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Zirndorf: Die Genossen tragen Trauer

SPD will Bürgermeister Thomas Zwingel den Posten retten - 18.03.2020 21:00 Uhr

Beim Blick auf die Ergebnisse der Bürgermeisterwahl zeigten sich die Genossen um Bürgermeister Thomas Zwingel (5. v. re.) am Wahlabend noch guter Dinge. Die nur noch acht Mandate, die die SPD bei der Stadtratswahl holte, trüben jetzt die Laune. © Thomas Scherer


Während die CSU feiert, ab 1. Mai die stärkste Fraktion im Stadtrat zu stellen und erstmals die SPD abgehängt zu haben, geben sich die Genossen nach Bekanntgabe der Ergebnisse zerknirscht. "Das ist ein bitterer Moment", meint SPD-Fraktionssprecher Marcus Spath. Und sagt der CSU im gleichen Atemzug zum "deutlichen Wahlsieg herzlichen Glückwunsch". Bürgermeister Thomas Zwingels Kommentar: "Ich bin enttäuscht, das ist klar."

Dass es für die beiden großen Fraktionen CSU und SPD mit aktuell jeweils elf Sitzen zu Einschnitten kommen würde, war angesichts der sieben statt bis dato vier Parteien, die sich bewarben, absehbar. "Allerdings hätten wir schon gehofft, wie die CSU mit dem Verlust von nur einem Mandat und damit mit einem blauen Auge davonzukommen", wähnt sich Spath nun doppelt abgestraft. Die Bundes- und Landespolitik habe der SPD auf kommunaler Ebene nicht in die Karten gespielt, meint er unisono mit Zwingel. Der gibt sich überzeugt, "dass wir viel vor Ort viel geleistet haben".

Allerdings gewinnt Spath der Zersplitterung des Stadtrates, in dem das Parteienspektrum von links bis ganz rechts vertreten sein wird, auch Positives ab: "Eine klare Mehrheit hat keiner mehr, so müssen wir alle enger zusammenarbeiten. Da stehen uns sechs Jahre harter Stadtratsarbeit bevor." Ähnlich wie Zwingel würde er sie allerdings nicht als schwieriger einstufen – "eher als spannende und interessante Aufgabe". Zwar würde er die Stimmung im aktuellen Stadtrat nicht als verbissen bezeichnen, ihm ist aber bewusst, dass "früher mehr Harmonie war; vielleicht kommen wir da ja wieder hin".

Der SPD-Fraktionschef hofft, "zumindest ein blaues Auge wieder wegzubekommen, wenn wir nach der Stichwahl doch noch den Bürgermeister stellen". Die Ausgangsbasis dafür sieht er gegeben: Selbst wenn die anderen Parteien jetzt gegen Zwingel zusammenstehen würden, was Spath erwartet, "sehnen sich die Menschen gerade in solchen Krisenzeiten, wie wir sie jetzt mit Corona haben, nach Stabilität". Und es seien die Bürger, die die Stichwahl entschieden, nicht die Parteien und deren Wahlempfehlungen. Zwingel habe als Bürgermeister "gute Arbeit gemacht, er ist überall präsent, in der Verwaltung firm und verwurzelt". Dass er bei sechs Mitbewerbern im ersten Anlauf knapp 43 Prozent geholt hat, nimmt Spath als gutes Zeichen: "Ich gehe davon aus, dass ihn die Bürger in der Stichwahl klar bestätigen werden."

"Wenn drei Parteien mehr mitmischen, müssen alle Federn lassen": Das war auch für Grünen-Fraktionssprecher Wolfram Schaa keine Überraschung. Umso mehr freut ihn, dass es seiner Partei als einziger Gruppierung im Stadtrat gelungen ist, die Fraktion aufzustocken: um einen auf fünf Sitze. "Das motiviert neu und lässt mich optimistisch in die Zukunft Zirndorfs blicken, und genau um die muss es gehen." Aus diesem Grund würde er eine Wahlempfehlung für den CSU-Kandidaten Bernd Klaski aussprechen. "Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich vieles mit der aktuellen Stadtspitze nur sehr schleppend anpacken lässt", so Schaa. Klaski traue er zu, "mehr Zug reinzubringen", spielt er auf den Wahlslogan "Gestalten statt Verwalten" an. Allerdings sei seine Fürsprache keine Empfehlung seiner Partei, betont Schaa. Ein Stimmungsbild dazu fragte der Ortsvorstand bis gestern Abend noch ab.

Als Herausforderung wertet Schaa die zwei AfDler im Gremium. "Wie wir mit ihnen umgehen, müssen wir fraktionsintern noch abstimmen." Spath geht der Zusammenarbeit "ohne Vorbehalte" entgegen, man werde sehen, "was sie Konstruktives beitragen". Und allzu extreme Positionen ließen sich in sachorientierter Arbeit auf kommunaler Ebene schließlich auch nicht platzieren, glaubt Zwingel.

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