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Anwohner: Burgstallwald nicht Schwammspinner opfern

Ihr Fokus liegt auf der Rettung der zum Teil jahrhundertealten Bäume - 24.03.2019 17:18 Uhr

Nachdem die Raupen des Schwammspinners den Gunzenhäuser Burgstallwald im vergangenen Jahr zu großen Teilen kahlgefressen hatten, verpuppten sie sich, zu Tausenden hingen die Kokons in den Ästen, an Baumstämmen oder in Nistkästen. © Hans Peter Lautner


Um Gerhard, Inge und Ann-Kathrin Postler, Siegfried Wagner und Peter Mährlein hat sich nun ein größerer Kreis von Anwohnern gebildet, die den Wald nicht kampflos den gefräßigen Raupen überlassen wollen. Der Befall, so ihre Ansicht, habe ein bestandsbedrohendes Ausmaß angenommen, für das Überleben der bis zu 200 Jahre alten Bäume ist nach ihrer Ansicht eine Bekämpfung des Schmetterlings unerlässlich.

Das erläuterten Postler und seine Mitstreiter nun im Rahmen eines Pressegesprächs. Diese "Erholungsoase mitten im Stadtgebiet" zu "opfern", in dem man "den Dingen einfach ihren Lauf lässt", das ist für sie keine Alternative.

In den Bäumen, richtet Postler im Gespräch den Fokus noch einmal auf die Dimension, die der Schwammspinnerbefall heuer nehmen könnte, hänge eine wahre "Flut von Nestern". Schon bei der Bürgerversammlung im Lutherhaus (wir berichteten) war zur Sprache gekommen, dass die Gelege Anlass zu schlimmsten Befürchtungen gäben, denn ihre Zahl liegt mit 50 und mehr pro Stamm (bis zwei Meter Höhe) im besonders betroffenen Gebiet weit über den ein bis drei Nestern, die bereits als Warnsignal gelten.

Wenn der Wald nun Forschungsgebiet werde, heiße das ja auch, dass sich diese Schmetterlinge immer weiter ungezügelt vermehren könnten, befürchten die Anwohner weiter. Am Ende, so Mährlein, bleibe am Burgstall nur noch ein kahles "Holzgerüst" stehen. Das sei für die dort lebenden Tiere wohl genauso katastrophal wie der Einsatz von Mimic, von dem sich die Fauna, so sie überhaupt betroffen sei, innerhalb von zwei, drei Jahren erholen werde. Ein toter Wald brauche dafür doch bedeutend länger.

Einen ähnlichen Massenbefall durch den Schwammspinners wie im vergangenen Jahr werde der Burgstallwald in Gunzenhausen nicht überleben, befürchten Anwohner. Auf dem Bild sieht man Kokons an einem Baumstamm kleben, erste Falter sind schon geschlüpft. © Hans Peter Lautner


Bevor man einen neuen Kahlfrass riskiere, müsse etwas getan werden, da ist sich der Anwohnerkreis einig. Dabei gehe es ihnen in vorderster Linie, betont Postler explizit, um den Schutz des Waldes, nicht um den Erhalt ihrer Gärten. Auch wenn die im vergangenen Jahr sehr unter der Invasion gelitten haben. Rund 3000 Raupen, schätzt eine Anwohnerin, habe sie von den Wänden ihres Hauses gefegt, ganz zu schweigen von den unzähligen Kokons, die sich in Rollokästen oder Vogelhäusern fanden.

Zu dem Häutungsbeschleuniger Mimic gibt es im Kampf gegen den Schwammspinner kaum eine Alternative, so wurde es bei der Bürgerversammlung erläutert. Siegfried Wagner allerdings hat doch eine Möglichkeit gefunden: Das Baculovirus werde seit einiger Zeit in den USA angewendet und dabei wissenschaftlich begleitet. Nicht ganz so wirksam, aber ebenfalls eine Alternative ist nach seinen Worten der Bacillus Thurginiensis. Bevor nichts mehr geht, würden die Anwohner aber auch den Einsatz von Mimic befürworten, machten sie im Gespräch deutlich.

Schließlich würden bei einem Einsatz des Häutungsbeschleunigers ja sämtliche Sicherheitsvorschriften und Abstandsflächen eingehalten. Für Bienen, Laufkäfer und Säugetiere sei es nicht gefährlich und es werde schon seit Jahren im Wein- und Obstbau angewendet.

Am Donnerstag, 28. März, wird sich der Stadtrat um 19 Uhr in der Feuerwehrzentrale mit dem Thema befassen. Es geht vor allem auch um die Frage, wie die Stadt in den rund 20 Hektar, die sie beziehungsweise die Hospitalstiftung im Burgstallwald besitzt, vorgehen soll. Die Anwohner appellieren nun an Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und die Stadträte, genau abzuwägen, welches die richtige Entscheidung zur Rettung des Burgstallwalds ist. 

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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