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Dienstag, 23.07.2019

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Zimmerer-Rechnung wird erheblich teurer

Kommunikation zwischen der Gemeinde und dem Architekturbüro wird als "höchst mangelhaft" bezeichnet - 12.07.2019 16:01 Uhr

Beim diesjährigen Tag des offenen Denkmals konnte man den Gelben Löwen besichtigen. © Thomas Scherer


Ärger und Unmut in der Gemeinderatssitzung: Ganz beiläufig und ohne jede Vorwarnung mussten die Kommunalpolitiker von Großhabersdorf jetzt zur Kenntnis nehmen, dass die Zimmerer bei der Sanierung des "Gelben Löwen", eines historischen Gasthauses aus dem 17. Jahrhundert, einen satten Aufschlag fordern.

Die mit den Arbeiten beauftragte Zimmerei Lederer hat ein Nachtragsangebot in Höhe von fast 72 000 Euro vorgelegt. Mit der Information darüber sah die Tagesordnung im Gemeinderat vor, dass die zusätzliche Ausgabe auch gleich beschlossen wird.

Das Rothenburger Architekturbüro Konopatzki & Edelhäuser begründet den Nachtrag damit, dass es "nach diversen Bauteilöffnungen" zu dem Schluss kam, dass weitere Fachwerkbalken im seit 2008 leerstehenden Gebäude ausgetauscht und weitere Deckenbalken eingebaut werden müssten.

Als ob das Architekturbüro schon Ungemach geahnt hätte, entsandte es gleich zwei seiner Mitarbeiter in die Gemeinderatssitzung. In einer aufwändigen und detaillierten Power-Point-Präsentation erläuterten sie vor der Abstimmung, wie es sich mit der Kostensteigerung verhält.

Mangelhafte Kommunikation

Franz Buckel (SPD) übte heftige Kritik daran, dass die Architekten keinerlei Informationen über Bauablauf und Baufortschritt an den Gemeinderat gegeben hätten. Immerhin gehe es hier um ein Millionenprojekt. Vom Projektmanagement des Büros sei er bitter enttäuscht. Buckel forderte umgehend und regelmäßig detaillierte Informationen über das Geschehen auf der Baustelle.

Auch Bürgermeister Friedrich Biegel bezeichnete die Kommunikation zwischen der Gemeinde als Auftraggeber und dem Architekturbüro als höchst mangelhaft. Thomas Zehmeister (CSU) versuchte die Wogen zu glätten: "Wir haben gewusst, was mit dieser Sanierung auf uns zukommt. Wir schaffen damit auch einen Schatz für zukünftige Generationen." In aufwändiger Handarbeit leiste die Zimmerei "schwierigste Handwerkskunst". Viele Schäden seien wohl in keinster Weise vorhersehbar gewesen.

Schließlich genehmigten die Gemeinderäte einstimmig das Nachtragsangebot. Sozialdemokrat Buckel stellte indes klar: Ein derartiges Geschäftsgebaren werde seine Stimme nicht noch einmal bekommen.

Damit nicht genug, zeitgleich meldete auch die Haustechnik-Firma Porlein Mehrkosten bei der Sanierung des "Gelben Löwen" an. Deren Begründung: Der mit dem Architekturbüro vereinbarte Terminplan werde nicht eingehalten. Da bis heute keine Ausführungspläne vorliegen, könne die Firma weder eine Montage planen noch Material bestellen.

Das bedeute, dass man das Material nicht zu den ursprünglich kalkulierten Einkaufspreisen beim Lieferanten beziehen könne. Außerdem habe die Firma Personal in der Zeit von Januar bis Mai anderweitig einsetzen müssen.

Das Planungsbüro Schredl ist anderer Ansicht. Es teilte der Gemeinde mit, dass zwar die Ausführungszeit verlängert werden müsse; bezüglich der Mehrkostenanmeldung sei die Firma Porlein allerdings im Unrecht, da die Preise bis 2020 vereinbarungsgemäß stabil bleiben müssen.

Keine Zustimmung fand ein Nachtragsangebot der Firma Frank Siem im Rahmen der Sanierung des Kindergartens "Tulipan" über 4361 Euro für vier Leuchten und Installationsmaterial. Bürgermeister Biegel bewertete den Preis von 600 Euro für eine Außenleuchte als entschieden zu hoch. Mit zehn zu drei Stimmen beschloss der Gemeinderat, günstigere Alternativen zu suchen. 

Günter Greb

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