GFE: Vier Striche statt Energiesparsystem

11.10.2012, 08:17 Uhr

© Roland Fengler

Der Nürnberger Versorgungstechnik-Ingenieur Hubert K. hat nach eigener Aussage Jahrzehnte Berufserfahrung. Sogar für den schwäbischen Energieriesen EnBW habe er in Führungspositionen gearbeitet. Doch wie ein BHKW funktioniert, ein Motor, der aus Gas oder Öl Wärme und Strom produziert — das will er nicht gewusst haben. Bis in den Sommer 2010 hinein. Da war Hubert K. schon lange Geschäftsführer der GFE Production GmbH. Und er hatte bereits mehrere BHKW-Vorträge gehalten, sogar in China vor dortigen Lieferanten.

Seine „Production“ war bei GFE für den Aufbau von Container-BHKW zuständig. Trotzdem will K. nicht gemerkt haben, dass die Entwickler um Karl M. die per Prospekt versprochenen Energieeinsparungen bis zum September 2010 nicht einmal im Ansatz erreicht hatten. Zu dem Zeitpunkt hatten GFE-Vertriebler bereits Hunderte dieser BHKW verkauft.

Erst im September 2010, einen Tag vor einer groß angelegten Präsentation, war es laut Hubert K. so weit. Da habe Karl M. einen Gutachter der Stuttgarter DEKRA überzeugen können: Er könne aus drei Teilen Wasser und einem Teil Pflanzenöl ein Gemisch machen mit demselben Energieinhalt wie ein Liter Öl. Das habe ein Gerätchen geschafft, das von einer anderen Firma zugekauft worden sei, sagte K.

Doch weder dieses Teil noch ein Kasten, ESS genannt, war in den wenigen aufgestellten BHKW-Containern eingebaut, bestätigte Hubert K. genauso wie zuvor der GFE-Gründer Horst K. Das ESS sei eigentlich nur der Platzhalter für die „Idee“ des Energieeinsparens gewesen. Quasi das Hirnschmalz von Entwickler M.

GFE-Gründer Horst K. hatte am Mittwochmittag am Ende seine 358-seitige Stellungnahme so zusammengefasst: „Wir haben niemanden über Tatsachen getäuscht. Die Kunden zahlten die Waren, die sie bestellt haben. Keiner der Beschuldigten hat die angegebenen Straftaten begangen.“

Verwandte Themen


1 Kommentar