Dienstag, 24.11.2020

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Zwischen Wachendorf und Fürth leben Radler gefährlich

Es dauert, bis der erste Abschnitt der neuen Verbindung nach Oberfürberg kommt - 07.11.2020 16:00 Uhr

Der Blick vom Bahnübergang Richtung Landkreis: Links von der Straße, dem Wachendorfer Weg, soll die neue Radroute entstehen.

03.11.2020 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Vor eineinhalb Jahren sind sie gemeinsam Rad gefahren, Matthias Dießl und Thomas Jung. Danach war der Optimismus beim Fürther Landrat und dem Fürther Oberbürgermeister groß, die für Radler prekäre Stelle bald entschärfen zu können. Doch nun zeigt sich, es braucht insbesondere eines: Geduld.

In einem damals als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen gegeben hat, sprach er noch von einem möglichen Baubeginn in diesem Jahr. Konkret geht es erst einmal um einen etwas über 300 Meter langen Abschnitt von der Einmündung der nach Banderbach führenden Kreisstraße FÜ 19 in den Wachendorfer Weg bis zum Bahnübergang

Auf dieser Strecke gilt zunächst eine Höchstgeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern, kurz vor den Gleisen ein Tempolimit von 50. Für Radler ist die Situation dennoch prekär, denn die Straße ist gerade im Berufsverkehr stark frequentiert.

Südlich des Wachendorfer Wegs soll die neue Radverbindung verlaufen und zunächst nach rechts in den Waldweg zur Weiherstraße abbiegen. Später geht es über den Bahnübergang und weiter durch den Wald ebenfalls nach Weiherhof, an den Heideweg.

03.11.2020 © Entwurf: Stadtplanungsamt Fürth


Dazu kommt ein weiterer Knackpunkt: Radfahrer, die von Wachendorf aus weiter nach Fürth wollen, müssen vor der Kreuzung vom Radweg wieder auf die Straße wechseln. Wer das vermeiden will, bleibt – sowohl in der einen als auch in der anderen Richtung – lieber gleich auf der Straße. Verpflichtend vorgeschrieben ist die Nutzung des Radwegs nämlich nicht.

Teurer Kreuzungsumbau

Erste Überlegungen sahen vor, die Einmündung der Kreisstraße komplett umzubauen. Allein das hätte den Landkreis aber, grob geschätzt, rund eine halbe Million Euro gekostet - zu viel, selbst wenn die Auszeichnung "Fahrradfreundlich" trägt. Im Februar vergangenen Jahres schlug das Staatliche Bauamt Nürnberg deshalb vor, die Radfahrer an der Kreuzung über eine farblich markierte Trasse – eine so genannte Rotfurt – zu leiten.

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Von da ab soll die neue Route nun in einem ersten Bauabschnitt südlich des Wachendorfer Wegs – in Fahrtrichtung Fürth also rechts neben der Straße – entstehen. Sie führt bis kurz vor die Bahngleise und zweigt dann auf einen Waldweg ab, der die Radler bis zur Weiherstraße nach Weiherhof bringt.

In einem zweiten Schritt würde die Verbindung über den – dann umgebauten – Bahnübergang fortgesetzt und einige Meter dahinter an den Waldweg anknüpfen, der ebenfalls in Weiherhof endet – und zwar im Heideweg. In beiden Fällen geht es dann weiter durch den Wald bis zur Eschenau und dem "Schneckerlassteg" Richtung Fürther Südstadt.

Massiver Eingriff in den Wald

Die Wege im Wald seien "breit und gut gepflegt", sagt Benjamin Hartung vom Fürther Stadtplanungsamt, das die Konzipierung in Händen hat. Aus den 1990er Jahren gab es noch einen Plan, der den Radweg komplett an der Straße entlang bis zur Heilstättensiedlung in Oberfürberg führen wollte. Die Diskussion darüber ploppte in Fürth auch im jüngsten Kommunalwahlkampf auf.

Weil das Projekt aber nicht nur viel Geld verschlingen, sondern auch einen massiven Eingriff in den Stadtwald bringen würde, ist es vom Tisch. Erschwerend käme hinzu, dass die Deutsche Bahn mit ins Boot müsste, weil die Gleisquerung umzubauen wäre. Und was eine Beteiligung des Staatskonzerns mit Blick auf die zeitliche Umsetzung von Vorhaben bedeutet, davon können die Stadt, der Kreis sowie einige Kommunen im Fürther Land ein Lied singen.

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© Julius-Maximilians-Universität Würzburg (dpa)

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Frage 1/8:

Wie lange dauert es, bis ein Kaugummi verrottet?

Mehrere Jahre - wenn überhaupt. Denn damit Kaugummi so schön gummiartig ist, braucht es sogenannte Polymere - und die basieren auf Erdölbasis. Zusammen mit Zucker oder Zuckerersatzstoffen, künstlichen Farbstoffen, Verdickungsmitteln und Geschmacksverstärkern kauen wir am Ende auf einer Substanz, die biologisch nur schwer abbaubar ist. Die ökologisch bessere Alternative sind also Lutschpastillen.

© Lukas Schulze, NZ

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Frage 2/8:

In welche Mülltonne gehören leere Tiefkühl-Verpackungen?

In die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack - wenn nichts anderes auf dem Karton steht. Denn oft ist die Verpackung mit Kunststoff beschichtet.

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Frage 3/8:

Und wohin gehören Kassenbons?

Kassenbons (wie auch Lotteriezettel, Automatenbelege oder manche Kontoauszüge) bestehen aus sogenanntem Thermopapier, bei dem die Farbe durch Hitze erzeugt wird. Für die dafür nötige Beschichtung wird meistens Bisphenol A (BPA) verwendet, ein Weichmacher, der als krebserregend gilt. Deshalb dürfen Kassenbons nicht in den Recycling-Kreislauf gelangen.

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Frage 4/8:

Ein Vollbad verbraucht ungefähr 140 Liter Wasser. Und eine Dusche?

Es sind im Schnitt 15 Liter. Inzwischen gibt es aber energiesparende Duschköpfe, bei denen z.B. Luft beigemischt wird. In der Anschaffung sind sie zwar teurer als herkömmliche Duschköpfe. Je nachdem, wie oft und wie viele Menschen in einem Haushalt duschen, kann sich so ein Kauf aber schnell rechnen.

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Frage 5/8:

Wie viele Einweg-PET-Flaschen werden in Deutschland pro Stunde verbraucht?

Fast zwei Millionen! Laut Deutscher Umwelthilfe sind Einweg-Flaschen aus Plastik immer noch das am häufigsten verwendete Material bei Getränken. Weil für die Herstellung oft neuer Kunststoff verwendet wird, ist so viel Rohöl nötig, wie fast 400.000 Einfamilienhäusern genügen würde, um ein Jahr lang beheizt zu werden.

© Britta Pedersen/Archiv (dpa)

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Frage 6/8:

Wo ist die Umweltbilanz beim Smartphone am schlechtesten?

In der Herstellung liegt der Verbrauch an Energie und CO2 immer noch 5 bis 10 Mal so hoch wie in der Nutzung. Das liegt vor allem an Rohstoffen (Erze, Gold oder seltene Erden), die energieintensiv abgebaut werden müssen. Laut Greenpeace verschlang die Smartphone-Produktion in den letzten zehn Jahren so viel, wie ganz Indien pro Jahr für die Energieversorgung braucht.

© Bodo Marks/Archiv (dpa)

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Frage 7/8:

Wir bestellen immer öfter Kleidung online. Wie viele Pakete gehen im Schnitt zurück?

Fast jedes Zweite! Laut Verbraucherzentrale macht das rund 800.000 Pakete - jeden Tag. Der Kohlendioxid, der dadurch entsteht, entspricht 255 Autofahrten von Frankfurt nach Peking.

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Frage 8/8:

Ein Flug nach Teneriffa ist so schädlich wie ??? Autofahren.

Etwa ein Jahr lang. Diese Angabe stammt von der Umweltorganisation Germanwatch und beruft sich auf eine Studie internationaler Forscher (The carbon footprint of global tourism).

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Ohnehin ist die Angelegenheit aufgrund der Vielzahl der Partner bereits kompliziert genug: Als sogenannte Baulastträger sind Fürth, Zirndorf, Cadolzburg und der Landkreis, vertreten durch das Staatliche Bauamt, dabei. Im April hat das Fürther Stadtplanungsamt damit begonnen, eine Kostenaufteilung zu erarbeiten.

Die Kleeblattstadt, sie hat die meisten Radwegmeter auf ihrem Gebiet, trägt rund 77 Prozent. Fürths OB habe für das Projekt "ein offenes Ohr", glaubt der Landrat. Wann es jedoch mit dem Bau losgehen könnte, steht noch nicht fest. Das hänge, so Dießl, von der Stadt ab.

Kommt die Route bis 2025?

Laut Benjamin Hartung soll die Planung 2021 beginnen – Dauer: rund 24 Monate. "Mitte des Jahrzehnts", so seine Schätzung, könnten die Radler auf der neuen Route unterwegs sein. Aber vielleicht geht es danach mit dem zweiten Abschnitt schneller.

Die DB, verrät Hartung, sei nämlich heuer von sich aus auf die Stadt Fürth zugekommen. Der Grund: Sie will den Bahnübergang "ertüchtigen". Unterlagen hat der Konzern erhalten und sie in seine Planungen aufgenommen – immerhin.

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