16°

Mittwoch, 21.08.2019

|

Architektin aus Muhr gestaltete unterschiedlichste Gärten

Adelheid Gräfin Schönborn wurde mit dem Deutschen Gartenbuchpreis ausgezeichnet - 13.07.2019 17:53 Uhr

Von Schloss Elmau bis zum Friedhof Neubiberg: Die Gartenarchitektin Adelheid Gräfin Schönborn aus Muhr am See hat die unterschiedlichsten Gärten gestaltet und die interessantesten Projekte nun in Buchform gebracht. © Marianne Natalis


"Wenn mich meine Enkel nach meinem Beitrag für die Entwicklung der Gesellschaft fragen, möchte ich ihnen eine Antwort geben können." Dieser Anspruch von Adelheid Schönborn, die in ihrem Berufsleben nie mit ihrem Titel hausieren ging, war Ansporn, auf ihr Leben und Wirken zurückzublicken und mündete nun in dem hochwertig gestalteten Buch "Mit mir nach Arkadien", das ihre unterschiedlichsten Arbeiten vorstellt und anhand dieser Projekte zeigt, "was Garten und Landschaft und ihre Geschichte für mich bedeuten", so die Autorin in ihrer Einleitung.

1938 in Berlin geboren, zog ihre Familie schon bald nach Altenmuhr, wo ihre Mutter herstammte. Dem mit Flüchtlingen bis unters Dach belegten Elternhaus entfloh sie in den Nachkriegsjahren in die umliegende Natur, die Altmühlwiesen zog sie stets dem Klassenzimmer – wo noch NS-Parteimitglieder das Zepter schwangen – vor. Auch während ihrer sechs Jahre am Ansbacher Gymnasium sehnte sie sich "nur nach der Natur". Über eine zweijährige landschaftsgärtnerische Ausbildung, eine ebenso lange Lehre als Blumenbinderin und schließlich von 1963 bis 1966 dem Studium in Weihenstephan – dort war sie in ihrem Jahrgang eine von nur vier Frauen – wurde aus dieser Liebe ein geliebter Beruf, dem Adelheid Schönborn noch immer als Freischaffende nachgeht, wenn auch hauptsächlich in beratender Tätigkeit oder bei Vorträgen, auch kleinere Projekte übernimmt sie noch.

Der Schritt in die Selbstständigkeit 1968 in München war nach ihren Worten ein "Wagnis", das sich aber schnell als richtig erwies. Schon 1969 bekam sie den Auftrag zur Restaurierung des verwahrlosten Parks von Gut Schierensee. Über "Mundpropaganda" habe sie diesen Job damals erhalten.

Schöne Fotografien

"Garten und Landschaft", sagt die Fachfrau, "sollen den richtigen Rahmen für ein Gebäude bilden." Der Ort, die Nachbarschaft, die Böden und nicht zuletzt die Ansprüche des Auftraggebers an seinen Garten waren folgerichtig Eckpunkte ihres Handels. Etwa auf Schloss Elmau, wo sie 2006 – ein Jahr nach dem Großbrand – vor einer "durch Bauarbeiten aufgewühlten und verletzten Landschaft" stand.

Das Luxushotel ist ein geschichtsträchtiger Ort vor grandioser Alpenkulisse – beidem wollte die Gartenarchitektin gerecht werden. Und stieß dabei nicht nur auf Wohlwollen, denn die Buckelwiese mit Enzian, Primeln und Nelken, die sie auf dem Dach der neuen Tiefgarage schuf, korrespondierte zwar mit der Landschaft, aber zunächst nicht so ganz mit den Vorstellungen des Bauherrn.

Beim Blättern durch das Buch bleibt der Blick immer wieder an den schönen Fotografien (von ihrem Mann Philipp und Tochter Anna Schönborn sowie Thomas Lüttge) hängen, die ihre Projekte verständlich machen, Details verdeutlichen, Zusammenhänge erklären. Es muss ein großes Glück sein, an all diesen Paradiesen mitwirken zu dürfen, das strahlt Adelheid Schönborn auch aus. Selbstredend hat sie nicht nur Auftraggebern zu ihren Wunschgärten verholfen, sondern sich in Muhr am See einen Rückzugsort ganz nach ihren eigenen Gartenträumen geschaffen. Hier hat sie sich, schreibt sie im letzten Kapitel ihres Buches, "von Geräuschen und dem Licht, vom Wind und dem Wasser, den Wiesen, Bäumen und Sträuchern" an die Hand nehmen lassen. Die hätten ihr die gestalterische Möglichkeit jeder Jahreszeit gezeigt, hier habe sich die "Wunderkammer der Natur" geöffnet.

Abgerundet wird das Buch von Beiträgen von Menschen, die ihr Leben und ihr Arbeiten begleitet haben. Es war ihr dabei wichtig, die verschiedensten kreativen Berufe mit einzubeziehen. Die Bandbreite reicht vom Germanisten bis zum Kunsthistoriker, vom Philosophen bis zum Künstler, vom Kardinal bis zum Schriftsteller. Sie widmen sich in ihren Essays Vorbildern wie dem großen Gartenarchitekten Gustav Lüttge, Projekten wie dem Rothschildpark in Frankfurt am Main oder dem namensgebenden Arkadien, einer Bergregion auf der Peloponnes, die für wildwüchsige Landschaft steht.

"Mit mir nach Arkadien. Auf der Suche nach der Schönheit der Welt" von Gartenarchitektin Adelheid Gräfin Schönborn ist im August Dreesbach Verlag erschienen und kostet 49,90 Euro. 

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Muhr am See