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Absberg: Bürger zeigen sich solidarisch

Kundgebung für eine Flüchtlingsfamilie, die akut von der Abschiebung bedroht ist - 03.03.2020 17:26 Uhr

Eine für Absberger Verhältnisse sehr große Menschenmenge hatte sich vor und in der Christuskirche eingefunden, um ihre Solidarität mit der Familie Jalalahmadi zum Ausdruck zu bringen. Auch von Wind und Wetter ließen sich die Bürger nicht beeindrucken, als draußen kurze Reden gehalten wurden. © Foto: privat


Seit dem 1. November 2015 leben sie in Deutschland, und seit Januar 2016 sind sie in Absberg daheim. Der Vater, Vahab Jalalahmadi, fand Arbeit in einem Betrieb Gunzenhausen, wurde aber im Herbst 2019 ausgestellt. Eine neue Arbeitserlaubnis gab es für ihn nicht. Seine Frau Monireh Khoolia arbeitet bei Regens Wagner in Absberg, ist Pflegekraft in Vollzeit und kümmert sich um schwerbehinderte Menschen. Die beiden Kinder wurden wie auch ihre Mutter im März 2016 im Ort getauft.

Die Tochter namens Shamim und der Sohn namens Ariyan gehen in Gräfensteinberg in die Schule. Shamim wurde im April 2017 konfirmiert. Sie hat vor, den "Quali" an der Hauptschule zu machen und dann die mittlere Reife zu erlangen. Ariyan hofft, in diesem Frühjahr konfirmiert zu werden. Er ist, so wurde es dem Altmühl-Boten weiter berichtet, in der Kirchengemeinde bei Beerdigungen als Kreuzträger dabei und spielt in seiner Freizeit in einer Schülermannschaft des TSV Absberg.

In den letzten Jahren hat sich unter anderem die Familie von Altbürgermeister Fritz Walter um die Flüchtlinge gekümmert, es entstanden Freundschaften. Die Walters verweisen darauf, dass die Kinder inzwischen sehr gut Deutsch sprechen und ihre Eltern ebenfalls in dieser Hinsicht gute Fortschritte gemacht haben. Die Integration sei eine Tatsache. Die Jalalahmadis könnten sich zudem über die eigene Arbeit finanzieren, würden niemandem auf der Tasche liegen. Und: "Hier begreift man die Welt nicht mehr, wenn Gesundheitsminister Spahn nach Mexiko fliegt, um Pflegekräfte anzuwerben, und bei uns sollen eingearbeitete Kräfte abgeschoben werden."

Die Frage, ob die Familie tatsächlich als Asylanten anerkannt werden, schwebt schon seit längerem über ihnen, und zwar immer drohender – der Altmühl-Bote berichtete im Mai 2017. Inzwischen hat sich die Rechtslage für die vier deutlich verschlechtert. Der Asylanantrag wurde abgelehnt, und auch die anschließende Klage vor dem Verwaltungsgericht Ansbach war nicht erfolgreich. Der Knackpunkt: Vahab trat 2015 im Iran heimlich zum Christentum über und ließ sich taufen, was zu erheblichen Problemen für die ganze Familie führte. Deshalb der Weggang aus der Heimat im Herbst jenes Jahres.

Ist der Übertritt zum Christentum, den ja alle vier hinter sich haben, aus freien Stücken geschehen oder "aus Asylgründen"? Diese Frage stellt sich in diesem wie in ähnlich gelagerten Fällen immer wieder. Das Ansbacher Gericht kam zu einem Nein. Die Familie Jalalahmadi wandte sich darauf in ihrer Not an den Erlanger Rechtsanwalt Rainer Frisch. Er versucht seitdem, doch noch eine juristische Wende zu erreichen. Ein Mittel dazu war der Antrag auf Zulassung der Berufung. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat dazu am 19. Februar geurteilt, und zwar mit Blick auf die Eltern. Der Richterspruch: Antrag abgelehnt. Vahab und Monireh haben damit noch eine vierwöchige Frist. Ab dem 19. März können sie abgeschoben werden. Das würde dann die ganze Familie treffen.

So schnell schmeißt Rainer Frisch die Flinte allerdings nicht ins Korn. Er hat wohlüberlegt den Antrag auf Zulassung der Berufung für die beiden Kinder zurückgezogen und argumentiert, aufgrund einer Altfallregelung, die für genau solche Fälle eingeführt worden sei, könnten die Behörden einen "Aufenthaltstitel" aussprechen, und das wäre dann der Einstieg in eine Duldung. Wenn in diesem Sinne im Fall der beiden Kinder entschieden würde, dürften auch die Eltern bleiben. Die Voraussetzungen seien doch eindeutig gegeben: Die Familie sei integriert, was man ja auch dokumentieren könne, die Deutschkenntnisse seien vorhanden, und die Familie habe ein geregeltes Einkommen. Allerdings macht dem Anwalt Sorge, dass die von ihm verständigte Ausländerbehörde am Landratsamt in Weißenburg immer noch keine Reaktion gezeigt habe.

 

Angst und Mut zugleich

 

In diesem rechtlichen Schwebezustand wurde zum Flashmob in Absberg aufgerufen. Tochter Shamim sprach zu den Unterstützern: "Es bedeutet uns viel, dass ihr da seid. Wir haben große Angst, aber ihr alle macht uns wieder Mut für die Zukunft." Ihr Bruder Ariyan sagte: "Ich bedanke mich bei allen, die bei diesem kalten Wetter gekommen sind. Und ich bedanke mich ganz herzlich bei Pfarrer Schuh, Dr. Schaaf und Familie Walter, denn ihr habt alles organisiert."

Rainer Frisch will nicht beurteilen, ob die Familie bei ihrem Asylantrag und bei ihrem Gang vors Verwaltungsgericht gut beraten war oder nicht. Er stellt fest, dass die Lage schwierig für seine Mandanten ist, aber noch Hoffnung besteht. Als einen Einwand, warum eine Abschiebung derzeit unmöglich sei, könne man ja auch noch das Coronavirus ins Felde führen, da der Iran sehr stark davon betroffen sei.

All das kann Fritz Walter aber nicht wirklich beruhigen. Seine Miene ist mehr als ernst, als er dem Altmühl-Boten von der Kundgebung in der Absberger Kirche berichtet.

WOLFGANG DRESSLER E-Mail

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