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Zweiter Weltkrieg: Interaktive Karte zeigt Zerstörung von Fürth

FürthWiki hat Luftbilder zusammengesetzt — Vergleich mit der heutigen Stadt - 18.04.2015 16:00 Uhr

Auf der Aufnahme vom 8. April 1945 sind die Bombentrichter im Wiesengrund, rund um den alten Schlachthof (Kulturforum) und die gegenüberliegende Foerstermühle, zu erkennen. Im Internet wird man zoomen können. © Foto: Stadtarchiv


Auf der Luftaufnahme vom 8. April 1945 fallen schnell die Krater auf, die die Bomben einige Wochen zuvor, im Februar, in den Wiesengrund geschlagen haben; rund um die Foerstermühle, die – das wird man im Internet gut sehen, wenn man den Abschnitt heranzoomt – kein Dach mehr hat, und den alten Schlachthof, das heutige Kulturforum.

Für das Online-Lexikon FürthWiki, das wie das Vorbild Wikipedia funktioniert, haben Mitglieder des Trägervereins diese und 64 weitere Bilder der Alliierten eingescannt, wie ein Puzzle zusammengesetzt und mit einer aktuellen Satellitenkarte von Fürth unterlegt. Damit wird es Menschen, die an Geschichte interessiert sind, erheblich leichter gemacht, zu identifizieren, welche Gebäude beschädigt wurden. Auf einen Blick kann man so aber auch erkennen, wie sich die Stadt verändert hat, wo Häuser und Straßen entstanden sind. „Besonders eindrucksvoll ist das auf der Hardhöhe und der Schwand, wo vorher kaum etwas da war“, sagt Kamran Salimi, der zusammen mit Mark Muzenhardt und Günter Scheuerer – alle drei gehören dem Vorstand an – das Projekt in Angriff nahm.

Im Februar haben sie begonnen: „Wir haben uns überlegt, was der Beitrag des Vereins zum Gedenken an das Kriegsende vor 70 Jahren sein könnte“, sagt Salimi. Das Ergebnis soll zum 19. April freigeschaltet werden – auf den Tag genau 70 Jahre nachdem Fürths kommissarischer Oberbürgermeister Karl Häupler die Kapitulationserklärung unterschrieb.

Rund 100 Stunden Arbeit sind die interaktive Karte geflossen. Auf jeder der historischen Aufnahmen mussten möglichst viele Punkte gefunden werden, die sich eindeutig zuordnen lassen. Georeferenzierung ist das Fachwort. „Meist haben wir uns an Giebeln von Gebäuden orientiert.“

20 bis 50 Punkte hat das Trio pro Foto ausgemacht und auf die heutige Karte übertragen, etwa 30 bis 60 Minuten dauerte das pro Bild. Bei Stadtteilen, in denen viel alte Bausubstanz erhalten ist, ging das freilich schneller, in der Innen- oder Südstadt etwa. Bei Ausschnitten aber, die unscharf waren oder viele stark zerstörte Häuser zeigen, war es schwieriger. „Die Hardhöhe schaut heute gänzlich anders aus, es gibt nur wenige Gebäude, die heute noch stehen“, sagt Salimi, das Klinikum etwa oder das Möbelhaus Flamme, das damals noch zum Industrieflughafen gehörte.

Beim Zusammensetzen der Bilder zu einer Karte half eine Software, unter anderem musste berücksichtigt werden, dass die Aufnahmen nicht alle aus derselben Höhe gemacht wurden. Die Fotos, die im Besitz des Stadtarchivs sind, werden übrigens auch von der Stadt herangezogen, wenn es um die Frage geht, ob Baugebiete auf im Erdreich schlummernde Bomben untersucht werden müssen. Künftig, verspricht Salimi, werden sich auch Häuslebauer leichter tun.

Die Karte ist ab 19. April verfügbar. Wer sehen will, wie sie funktioniert, findet jetzt schon auf www.fuerthwiki.de eine Karte von 1910, die zeigt, wie Fürth sich in 100 Jahren verändert hat. Dafür klickt man rechts im blauen Feld auf Overlays - OpenStreetMap.

Claudia Ziob

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