Montag, 21.09.2020

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Fürther Freiheit: Ein verstörender Schnellschuss

Wie es mit der zentralen Freifläche weitergeht, bleibt ungewiss - 10.11.2019 10:00 Uhr

Ein Blick auf die Freiheit mit Parkplatz und neuer Gestaltung im Vordergrund. Im Frühjahr soll bei Letzterer nachgebessert werden, heißt es.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Lage, sie ist durchaus unübersichtlich, und entsprechend konfus verläuft inzwischen manche Diskussion in der Stadt. Die Freiheit soll irgendwann autofrei werden, hat der Oberbürgermeister neulich in einer Podiumsdiskussion überraschend deutlich verlauten lassen – und damit der seit vielen Jahren immer wieder aufflammenden Debatte über die Nutzung des stattlichen Parkplatzes neue Nahrung gegeben.

Wann, rätseln seitdem Befürworter wie Gegner, soll es denn so weit sein, wie soll die zentrale Fläche genutzt werden, wenn die Autos verschwinden? Und warum überhaupt soll es so kommen? – das wollte die reichlich verschnupfte Lobby von Wirtschaft und Handel wissen, die am liebsten alles so lassen würde, wie es ist.

Zu allem Überfluss ist seit kurzem ein Experiment zu bestaunen, das auch nicht gerade zur Versachlichung der Diskussion beiträgt. Die Möblierung des östlichen Teilstücks der Freiheit mit Pflanztrögen und giftgrün-gewundenen Plastikbänken sollte wohl originell sein – doch sie provoziert viel Hohn und Spott. Und sie wirft die Frage auf: Wird so am Ende einmal die ganze Freiheit ausschauen?

Thomas Jung beantwortet das auf FN-Nachfrage mit einem klaren Nein, es ist herauszuhören, dass ihm die Sache mit dieser Hopplahopp-Gestaltung selbst ein bisschen peinlich ist. Ein erster Versuch sollte das sein, der "Schnellschuss", räumt der OB ein, ging indes gründlich daneben. Schon im Frühjahr werde man nachbessern, mit hochwertigeren Sitzgelegenheiten, die eine Lehne haben, wie es ältere Menschen vehement fordern.

Doch die Frage bleibt: Soll eine – dann optimierte – Möblierung dieser Art in näherer Zukunft weiter Raum greifen auf der Freiheit? Demontierbar, weil sie für die "in Fürth heilige" Kirchweih (Jung) – das bleibt fürs Rathaus unstrittig – alljährlich verschwinden muss?

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Wohl eher nicht, sagt Jung, der zugleich dezent von seiner forschen Formulierung "autofrei" abrückt, denn: Platz für Behindertenparkplätze müsse schon noch bleiben, auch Elektroautos könnte er sich nun dauerhaft hier vorstellen. Und nicht zuletzt müsse man großzügige Abstellmöglichkeiten für Fahrräder schaffen, die man ja, die Klimakrise macht’s möglich, statt Autos im Stadtverkehr mit aller Macht fördern möchte.


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Wie genau das dereinst ausschauen soll, darüber will Jung heute noch keine Aussage wagen. Man brauche ein schlüssiges Konzept – und eben keine weiteren Schnellschüsse, wie sie unter dem Druck der Klimadebatte naheliegen könnten.

"Man muss sich genügend Zeit nehmen"

Jahre werden ins Land gehen müssen, bis man vernünftige Lösungen für die Freiheit hat, meint das Stadtoberhaupt, denn die Erfahrung zeige: Nur wenn man sich genügend Zeit nimmt und alle Betroffenen auf dem Weg einbindet, komme Vernünftiges dabei heraus.

Und nur wenn man "Besseres" anbieten kann als einen schnöden Parkplatz, werde man damit überzeugen. Die Freiheit allein "aus Ideologie oder aus Schikane" von Autos zu befreien – das komme nicht in Frage, betont der OB.

Diese Fläche "ist ein Geschenk"

So sieht das im Übrigen auch einer, von dem man das nicht unbedingt erwarten würde. Christofer Hornstein, der sich als meinungsstarker Kopf der einstigen Bürgerinitiative "Neue Mitte" hervorgetan hat und sich inzwischen als Mitglied des Altstadtvereins kritisch in Fragen der Stadtgestaltung einmischt, sagt in der Causa Freiheit: Eine derart "große freie Multifunktionsfläche ist ein Geschenk". Eines, das man bewahren müsse und das seinem Namen alle Ehre mache, biete es doch die Freiheit, große Veranstaltungen, Märkte und dergleichen mitten in Fürth zu realisieren.

In den Zeiten dazwischen, findet Hornstein, können dort derzeit ruhig Autos parken. Diese pragmatische Haltung hat ihm viel Gegenwind in den linksalternativen, ökologisch orientierten Kreisen eingebracht, in denen er sich bewegt. Doch er bleibt bei seinem Standpunkt. Denn solange es keine sinnvolle Infrastruktur für die auch von ihm ersehnte autofreie Innenstadt gebe, also mehr Raum für Radler und besseren ÖPNV, entlaste der Parkplatz Freiheit immerhin die Straßen im Umfeld.

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