuen Raum für Kulturtermine zu schaffen, bewegt auch die Vorsitzenden der beiden großen Langenzenner Theatervereine. Klaus Roscher von der Hans-Sachs-Spielgruppe und Roland Schönfelder, Klosterhofspiele, sehen viele verlockende Möglichkeiten, die sich auftun, wenn das Alte Kino aus seinem Dornröschenschlaf geweckt wird.

Erich Ammon, Zweiter Bürgermeister, bringt die Chancen auf den Punkt: „Ich bin auch relativ Feuer und Flamme dafür, jetzt muss aber natürlich zunächst einmal geklärt werden, wie das geschultert werden kann.“ Beantwortet werden muss unter anderem die Frage nach einer möglichen Trägerschaft. Und selbstverständlich gilt es, die Kosten für eine Renovierung zu ermitteln, etwaige Fördermittel zu erkunden. Das Architekturbüro Keim hat das Objekt schon einmal inspiziert, damit die Planung konkreter werden kann. Roscher macht aber klar: „Im Moment sind die ganzen Überlegungen noch Wünsche und Hoffnungen.“

Biergarten im Innenhof?

Der Eigentümer der gesamten Immobilie, zu der unter anderem auch ein Innenhof gehört, der als Biergarten eine gute Figur machen könnte, ist Hans-Peter Hoffmann. Mit Ehefrau Carola erklärt er, dass für ihn ein „Verkauf des Objekts ebenso möglich ist, wie eine langfristige Bindung“. Hoffmanns Großmutter betrieb einst das Kino: „Mit dem großen Sterben der Lichtspielhäuser durch das Fernsehen ging auch hier das Licht aus, weil es einfacher war, mit dem Schlappen auf dem Sofa zu hocken und einen Film anzusehen.“ Davor war in dem großen Raum allerdings oft jeder Platz gefragt: „Bei ,Ben Hur’ wurde es zum Beispiel übervoll, da sind noch zusätzliche Stühle aufgestellt worden.“

Erinnerungen an die guten, alten Kinozeiten hegt jeder. Erich Ammon: „Mein erster Film war ein Western und weil mein Onkel hier Vorführer war, durfte ich immer neben ihm sitzen.“ In den 80ern gab es dann sogar „Mitternachtsfilme für Erwachsene“. Roland Schönfelder lacht: „Auf dem Schulweg hat man dann gerne einen vorsichtigen Blick in die Schaukästen riskiert. Aber das hat man selbstverständlich nicht zugegeben.“

Erbaut wurde der Saal vor rund 100 Jahren. Klaus Roscher: „Er gehörte zunächst zu einer Brauerei, damals gab es hier bereits Theateraufführungen und Tanzbälle.“ Mit dem letzten Film, der 1985 lief, kurz bevor das Kino endgültig schloss, wurde vor kurzem die Wiederbelebung des Saales gestartet: „Der Tod des weißen Pferdes“, ein Drama aus der Zeit des Bauernkrieges, wurde im Auftrag des ZDF 1984 unter anderem in Langenzenn gedreht. Zu den rund fünfzig Statisten, die damals engagiert wurden, gehörte auch Klaus Roscher: „Wir mussten alle zigmal sterben“, erinnert er sich heute an die Dreharbeiten. Als der Film, in dem Dietmar Schönherr eine Hauptrolle spielte, nun noch einmal im Alten Kino vorgeführt wurde, waren immerhin fünf der ehemaligen Statisten dabei.

In einem Gästebuch, das bei dieser Gelegenheit ausgelegt wurde, zeichnet sich schon jetzt Zustimmung für die Gedankenspiele zur Wiederbelebung ab. Die Hoffnung, dass sich im Westen von Langenzenn etwas tut, kommentiert ein Schreiber so: „Das ist die beste Idee, die ich gehört habe, seit ich hier wohne — und das sind nun schon 25 Jahre.“