Montag, 09.12.2019

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Altmühlfranken: Hilfsangebot für junge Mütter

Zwei Fachfrauen initiieren den Gesprächkreis Geburt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. - 04.11.2019 16:01 Uhr

Rufen eine neue Selbsthilfegruppe, den „Gesprächskreis Geburt“, ins Leben: Kerstin Kleemann (links) und Dominique Reitmaier, hier mit Töchterchen Linda. © Foto: Tina Ellinger


Die beiden haben beruflich viel Kontakt zu jungen Familien: Kerstin Kleemann (Dittenheim) ist Stillberaterin und Kursleiterin für Babyschwimmen. Ihre Kurse bietet sie in Gunzenhausen, Treuchtlingen und Monheim an. Immer wieder fällt in den Kursen ein Kind auf, das besonders viel schreit. "Fragt man dann nach, wie die Geburt verlaufen ist, kommen die Geschichten", so die Erfahrung von Kerstin Kleemann.

Davon kann auch Dominique Reitmaier jede Menge erzählen. Die Laubenzedlerin ist Heilerziehungspflegerin, Trageberaterin, Stillberaterin und PEKiP-Gruppenleiterin in der Hebammenpraxis Gunzenhausen. Auch ihr berichten die Frauen von ihren schlechten Erfahrungen, die sie rund um die Geburt machen mussten. "Von acht Müttern ist eine traumatisiert", ist sie überzeugt.

Dabei müsse es sich nicht einmal um einen medizinischen Notfall handeln, der das Trauma auslöse. Schon ein Dammschnitt ohne zu fragen oder das Drängen in eine bestimmte Körperhaltung könnten von Gebärenden als Gewalt an ihnen empfunden werden. Dazu zählten beispielsweise auch unsensible Äußerungen von Hebammen und Ärzten oder das Warten vor der Kreißsaaltür, aus dem laute Schreie nach außen dringen. "Wir wollen niemanden anprangern", betont sie. Ihre Absicht sei es vielmehr, alle Beteiligten für dieses Thema zu sensibilisieren.

"Viele Frauen denken oft, das ist okay so, und sie hätten nicht das Recht, das jetzt als unangemessen oder schlimm zu empfinden", erklärt Reitmaier, die wie Kerstin Kleemann selbst drei Kinder hat. Gemeinsam wollen sie nun die Selbsthilfegruppe "Gesprächskreis Geburt" anbieten und Frauen Mut machen, über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Gefühle zulassen

Schon alleine die Tatsache, die Gefühle zuzulassen und sich auszutauschen, sei sehr hilfreich, wissen die beiden, die bei ihrem Vorhaben von der Kiss in Weißenburg unterstützt werden.

Der ersten beiden Termine stehen schon fest: Samstag, 16. November, und Samstag, 11. Januar, um jeweils 14 Uhr im Familienzentrum Sonnenhof in Gunzenhausen. Anmeldungen sind in der Kiss Weißenburg, Telefon 09141/9762172 oder per Mail: kleemann@beratung-erleben.de und email@hobbelbobbel.de. Angedacht ist, den Gesprächskreis einmal im Monat anzubieten.

Und die zwei engagierten Mütter machen noch auf einen weiteren Termin aufmerksam: Am Montag, 25. November, ist der internationale Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe, an dem auch die "Roses Revolution"- Aktion stattfindet: An diesem Tag legen Frauen, die Respektlosigkeit und Gewalt während der Geburt erlebt haben, eine Rose vor dem betreffenden Krankenhaus nieder. "Wenn eine Frau das möchte, gehe ich mit ihr zusammen hin", lautet das Angebot von Dominique Reitmaier.

TINA ELLINGER E-Mail

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