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Zauneidechsen: Der Bahndamm wird zum Biotop

Entlang der Cadolzburger Zugstrecke fühlen sich die geschützten Tiere wohl - 14.07.2020 11:00 Uhr

Alles, was Zauneidechsen brauchen, gibt es am Cadolzburger Bahnhof: Steine zum Aufwärmen und Verstecken, ein bisschen Wildwuchs und sandigen Untergrund.

© Hans-Joachim Winckler


Ein Biotop am Bahnhof? Tiere, die als akut bedroht gelten, leben dort, wo halbstündlich ein Zug einfährt? Was den Laien verblüfft, ist für Helmut Willert, Oberasbacher Amphibienexperte, völlig klar: "Zauneidechsen finden an Bahngleisen ideale Bedingungen", sagt er.

Doch selbst Willert war von den vielen Exemplaren, die sich längs der Strecke zwischen Cadolzburg und Egersdorf tummeln, überrascht. 80 der scheuen Tiere hat er persönlich gezählt. Hochgerechnet geht er davon aus, dass mindestens 300 bis 500 der grünlich-braunen Echsen an den Gleisen ihren Lebensraum haben. "Es ist der größte Bestand, den ich im Landkreis Fürth je entdeckt habe."

Damit das so bleibt, engagiert sich auch der örtliche Bund Naturschutz (BN) für die Tiere, die auf der Roten Liste der aussterbenden Arten zu finden sind. Margareta Wittmann vom Cadolzburger BN-Vorstand hat vor allem Sorge um die Flächen in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Dieses Gelände, zirka 4400 Quadratmeter groß, hat die Bahn 2019 versteigert. Der Name des Käufers ist öffentlich nicht bekannt – Datenschutz wird als Grund für die Geheimhaltung genannt. "Wer weiß, was dort geplant ist", mutmaßt Wittmann.

Derzeit ist die Fläche mit wildem Gestrüpp und Gras zugewuchert. In diesem Ödland finden die Zauneidechsen ihre Nahrung: Heuschrecken, Käfer, Regenwürmer und Schnecken. Was sie außerdem brauchen, ist ein weicher, sandiger Untergrund für die Eiablage – und die Möglichkeit, sich in der Sonne aufzuwärmen, sich sozusagen auf Betriebstemperatur zu bringen. Dafür sind die dunklen Steine am Bahndamm optimal.

Zauneidechsen können bis zu 15 Jahre alt werden. Je betagter, desto grüner sind die Männchen, insbesondere in der Paarungszeit.

© Friedrich Böhringer


"Vermutlich werden Bahnstrecken einmal die letzten Lebensräume für Zauneidechsen sein", nimmt Willert an. Zwar könnten die Tiere auch in Gärten existieren, doch dort sind ihre größten Feinde daheim: Hunde und vor allem Katzen.

"Gegen eine Katze hat eine Zauneidechse kaum eine Chance", weiß Willert. Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Mauereidechsen, die in Cadolzburg an der Burg beobachtet werden, können sie nur schlecht klettern; außerdem verkriechen sie sich bei Gefahr nicht immer, sondern verharren bewegungslos.


Oberasbachs Zauneidechsen müssen umziehen


 

Um den Lebensraum in Cadolzburg zu erhalten, darf das Gelände an der Bahn nicht bebaut werden, sondern muss Ödland bleiben. Zumindest Wohnbebauung hat die Marktgemeinde Cadolzburg ausgeschlossen. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt ist bereits über die Population informiert.

 Margareta Wittmann will nun das große Vorkommen der stark gefährdeten Amphibien zusätzlich auf einer Internetseite des Landesamts für Umwelt melden, dem sogenannten Fin-Web. Vorbeugend sozusagen. Denn oft, hat sie erfahren, werden artenschutzrechtliche Prüfungen vor Bauvorhaben nur anhand von Kartierungen absolviert. Und wenn das Vorkommen einer Art nirgends vermerkt ist, dann kümmert sich auch niemand um ihren Erhalt.

Das betrifft besonders Zauneidechsen, denn sie pflegen ein recht heimliches Dasein. Wer sie sehen will, braucht viel Beobachtungsgabe und Ausdauer. Nicht selten ist deshalb nichts von den Tieren bekannt.

Ein anderer Cadolzburger Bahnhofsbewohner ist indes kaum eine Gefahr für die Population: An dem neben den Gleisen stehenden Getreidesilo haben sich in einem Nistkasten Turmfalken niedergelassen und erfolgreich gebrütet. "90 Prozent ihrer Nahrung besteht aus Mäusen", sagt Willert. Die eine oder andere Eidechse könnte durchaus auch Opfer der Falken geworden sein. "Das aber ist Natur", sagt er, und schade dem Gesamtvorkommen nicht.

BEATE DIETZ

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