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Mittwoch, 26.06.2019

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Batman und Co. zu Gast beim Spalter Stephansritt

Weniger Teilnehmer - Kirschlikör als Bügeltrunk erfreut die Damenwelt - 26.12.2018 17:49 Uhr

Vor der prägnanten Kulisse der Spalter Altstadt setzte sich der Stephansritt in Bewegung. Das Ziel war traditionell die Stephanskirche im nahen Wasserzell. © Jürgen Leykamm


Es ist ein strahlend blauer, wolkenfreier Himmel, der sie alle am zweiten Weihnachtsfeiertag in Spalt erwartet. Der Gedenktag des heiligen Stephanus ist nicht zufällig gewählt, gilt der doch nicht nur als erster christlicher Märtyrer, sondern auch als Schutzheiliger für alle, die mit Rössern zu tun haben – und natürlich auch für diese selbst. Und den edlen Vierbeinern tut es sichtlich gut, sich wieder einmal etwas bewegen zu können.

Das Thermometer klettert immerhin auf einstellige Plusgrade, als die Reiter und Gespanne in der Hopfen- und Bierstadt eintreffen. Dort stehen schon die Vertreter des Heimatvereins bereit, um mit dem sogenannten "Bügeltrunk" zu verwöhnen. Diesmal kommt man dem Wunsch der Damenwelt nach und serviert nicht nur Hochprozentiges, sondern auch Kirschlikör.

Gerne greifen da auch Ruth und Ludwig Gilch aus Mühlstetten zu, die sich in ihrer Kutsche von Traberstute Zimba und ihrer Trakehner-Kollegin Tess ziehen lassen. Das Ehepaar ist froh darüber, dass die Tradition des Stephansritts hierzulande wieder fest etabliert ist. Keine Selbstverständlichkeit, wie der Ehemann weiß. Er war schon als Kind mit dabei und erinnert sich noch an die 1970er-Jahre, als es phasenweise nur noch etwa ein Dutzend Reiter waren, die sich hier beteiligten. Das Ende einer langen Tradition schien damals greifbar nahe.

Der katholische Geistliche Josef Mederer griff immer wieder zum Wasserpinsel, um in Wasserzell Rösser, Reiter und Kutschen zu segnen. © Jürgen Leykamm


Es ist unter anderem dem Kutschenfahrer zu verdanken, dass es anders kam. Heutzutage scheint die Veranstaltung eher ungefährdet, auch wenn sie nach dem Topjahr 2017 mit um die 120 Reitern heuer eine statistische Delle verzeichnen muss. Immerhin: Die Fantasie der Teilnehmer entwickelt zunehmend Charme. Die weihnachtlichen Ohrenwärmer für die Pferde sind schon klassischer Natur, doch auch ohne Textilien wissen die Pferdefreunde ihre Tiere recht interessant aufzuhübschen.

Ganz besondere Verzierungen

Wie etwa eine Gruppe aus Mosbach, die ihren Tieren per Rasur ins Fell unter anderem das "Batman"-Symbol oder eine Pik-Ass als Muster verpasst hat. Jene Teilnehmer, die einen längeren Weg nach Spalt haben, verzichten oft auf das ganz frühe Aufstehen. Stattdessen werden die Pferde auf einen Hänger verladen, um die Anreise zu verkürzen.

So wie im Fall von Konrad Käferlein, der mit seiner elfjährigen Tochter Thea aus Schwabach angereist ist. Die beiden sind schon Stammgäste der Veranstaltung, und so sind Warmblut "Vrenzi" und Vollblut "Indi" ganz entspannt, als es losgeht.

Batman & Co.: Diese Gruppe aus Mosbach hatte ihren Tieren per Rasur markante Symbole verpasst. © Jürgen Leykamm


Feuriges Temperament beweist hingegen der Andalusier "Manoso", der von Simone Enser aus Enderndorf geritten wird. Das Tier freut sich aber um so mehr über seine Artgenossen. Etwa über die Haflinger Sepp und Wastl aus Eichstätt, die er mit lautem Wiehern begrüßt. Sie ziehen die Kutsche von Florian Günthner und Manuela Knorz, die die drei sich gerne unterhalten lassen.

Interessiert verfolgt die vierjährige Katja aus Spalt das Geschehen. Sie reitet auf "Apollo", einem Stoffpferd, das sie schon vergangenes Jahr als Weihnachtsgeschenk bekam. Bald wird die junge Dame wohl selbst beim Ritt dabei sein. "Das wird vielleicht darauf hinauslaufen", sagt Vater Daniel Kranzer.

Als die Teilnehmerriege komplett ist, fällt der Startschuss für den Ritt nach Wasserzell. Dort warten bereits die Pferdefreunde von der Heinzenmühle bei Pleinfeld. Unter den Tieren befindet sich auch der "Käptn". Ein Spanier, der von Maria Seitz geritten wird. Sie hat den 14-jährigen Wallach selbst ausgebildet und "weiß, wie er tickt". Das Vertrauensverhältnis ist hier auch besonders wichtig, denn das Tier ist blind, doch es vertraut der Dame im Sattel bedingungslos.

Für "Buffalo Rolli" ein Muss

Dann ist es so weit, die Reiter und Kutschen sammeln sich in Wasserzell, umrunden die dortige Stephanskirche samt der Gebäude drumherum, während der Fünfbronner Posaunenchor weihnachtliche Weisen erklingen lässt. Der katholische Pfarrer Josef Mederer wird nicht müde, immer wieder zum Weihwasserpinsel zu greifen und Rösser, Reiter und Kutschen zu segnen. Das weiß etwa "Buffalo Rolli" aus Burgbernheim sehr zu schätzen. Vor zwei Jahren bekam er eine neue Hüfte verpasst – und beteiligte sich nachher beim Stephansritt. Heuer nun ist er sechs Wochen nach einer Knieoperation wieder mit dabei.

Mederer erinnert an die "hohe Achtung vor den Tieren", die schon in den ersten Seiten der Bibel zum Ausdruck komme. Gerade die Pferde hätten sich über Jahrtausende als "treue Helfer der Menschen" erwiesen.

  

Jürgen Leykamm E-Mail

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