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Wohnen, wo einst die heißen Reifen quietschten

Stadt will ödes Carrera-Areal zum Sanierungsgebiet machen, damit Investor Wohnraum schaffen kann - 03.11.2005

Wo früher Carrera-Spielzeugautobahnen gebaut wurden, gedeiht seit 1991 Unkraut. Nun gibt es einen Kaufinteressenten und Pläne für eine neue Nutzung. Foto: Kögler © -


Das Ganze ist nichts anderes, als eine Konversionsfläche, sagt Christian Schöner, Leiter des Stadtplanungsamtes, in dessen Auftrag vorbereitende Untersuchungen für die Umwandlung in ein Sanierungsgebiet laufen. Was sperrig klingt, ist einfach erklärt: Wird ein ehemaliges Militär- oder Industriegebiet anders genutzt, spricht man von Konversion oder Umwandlung.

Wenn es nach dem Willen der Stadt geht, sollen im Gebäude, in dem einst die bekannten Spielzeug-Rennbahnen produziert wurden, schöne Wohnungen entstehen. Auch Büros, kleine Handwerksbetriebe oder gar ein schmuckes Hotel wären denkbar, überlegt Schöner. Allerdings hat die Stadt bei den künftigen Plänen im Detail kein Wort mitzureden. Lediglich der Bebauungsplan wurde vom Stadtrat bereits vor einem Jahr abgesegnet. Demnach ist das Areal ein Mischgebiet. Das bedeutet, großflächige Einzelhandelsbetriebe, wie sie immer wieder bei der Stadt anklopften, haben keine Chance. Stattdessen werden Wohnen (und Büros) in der Südstadt bevorzugt.

„Knallharter Markt“

Das Gelände selbst ist in den Händen einer Bank, seit die Produktion der Rennbahnen an die thüringische Grenze verlagert wurde und die Firma Insolvenz angemeldet hat. Künftige Investoren müssen also mit dem Geldinstitut um den Preis ringen. „Das ist ein knallharter Markt“, sagt OB Thomas Jung, der lieber heute als morgen die Bagger auf der „Brache, die den Stadtteil runterreißt“, sehen würde.

Flächensanierung samt Recycling werden auf dem Areal jedoch nicht ganz billig kommen. Ein Neubau auf der grünen Wiese ist günstiger, wissen Experten und rechnen mit einem Millionenbetrag im zweistelligen Bereich, wenn in der Nähe des Stadtteils am Südstadtpark neues Leben einziehen soll, wo sich seit Jahren Unkraut und Staub breit machen.

Rund 70 Millionen Euro haben P&P Wohnbau bereits in das ehemalige Darby-Gelände investiert. Die Firma mit Sitz in Fürth zeichnet sowohl für die Umwandlung des Kasernen-Kopfbaus an der Flößaustraße als auch für das so genannte Steuben-Karree verantwortlich. Die Vermutung liegt nahe, dass sich P&P auch im angrenzenden Carrera-Areal engagieren wird. „Wir sind uns schon so gut wie einig“, gibt Geschäftsführer Michael Peter auf Anfrage der FN über die Verhandlungen Auskunft. Ähnlich wie in der Flößaustraße planen P&P dort Penthäuser, schickes und schönes Wohnen. Bis Ende Dezember sollen die Untersuchungen für ein mögliches Sanierungsgebiet abgeschlossen sein. Laut Baugesetzbuch müssen dabei auch die sozialen und städtebaulichen Strukturen im angrenzenden Viertel mit einbezogen werden.

„Die Voraussetzungen für ein Sanierungsgebiet sind alle vorhanden“, gibt sich Baureferent Joachim Krauße zuversichtlich, dass sich spätestens im Frühjahr 2006 auf der Fläche etwas tun wird.

1991 wurde die Carrera-Produktion aus Fürth abgezogen. Aus einer zunächst angedachten Nutzung des Gebäudes durch die Firma Quelle wurde nichts. Der Einrichtung eines großflächigen Einzelhandels hatte der Stadtrat einen Riegel vorgeschoben mit der Begründung, dass kein Bedarf mehr an Versorgungszentren bestehe.

Tatsächlich befinden sich in der Südstadt bereits einige Einkaufsmärkte, auf dem ehemaligen PX-Gelände der Amerikaner bietet das Phönix-Center eine breite Warenauswahl.

MARTINA HILDEBRAND

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