Zirndorfer Elektroroller: Für die letzte Meile bis zur Bahn

28.8.2017, 21:00 Uhr
Metz-Geschäftsführer Wilhelm Daum (rechts) stellt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (Dritter von links) und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Zweiter von links) den neuen Elektroroller vor.

Metz-Geschäftsführer Wilhelm Daum (rechts) stellt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (Dritter von links) und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (Zweiter von links) den neuen Elektroroller vor. © Foto: Armin Leberzammer

Rund 50 Jahre ist Wilhelm Daum als Geschäftsmann tätig. "Ich habe dabei viele Krisen durchgemacht, aber immer auch eine Chance darin gesehen", sagt der 70-Jährige. Da der Markt für Foto-Blitzgeräte wegen der Beliebtheit von Smartphone-Fotografie immer schwieriger wird, werden am Standort der Traditionsmarke Metz neuerdings Produkte hergestellt, die man hier nicht erwarten würde: Elektroroller.

Leicht, kompakt und zusammenklappbar, so dass sie in Kofferraum, Bus und Bahn einfach mitgenommen werden können – so beschreibt das Unternehmen seine Neuentwicklung. Die Reichweite soll 16 Kilometern betragen. Nicht eben üppig, allerdings wird der Roller auch als Vehikel für die "erste oder letzte Meile" angepriesen, also etwa für den Weg von oder zur nächsten S-Bahnstation.

Alternative zum Fahrrad

Was den Metz-Scooter von anderen unterscheidet: Er benötigt kein Versicherungskennzeichen und darf aufgrund seiner Maximalgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern überall dort gefahren werden, wo auch Fahrräder erlaubt sind. Preislich wird er laut Daum für unter 2000 Euro zu haben sein und zuerst über den Fahrradfachhandel vertrieben werden. Hier verfügt das Fürther Unternehmen, das unter den Namen Daum electronic und Daum fitness Trainingsgeräte sowie Elektromotoren unter anderem für E-Bikes produziert, bereits über einen soliden Marktzugang. Auch auf dem Campingmarkt sieht Daum Potenzial für den Metz-Roller. Mittelfristig soll ein monatlicher Absatz von 1000 Stück erreicht werden. "Bis die Produktion voll läuft, werden wir wohl noch Kurzarbeit fahren müssen", erklärt Daum, dem seine Kinder Daniela und Lauri in der Geschäftsführung zur Seite stehen. Aktuell liege die Auslastung in Zirndorf bei 60 Prozent.

Insgesamt beschäftigt die Familie momentan 268 Mitarbeiter, davon 168 in der Blitzgerätesparte Metz Mecatech. Sie erwirtschafteten nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr 20 Millionen Euro (Mecatech) beziehungsweise 30 Millionen Euro (Daum). Weitere rund 160 Frauen und Männer sind beim zweiten Investor angestellt — dem chinesischen Unternehmen Skyworth, das nach der Insolvenz einstieg. Die Asiaten haben die TV-Geräte-Sparte übernommen und mit der Entwicklung und Produktion des Elektrorollers nichts zu tun.

Bestellung fürs Ministerium

Zu einer ersten Probefahrt waren am Freitag gleich zwei Spitzenpolitiker nach Zirndorf gekommen: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet war ebenso da wie Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt. "Ich bin seit Jahrzehnten keinen Roller mehr gefahren, aber mit dem konnte ich mich gleich anfreunden", sagte Schmidt und kündigte an, zwei Exemplare für seine Mitarbeiter im Ministerium zu bestellen.

Laschet würdigte die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft an "oft kleinen und abgelegenen Orten". Wilhelm Daum sei ein Unternehmer, der die Chancen der Elektromobilität erkenne. "Denn egal ob Fahrverbote für die Innenstädte kommen oder nicht, wird sich an der Art unserer Fortbewegung etwas ändern müssen", sagt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident.

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