Donnerstag, 17.10.2019

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Fürths Bahnhofplatz soll Mobilitätsdrehscheibe werden

Geplantes Zentrum soll in einem modernen Anbau untergebracht werden - 05.06.2019 06:00 Uhr

Schon heute ist der Bahnhofplatz stark vom Verkehr frequentiert. Doch zu Bussen und Autos sollen im Zuge neuer Mobilitätskonzepte unter anderem elektrisch betriebene Fahrzeuge kommen, die man ausleihen kann. © Hans-Joachim Winckler


Es klingt verheißungsvoll – und es passt in diese Zeiten, in denen alle vom Klimawandel sprechen, in denen das Thema Klimaschutz über politisches Wohl und Wehe entscheidet: Alle Angebote für den öffentlichen Nahverkehr – von Bahnen über Busse bis hin zum ausleihbaren E-Roller und E-Fahrrad, zum Car-Sharing und dereinst auch zum autonomen Fahren – werden an einem Ort in der Stadt gebündelt. So geht die Vision, die derzeit mancherorts für leuchtende Augen sorgt.

In Fürth könnte sie im oder am Hauptbahnhof-Gebäude realisiert werden, das derzeit vom Immobilienunternehmen MIP aufwendig saniert und umgebaut wird. Platz soll dann auch für ein "Mobilitätszentrum" sein. Fürths Oberbürgermeister hatte das Thema, noch etwas vage, bei der Vorstellung der MIP-Pläne im Oktober erstmals angerissen, schnell pflichteten ihm die Grünen bei. Und auch der Fürther Ex-Agrar- und -Verkehrsminister Christian Schmidt (CSU) sprang auf den Klimazug auf.

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"Schöner Begegnungsort": Fürths Hauptbahnhof vor Wiederbelebung

Jahrelang wurde er vernachlässigt und stand weitgehend leer, nun zeichnet sich die Wende ab: Die Denkmalspezialisten der Firma MIP haben den Komplex von der Bahn gekauft und wollen ihn bis zum Jahr 2021 zum "schönen Begegnungsort" machen.


Inzwischen möchte sich Schmidt offenbar zur Lokomotive des Projekts machen, denn: "Einer muss die Dinge ja in die Hand nehmen" – das sagte er dieser Tage im Vorfeld eines "informellen Treffens". Zu dem hatte Schmidt Vertreter der Stadt, des bayerischen Verkehrsministeriums, einige Fachleute, Fürths OB und einen potenziellen CSU-OB-Kandidaten sowie die Presse in den Bahnhof eingeladen.

Schmidt glaubt, dass Fürth Chancen hat, ein " Leuchtturmprojekt für solche Mobilitätszentren" zu schaffen. Geklärt werden müsse nun jedoch, "wer an welchem Strang zieht", meinte er – bevor auf die Schnelle noch öffentlichkeitswirksame Fotos der versammelten Herren auf E-Scootern mit Bahnhofsgebäude im Hintergrund gemacht werden durften. Danach ging es in Klausur hinter verschlossenen Türen.

Schmidt spekuliert auf neue Zuschussquellen des Bundes, doch im Fürther Rathaus hat man offenbar leichte Zweifel, ob die für das Vorhaben eines Mobilitätszentrums tatsächlich geeignet sind. Zuversichtlich ist da Erlangens Ex-OB Siegfried Balleis. Seinen Parteifreund hatte Schmidt ebenfalls eingeladen – als "Sonderbeauftragter für das Sofortprogramm Saubere Luft" des Bundes ist es derzeit Balleis’ Job, Stadtverwaltungen den Weg zu den Fördertöpfen zu ebnen.

Anbau soll entstehen

Hunderte Millionen Euro stelle Berlin zur Verfügung, so Balleis, noch bis Ende September könne man seinen Hut in den Ring werfen. Es eile also ein wenig. Man werde jetzt prüfen und gegebenenfalls die nötigen Schritte unternehmen, so OB Thomas Jung gegenüber den FN.

Zusammen mit MIP-Chef Philipp Streng konnte er immerhin schon mal vermelden: Es gibt Pläne, ein von der infra Fürth betriebenes Mobilitätszentrum in einem modernen Anbau unterzubringen. Zwischen dem Westflügel des historischen Bahnhofskomplexes und der Hauptpost könnte der seinen Platz finden, wie erste Skizzen zeigen.

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Zeitreise: Als Fürth noch den "Adler" und den Ludwigsbahnhof hatte

Am 7. Dezember 1835 fuhr der "Adler" erstmals von Nürnberg nach Fürth - Zielort war der damals neue Ludwigsbahnhof, der sich dort befand, wo heute die Fürther Freiheit ist. Bis zu seinem Abriss 1938 prägte er das Stadtbild und sorgte dafür, dass hier Fürths Zentrum entstand.


Der Rathauschef betonte einmal mehr, wie wichtig ihm dabei auch die Ästhetik an dieser prominenten Stelle der Stadt ist. Mit der Funktion einher gehen müsse "eine schöne Gestaltung". Der Straßenraum unmittelbar am Gebäude kann in Jungs Augen erheblich verengt werden. Zwei Spuren für Busse und zwei für die Autos – das sei doch nicht nötig. Stattdessen könnte laut OB eine "begrünte Zone" entstehen, ein "Ort der Begegnung".

Gerade als Jung im Gespräch mit unserer Zeitung derlei skizziert, kommt ein älterer Mann vorbei und konterkariert das eben Gesagte, als hätte er zuvor gelauscht: "Parkplätze brauchen wir", sagt er dröhnend zum OB und deutet auf den reichlich zugeparkten Vorplatz. "Sonst wähl’ mer nimmer SPD", schiebt er, schon im Gehen, nach.

Man ahnt in diesem Moment: Bis zur Verkehrswende könnte es noch ein beschwerlicher Weg sein.

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