GFE-Prozess: Eine Freilassung und rätselhafte Telefonate

13 Angeklagte, jeweils flankiert von mindestens einem Strafverteidiger, zwei Staatsanwälte (im Bild vorne rechts) und fünf Richter mit einem Ersatzschöffen — allein der personelle Aufwand des Verfahrens ist enorm.

13 Angeklagte, jeweils flankiert von mindestens einem Strafverteidiger, zwei Staatsanwälte (im Bild vorne rechts) und fünf Richter mit einem Ersatzschöffen — allein der personelle Aufwand des Verfahrens ist enorm. © dpa

Hunderte Telefonate zwischen den Angeklagten hat die Polizei im November 2010 aufgenommen, auf richterliche Anordnung hin. Die meisten der von Kammervorsitzendem Bernhard Germaschewski ausgewählten „wesentlichen“ Gespräche hatten die Eheleute Horst und Silvia K. geführt.

Welchen Einfluss hatte die offiziell nicht im Management Tätige auf das tagtägliche Geschäft der GFE? Diese Frage sollte offenbar geklärt werden. Deshalb kam die Freilassung von Silvia K. nach über zwei Jahren U-Haft recht überraschend.

198 Gespräche, viele via Mobiltelefon, hatten die Anklagevertreter als bedeutsam bewertet, hunderte weitere nicht. Gegen diese Vorauswahl wandten sich zuletzt einige Anwälte. Die wollten zuerst die „unwichtigen“ selbst sichten und dann mit entscheiden, was angehört werden sollte und was nicht. Dieses Ansinnen wies der Vorsitzende der 12. Strafkammer zurück: Er dürfe selbst die Auswahl treffen, erklärte Germaschewski. Und hatte deshalb 29 „wichtige“ Telefonate ausgesucht. Das erste zwischen GFE-Gründer Horst und seiner Ehefrau Silvia K. dauerte gut fünf Minuten. Die Zuhörer verstanden nur die Worte „Buchung“ und „Flug“: Es ging offenbar um die Urlaubsplanung des Ehepaars.

Während Anwälte, Angeklagte, Richter und Staatsanwaltschaft das Gesprochene nachlesen konnten, blieben die Zuschauer vom Verständnis ausgeschlossen. Kopfschüttelnd verließen einige den Saal 600. Nach einem möglicherweise voreingenommenen Gerichtsgutachter ist die unverständliche Verhandlungsführung ein weiterer Kritikpunkt am Verfahrensablauf im GFE-Prozess.

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