Zu viele Keime: Darf Fürth auf ein Ende des Badeverbots hoffen?

23.8.2020, 06:00 Uhr
Manche sonnen sich nur, viele aber tauchen ein: Trotz Badeverbots erfreut sich die Abkühlung an der Uferpromenade in Fürth großer Beliebtheit.

Manche sonnen sich nur, viele aber tauchen ein: Trotz Badeverbots erfreut sich die Abkühlung an der Uferpromenade in Fürth großer Beliebtheit. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Wie berichtet, hatten FN-Recherchen ergeben, dass die Stadt die Prüfungen, ob sich das Flusswasser zum Baden eignet, nicht mehr fortsetzen will. Grund: Die Proben zwischen 2016 und 2019, viermal pro Jahr während der Badesaison, hatten fast durch die Bank deutliche Überschreitungen der zulässigen Belastung mit Fäkalkeimen ergeben. Laut der einschlägigen bayerischen Verordnung ist damit ein Badeverbot zwingend.

Allerdings: Ausgerechnet bei der letzten Überprüfung 2019 waren die Werte am ehemaligen Flussbad in der Rednitz (Uferpromenade) unterschritten worden. Nach Einschätzung der Fachleute in der Verwaltung handelte es sich dabei aber nicht um eine Trendwende. Man gehe vielmehr von einem "einmaligen positiven Ereignis" aus, weil man keine schlüssige Erklärung für die plötzliche Verbesserung habe.

Die Grünen hingegen sehen in diesen Werten "einen Hoffnungsschimmer", dass legales Baden künftig zumindest in einem Bereich der Fürther Rednitz möglich werden könnte. Deshalb halte man eine "kontinuierliche Weiterführung" des Messprogramms in den Fürther Flussläufen für nötig. Ob es sich beim Ergebnis von 2019 tatsächlich nur um einen Ausreißer handelt, lasse sich nur so feststellen.

Flussbaden andernorts erlaubt

Die Öko-Partei verweist auf andere Städte, in denen das Flussbaden gang und gäbe ist – wie Würzburg mit seinem offiziellen Badestrand am Main und Bamberg mit dem Hainbad an der Pegnitz Hier lässt sich der Sommer genießen an der Regnitz. Und in Nürnberg werde derzeit an der Pegnitz eine Surferwelle errichtet. Auch in Schweinfurt, Aschaffenburg, Kitzingen, Ansbach und Hof gebe es keine kommunalen Einschränkungen.

Das Messprogramm beizubehalten, macht für die Grünen aber ganz unabhängig von der Badewasser-Diskussion Sinn: "Wir denken, dass es für eine Stadt wichtig ist, die Wasserqualität in ihren Flüssen zu kennen" – zumal sich nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Bayern die biologische und chemische Gewässergüte der Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert hat.

Weniger Gülle in Flüssen

Es gebe "durchaus Faktoren", die einen weiteren Aufwärtstrend auch in der Kleeblattstadt nahelegen, meinen die Grünen. Durch das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt etwa müssen Landwirte bei der Bewirtschaftung von Feldern künftig fünf Meter Abstand zu Fließgewässern halten. Dadurch werde auch weniger Gülle in Bäche und Flüsse gelangen.


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Ob das genügt, darf fraglich bleiben: Denn als Hauptverursacher der Verschmutzungen gelten Klärwerke in der Region, die noch nicht auf dem modernsten technischen Stand sind – und deshalb keimbelastetes Klärwasser einleiten.

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