XXL-Gewächshäuser: Langenzenner Stadträte schieben Entscheidung auf

26.7.2020, 21:00 Uhr
Vor der Stadtratssitzung demonstrierten Keidenzeller und Hardhofer Bürger am Schreiberstorberg in Langenzenn. Im Saal der Gaststätte im Hintergrund trafen sich Stunden später die Ratsmitglieder.

Vor der Stadtratssitzung demonstrierten Keidenzeller und Hardhofer Bürger am Schreiberstorberg in Langenzenn. Im Saal der Gaststätte im Hintergrund trafen sich Stunden später die Ratsmitglieder. © Foto: Heinz Wraneschitz

Nun haben die Fraktionen bis Mittwoch Zeit, ihre Position zum Antrag auf "Ausweisung von Konzentrationsflächen" für "großflächige Unterglaskulturen" festzulegen. Seit Monaten wehren sich Bürger aus Keidenzell und Horbach gegen mehr als 160 000 Quadratmeter geplante Glashäuser in ihren Dörfern. Von "Knoblauchsland 2.0" ist die Rede. Denn die potenziellen Bauherren sind zwei Großgärtnereien aus dem Gebiet im Norden Nürnbergs.


Geballter Bürgerprotest gegen XXL-Gewächshäuser


Dass es den Kritikern ernst ist, bewiesen sie am Donnerstagabend eindrücklich: Ab 16.45 Uhr standen um die 100 Anwohner, ausgerüstet mit Warnwesten und Plakaten am Schreiberstorberg. Im dortigen Saalbau war die Stadtratssitzung angesetzt, offiziell ab 17.30 Uhr. Doch die Demonstranten konnten die Ratsmitglieder nach einem Außentermin erst eine Stunde später lautstark empfangen. Eine weitere Stunde später – der nichtöffentliche Teil war vorbei – durften 20 von ihnen in den Saal. Mehr sind wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt.

Was folgte, war eine Auseinandersetzung, die in Stadtratssitzungen selten ist: Projekt-Initiatoren und -Gegner konterten gegenseitig ihre Argumente. Peter Höfler von der Höfler Gemüse GbR aus Schnepfenreuth beklagte die "Pauschalablehnung" seiner Pläne: In Keidenzell soll unter 61 500 Quadratmetern beheiztem Glas Biogemüse angebaut werden. Höfler stellt klar: Seine Familie werde "das Vorzeigeprojekt intensiv weiterverfolgen" – auch gegen den Widerstand der Bevölkerung.

Johannes Höfler und seine Gartenbau Höfler GbR aus Kleinreuth möchten ebenfalls unter Biobedingungen in Hardhof Gewächshäuser aufstellen. Ob eines oder gleich zwei mit je 5000 Quadratmetern Fläche sei noch nicht klar. Doch anders als Peter Höfler will Johannes Höfler sein Projekt nicht um jeden Preis umsetzen.

Die Protest-Initiative aus Keidenzell hat mehrere Wasser- und Gartenbau-Fachleute befragt. Deren Auskünfte lassen auf wesentlich höheren Wasserbedarf in den Betrieben schließen, als diese angegeben hatten. Sowohl die Keidenzeller (300 Einwohner) als auch die Hardhöfer (50 Einwohner) fürchten, dass durch die wohl jeweils über 60 Saisonarbeiter in den geplanten Betrieben die dörfliche Eigenart zerstört wird.

Glaubt man den von der Verwaltung eingeholten Stellungnahmen, dann dürfte die Verhinderung der Projekte schwer werden. "Gewächshäuser inklusive Betriebswohnungen sind immer privilegierte Bauvorhaben", heißt es aus dem Amt für Landwirtschaft und Forsten. "Die Wasserversorgung ist unproblematisch", meint die Dillenberg-Gruppe. Das bezweifelt der Bund Naturschutz: "Das Bio-Feld in Hardhof wird wegen fehlender Wasserkapazitäten aufgegeben" – genau hier soll aber das Glashaus entstehen.

Die Verwaltung engagierte zudem zwei neutrale Berater, einer davon ist Rechtsanwalt Gerhard Spieß. Er geht von einer "grundsätzlichen Zulässigkeit" der Projekte aus – "wenn die Erschließung gesichert ist". "Die Planung selbst kostet viel und dauert bis zu zwei Jahre", weiß Spieß aus Erfahrungen mit Windkraft-Vorranggebieten. Weshalb SPD-Ratsmitglied Klaus Roscher sichtlich frustriert zusammenfasste: "Wir haben also nichts zu sagen."

Was nicht ganz richtig ist, wie ein Beschluss des Abends zeigt: Den Antrag der AKG Agrar Kompost GmbH, eine Lagerhalle künftig auch für Altholz der Kategorien AI und AII zu nutzen, lehnte das Gremium einstimmig ab. AKG betreibt die Bioabfallvergärungsanlage, in der die Grünabfälle aus dem Landkreis in Biogas umgewandelt werden. Und der AKG gehören die Felder, auf denen die Höfler GbR in Keidenzell ihr Gewächshaus bauen will. Bauvoranfragen oder -anträge gibt es bis heute weder für Keidenzell noch für Hardhof.

Am nächsten Mittwoch, 29. Juli, ab 17 Uhr dürfte es an gleicher Stelle wieder spannend werden.

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