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Grafenwöhr: Bürgermeister glaubt nicht an Truppenabzug

Grafenwöhr ist einer der größten US-Truppen-Standorte in Europa - 22.08.2019 09:41 Uhr

Der Bürgermeister von Grafenwöhr glaubt vorerst nicht an einen US-Truppenabzug. © Armin Weigel/dpa


Der Bürgermeister von Grafenwöhr, Edgar Knobloch (CSU), geht nicht davon aus, dass US-Präsident Donald Trump seine Drohung wahr macht, die US-Truppen aus Deutschland teilweise abzuziehen. Solche Aussagen gebe es immer wieder. "Das glaubt hier keiner", sagte er. Dennoch sorgten solche Drohungen jedes Mal für eine gewisse Unruhe. Laut Knobloch gibt es aber keine Signale, die auf einen tatsächlichen Abzug hindeuteten. Im Gegenteil: Der Standort sei in den vergangenen Jahren gewachsen, zurzeit würden eine Schule und eine Wartungshalle gebaut. In der oberpfälzischen 6500-Einwohner-Stadt im Landkreis Neustadt an der Waldnaab sowie am Standort Vilseck seien mehr als 10.000 Soldaten stationiert. Für die Region sei das ein enormer Wirtschaftsfaktor.

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So seien etwa 3000 Einheimische bei der US-Army und deren Vertragspartnern beschäftigt. Grafenwöhr gilt als einer der größten US-Truppen-Standorte in Europa. Trump hatte im Juni bei einem Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Washington eine Verlegung von US-Soldaten aus Deutschland nach Polen ins Spiel gebracht – aus Verärgerung über Deutschlands Militärausgaben. Kurz vor der anstehenden Europareise Trumps verschärften die USA ihre Drohungen. Grafenwöhrs Bürgermeister unterstrich, dass durch die US-Truppen schließlich auch Kosten anfielen, etwa die Vorhaltung der Infrastruktur. An Wasserversorgung und Abwasser beteiligten sich die Amerikaner. Aber auch die Umwelteinflüsse müssten bedacht werden oder der erhöhte Verwaltungsaufwand. Von den Menschen in Grafenwöhr werde das aber akzeptiert, weil das Miteinander zwischen Einheimischen und Amerikanern stimme.

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Zum Verwaltungsaufwand zählt Knobloch beispielsweise die Zahl der Trauungen. So gebe es in der Stadt deutlich mehr Hochzeiten von Amerikanern als von Einheimischen. Die Amerikaner fühlten sich in Grafenwöhr gut aufgehoben. Die wirtschaftliche Bedeutung des Standortes zeige sich allein an der Zahl der gastronomischen Betriebe. Mehr als 30 Wirtshäuser und Cafés gebe in der Stadt. Dort kämen die Menschen zusammen. Bei Veranstaltungen wie dem Schützen- oder dem Fischerfest seien etwa 50 Prozent der Besucher Amerikaner, sagte Knobloch. "Da haben sich schöne Freundschaften entwickelt."  

dpa

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