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Zoff auf der Wiese: Bauer contra Hundehalter

Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen ist mehr als ein hygienisches Problem - 29.08.2019 11:00 Uhr

Der Hund in der Wiese: Szenen wie diese sorgen regelmäßig für Konflikte mit Landwirten. © Foto: Colourbox.de


Vier Hektar Wiesenfläche hat der Oberasbacher Bauer und Stadtrat südlich der Bruckwiesenstraße gepachtet, er macht dort seit einigen Jahren Heu für seine Tiere. Heuer war dabei Ärger angesagt.

Probleme gibt es, seiner Aussage nach, immer wieder mit Spaziergängern, Radlern oder eben Menschen, die etwa mit ihren Vierbeinern aus dem Bibertgrund kommen oder dahin wollen. Denn der Fuß- und Radweg beschreibt an dieser Stelle eine Schleife um das landwirtschaftliche Areal herum, die sich sparen kann, wer den Trampelpfad durch die Wiese nimmt.

Kürzlich hat Peter hier das Gras geschnitten. Weil sein Schlepper defekt war und andere Arbeiten zeitlich drückten, verschob er den Abtransport um mehrere Tage. Das Fahrzeug samt Mähwerk ließ der Landwirt vor Ort stehen – und zwar genau auf einem der gerne genutzten Pfade. Als er einige Tage später das Heu einholen wollte, traute er seinen Augen nicht. Bei seinem Schlepper waren sämtliche Scheiben eingeschlagen worden, ein Computer kaputt. Geschätzter Schaden: Rund 2000 Euro.

Peter, der darauf hin Anzeige gegen unbekannt bei der Polizei erstattete, vermutet einen Racheakt, weil die Maschine den Weg versperrte. Er spricht von "massiven Problemen mit Hundebesitzern", die ihre Tiere frei auf den Flächen laufen lassen. Für ihn ein Unding, handelt es sich doch um Futterwiesen. Wenn Kühe das durch Kot verunreinigte Gras oder Heu fressen, kann es zu Früh- und Totgeburten kommen. Und das sind nicht die einzigen negativen Folgen für Landwirte.

Hotspots in Stadt und Land

Das bestätigt auch Peter Köninger. "Flächendeckend" sei das Thema im Landkreis festzustellen. Allerdings gibt es einige "Hotspots": Stärker seien die städtischen Bereiche wie Rednitz- und Bibertgrund, aber auch Fürther Vororte wie Stadeln und Vach betroffen, sagt der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), der selbst Vieh hält.

Immer wieder, wenn er auf dem Weg ins Zirndorfer Landratsamt ist, macht Köninger nach eigenen Worten beispielsweise vom Auto aus die Beobachtung, dass Hundehalter zwischen Banderbach und Zirndorf neben der Kreisstraße mitten durch die Futterflächen des Wiesengrundes laufen. Laut Bayerischem Naturschutzgesetz ist das aber nicht erlaubt. In Artikel 30 heißt es: Landwirtschaftlich genutzte Flächen "dürfen während der Nutzzeit nur auf vorhandenen Wegen betreten werden. Als Nutzzeit gilt die Zeit zwischen Saat oder Bestellung und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses."

Schäden durch niedergetrampeltes Gras und Kot zählt der Landwirt auf, und damit nicht genug. Egal, ob Dackel oder Bulldogge: Die Hunde schreckten Hasen, Rehe oder am Boden brütende Vögel auf und hinterlassen ihre Witterung im Grün. Die Folge, so Köninger: Das Wild meide die Flächen.

Das mag Walter Schulte allerdings so nicht bestätigen. Der Jagdberater der Kreisjägerschaft Fürth verweist auf Hundeprüfungen, die von den Waidmännern in Wiesen abgehalten werden. In Revieren mit gutem Wildbestand würden die Tiere die Flächen wieder in Beschlag nehmen, so seine Erfahrung. Wenn er mit seinem Hund in der Flur unterwegs ist, hat er den Kotbeutel immer dabei, um die Hinterlassenschaften aufzuklauben. Als Jäger sucht er das Gespräch, wenn er Spaziergängern mit freilaufenden Vierbeinern in seinem Revier begegnet. Seine Erfahrung: Die meisten Hundehalter seien vernünftig. Wichtig sei jedoch, wie man die Leute anspreche.

Walter Schulte kennt aber auch die andere Seite. Die sogenannte "Hundewiese" in Altenberg hat er selbst schon besucht – einmal und nie wieder. "Bevor man überhaupt dort ist, steigt man schon über 20 Haufen." Und das, obwohl eine Hundetoilette mit Beuteln und einem Behälter vor Ort steht.

Werner Wolf, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Roth, selbst Sohn eines Bauern, hat heuer auf den Wiesen seines Bruders, der zwei Totgeburten bei seinen Tieren hatte, Infotafeln aufgestellt. © Foto: privat


Altenberg liegt im Einzugsbereich der Städte Nürnberg, Zirndorf und Fürth. Aber selbst daheim bei Peter Köninger, sein Hof steht im stark ländlich geprägten Kreben, einem Wilhermsdorfer Ortsteil ganz im Westen des Fürther Landes, ist das Problem latent. Seine Heimatgemeinde tue viel in Sachen Hundetoiletten, die seines Wissens nach auch gut genutzt werden, sagt der BBV-Mann.

Aber die Erfahrung der Jahre hat ihm gezeigt: Es gibt sehr viele Menschen, die weder Eigentum achten noch wissen, welchen Schaden sie überhaupt anrichten – oder eben einfach unbelehrbar sind. Dann wird der Hund kurz angeleint, wenn der Bauer vorbeifährt, wenig später läuft das Tier wieder frei in der Flur.

Oder der Kot wird zwar mit der Tüte eingesammelt – die landet später aber eben nicht im dafür vorgesehenen Behälter, sondern im Baum, in der Hecke oder auf der Wiese. Es klingt ein wenig Resignation durch, wenn Köninger sagt, er spreche kaum noch jemanden an, denn bei den Antworten, die kämen, "fährst du jedes Mal mit einem schlechten Magen nach Hause".

Im Fokus der Sicherheitswacht

Sein Oberasbacher Kollege hat ähnlich Erfahrungen gemacht. "Freundlich hingewiesen" hat Thomas Peter Hundebesitzer schon öfter auf das Problem. Schilder hat der Landwirt aufgestellt – nach seinen Worten alles umsonst. Positiv findet er deshalb das Wirken der neuen, der Polizeiinspektion Stein angegliederten Sicherheitswacht, die auch in Oberasbach ihre Runden dreht. Besonders einer der Mitarbeiter habe diesbezüglich ein sehr waches Auge auf freilaufende Hunde.

In der Runde der Oberasbacher Stadtrats-Fraktionssprecher hat Thomas Peter das Anliegen bei seinen Kollegen thematisiert. Man habe darüber diskutiert, dass die Kommune die Hundehalter in der Stadt anschreiben und sensibilisieren solle. Das Problem: Auch Hunde aus Nürnberg, Fürth oder Zirndorf tollen hier über die Wiesen. Bei deren Frauchen und Herrchen würde die Post aus Oberasbach gar nicht erst im Briefkasten landen. Deshalb war die Überlegung, wieder Schilder aufzustellen. Die könnte dann keiner übersehen. 

Harald Ehm

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