Montag, 18.11.2019

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Wird ein Teil des Fürther Bahnhofs abgerissen?

Denkmalschutz lehnt Vorhaben der Bahn strikt ab - 17.01.2014 09:00 Uhr

1914 erhielt der Bahnhof mit der Schalterhalle einen eingeschossigen Vorbau. Das Landesamt für Denkmalpflege setzt sich dafür ein, ihn zu erhalten. © Winckler


Zumindest darin sind sich alle einig: Das Bahnhofsgebäude ist in seinem aktuellen Zustand wenig einladend; als Visitenkarte der Stadt für Bahnreisende taugt es längst nicht mehr. Die Flügel stehen weitgehend leer, und der Mittelbau ist spätestens seit dem Abriss von Bahnsteig 1 endgültig von den Pendlerströmen abgehängt, die sich weitgehend im Untergrund bewegen.

Die Stadt, aber auch Politiker wie der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz drängen die Bahn seit vielen Jahren, das marode Gebäude auf Vordermann zu bringen. Ein Stück näher kam man diesem Ziel, als Bahn und Stadt 2012 bei einem Architekturbüro eine Machbarkeitsstudie für den Umbau in Auftrag gaben. Allerdings sagte Fürths Oberbürgermeister schon damals, er sehe einen Konflikt „zwischen der reinen Lehre des Denkmalschutzes und der wirtschaftlichen Nutzung des Bahnhofsgebäudes“ heraufziehen.

Tatsächlich haben die Sanierungs- und Umbaupläne inzwischen das Landesamt für Denkmalpflege auf den Plan gerufen. Der Grund: Nach Informationen der FN sieht das Konzept der Bahn vor, die vorgelagerte Schalterhalle, die zurzeit das DB-Ticket-Center und einen Zeitschriftenladen beherbergt, abzureißen und durch einen größeren Neubau mit einer Fassade aus Glas und Stahl zu ersetzen. Der Abriss steht offenbar in direktem Zusammenhang mit einem geplanten Ausbau des Untergeschosses.

In einer Stellungnahme, die den FN vorliegt, schreibt das Landesamt für Denkmalpflege „aus denkmalfachlicher Sicht besteht keine Möglichkeit, die Anfrage der Deutschen Bahn AG nach Abbruch der Schalterhalle zustimmend zu beurteilen“. Das Bahnhofsgebäude stammt aus dem Jahr 1863/64, Anfang des 20. Jahrhunderts erhielt es seine Flügel. Im Jahr 1914 kam der Vorbau hinzu, die Landesbehörde nennt die Schalterhalle einen „integralen historischen und baukünstlerischen Bestandteil der Gesamtanlage“. Ein Abbruch würde dem Baudenkmal Hauptbahnhof „empfindlichen Schaden“ zufügen.

Darüber hinaus nehme der geplante Ersatzbau weder in Form noch bei den Materialien Bezug zum Hauptgebäude. Zwar räumt die Behörde ein, dass die „unterirdische Bahnhofserschließung unbefriedigend“ sei, diese dürfe man aber nicht auf Kosten des „unverzichtbaren Baudenkmals“ Schalterhalle verbessern.

Bekanntlich hat das Landesamt aber nicht das Recht, den Abriss zu verbieten, es kann nur Empfehlungen aussprechen. Die Entscheidung liegt - wie unlängst beim Festsaal des Park-Hotels - bei der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Fürth.

Kein Kommentar von der Bahn

Bei der Bahn wollte man die Abrisspläne für den Vorbau weder kommentieren noch dazu Auskunft geben, inwiefern der Untergeschossausbau dem Erhalt der Schalterhalle zuwiderläuft. Ein Bahnsprecher teilte lediglich mit, das Architekturbüro sei beauftragt, „weitere Planungen und vertiefte Untersuchungen durchzuführen“. Die Aufgabe, „durch bauliche Veränderungen auch den Nutzerströmen neue Möglichkeiten und Anreize zu geben, ist vom Architekturbüro noch zu lösen“. Danach werden sich die „Beteiligten zusammensetzen“.

Zu diesen Beteiligten gehört auch die Stadt Fürth, die den Ostflügel des Bahnhofs erwerben möchte, um dort die Tourist Information unterzubringen sowie Platz für Künstlerateliers zu schaffen (wir berichteten). Der Westflügel soll an einen Investor gehen, das eigentliche Hauptgebäude bei der Bahn verbleiben.

„Die Schalterhalle fällt also gar nicht in unseren Bereich“, versucht sich Oberbürgermeister Thomas Jung so weit wie möglich herauszuhalten. „Wir brauchen keinen neuen Konflikt“, sagt Jung. Er hofft, dass sich Bahn und Denkmalschutz entgegenkommen und eine Lösung finden - auch wenn sich die Wiederbelebung des Bahnhofs dadurch weiter verzögern sollte. „Auf die Zeit“, so Jung, „kommt es nicht mehr an.“

So klingt es auch bei der Bahn. „Bei der Entwicklung dieses bedeutenden Gebäudes geht Gründlichkeit vor Eile“, so der Sprecher. Die Machbarkeitsstudie des Architekturbüros, von der bislang nur wenige Details bekannt sind, sei eine „gute Grundlage für eine zukunftsfähige Entwicklung des Fürther Hauptbahnhofs“.

Johannes Alles

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