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Zirndorfer "Krebskriegerin" im Finale für Auszeichnung

Der Ehrenfelix wird seit 2017 von der Felix-Burda-Stiftung verliehen - 06.03.2020 05:56 Uhr

„Krebskriegerin“ Susanna Zsoter deutet eine Krieger-Pose aus dem Yoga an, die Stärke und Stabilität erfordert.

05.03.2020 © Foto: Birgit Heidingsfelder


"Wir sind alle viel zu jung", sagt Susanna Zsoter (32) über sich und zwei weitere Darmkrebskranke, die nominiert sind für den Ehrenfelix Award. Mit ihrem Satz verbindet sie die Mahnung für gute Prävention, denn Darmkrebs ist, früh erkannt, vermeidbar. Doch erst ab 50 Jahren übernehmen die Kassen die Vorsorge, und selbst dann nehmen viele Menschen sie nicht in Anspruch.

Wer den Ehrenfelix im Hotel Adlon Kempinski Berlin entgegennehmen darf, entscheidet das Online-Voting bis 7. März (www.ehrenfelix.de). Die Auszeichnung erinnert an Felix Burda, Sohn des Verlegers Hubert Burda und seiner ersten Frau Christa Maar, der 2001 an Darmkrebs starb.

Der Sonderpreis, der seit 2017 von der Felix-Burda-Stiftung, der Siemens-Betriebskrankenkasse und Welt der Wunder TV in Form einer silbernen Anstecknadel verliehen wird, ehrt Patienten, die sich trotz ihrer Darmkrebserkrankung dafür einsetzen, andere vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren.

Bei einer Operation entdeckt

Susanna Zsoter war schon einmal nominiert, 2018 wurde sie Zweite. Nun wäre sie zwar liebend gern dabei in Berlin, betont aber: Wer auch das Rennen macht, wichtig sei vor allem, dass das Thema Vorsorge eine große Plattform bekommt, "damit Darmkrebs hoffentlich irgendwann nur noch in alten und doofen Gruselgeschichten zu finden ist".


Darmkrebs: Frühzeitige Vorsorge rettet Leben


Mit 28 Jahren, Susanna Zsoter war Marketing-Managerin bei einer IT- Firma und, berufsbegleitend, Studentin, wurde sie wegen eines Darmverschlusses notoperiert. Dabei entdeckten die Ärzte im Dickdarm einen bösartigen Tumor. Nach und nach zeigte sich, dass der Krebs gestreut hatte, dass Lymphknoten und Leber befallen waren. Die Hiobsbotschaften der Mediziner waren für Susanna Zsoter ein Schock.

Folge 13: Risiko Darmkrebs

Hinzu kam: Die Zirndorferin, die Halt bei ihrer Familie und ihrem Verlobten findet, war vorbelastet. Sie leidet an Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Die Krebsdiagnose kam, als sie medikamentös so eingestellt war, dass sie pro Tag mit acht bis zehn Toilettengängen hinkam und keine 50 mehr nötig waren.

Susanna Zsoter hat enorme Höhen und Tiefen erlebt. Es gab eine Zeit, in der sie künstlich ernährt werden musste, Morphium gegen die Schmerzen erhielt und im Rollstuhl saß. Doch sie bäumte sich auf, sagte ihren Krankheiten den Kampf an, erst recht, als die Ärzte sie für unheilbar krank erklärten. Zwischen Chemo- und Immuntherapien machte sie ihren Bachelor-Abschluss, legte 240 Kilometer auf dem Jakobsweg zurück – und begann zu bloggen.

Als "Krebskriegerin" schildert sie seit 2016 in ihrem Facebook-Blog die Aufs und Abs in ihrem Leben. Sie will damit allen – Freunden, Bekannten, Fremden, Betroffenen, Nicht-Betroffenen – klarmachen, dass man das Leben auch als "Todgeweihte" genießen kann, will trösten, beraten und immer wieder Mut machen. Motto: "Zeigt dem Krebs den Mittelfinger".

 

"Es geht mir ganz gut", erklärt sie heute und erwähnt beiläufig Darm- und Leberentzündungen, die ihr manchmal doch zu schaffen machen. Arbeiten geht sie, wenn auch minimal, treibt Sport, geht bouldern, zurzeit in Hallen und "hoffentlich bald wieder im Freien am Fels". Um den Krebs in Schach zu halten, unterzieht sie sich Immuntherapien.

Eine App für Patienten

Außerdem treibt sie zwei Projekte voran, die ihr am Herzen liegen: Mit Susan Sommerfeld und anderen Krebsbloggern hat sie Cancer Unites verwirklicht, eine Plattform, die "(Neu-)Betroffenen Orientierung im Krebs-Dschungel geben", ihnen also mit Information, Rat und Trost zu Seite stehen will. Und mit dem Erlanger Verein Health Hackers entwickelt sie eine App, die Patienten helfen soll, ihre Krebserkrankung zeitsparend und individuell zu verwalten. Gedacht, sagt die "Krebskriegerin", sei an Module für die Medikamenteneinnahme, für digitalisierte Dokumente bis hin zum Letzten Willen.

"Das Leben ist schön – trotz allem", lautet ein zentrales Statement von Susanna Zsoter. Mit ihrem Lebensmut inspiriert sie inzwischen schon rund 7000 Menschen, die ihr auf Facebook folgen.

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