Montag, 12.04.2021

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Bauern kämpfen gegen Blaualgen

Beratungspaket der „Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Agrarökologie“ - 22.10.2010 08:35 Uhr

Ein durchschnittener „Diensteimer“ sorgte in Igelsbach für einen Aha-Effekt. Mit dem übergro­ßen „Tortenring“ demonstrierte Pflanzenbauberater Ernst Hilmer, wie Erosionen nachhaltig ver­hindert oder zumindest in ihren Auswirkungen gemindert werden können

22.10.2010 © Leykamm


Im Gasthaus Reinwald fiel so der Startschuss für weitere Veranstaltungen dieser Art. Sie sind Teil eines Beratungspakets, das die aus den beiden Seenlandkonferenzen hervorgegangene „Arbeitsgruppe Landwirtschaft und Agrarökologie“ geschnürt hat. Deren Sprecher Jür­gen Eisen konnte rund 70 Besucher am ersten Abend begrüßen. Er sprach speziell die Landwirte im 15 Qua­dratkilometer großen Einzugsbereich des Igelsbachsees an.

Die Mammut­aufgabe liegt also noch vor den Re­ferenten, die auch im 560 Quadrat­kilometer großen Einzugsgebiet des Altmühlsees ihre Aufklärungsarbeit leisten wollen. Diese zwei Gewässer leiden am stärksten unter den Blaualgen, deren Wachstum hauptsächlich durch Phosphate begünstigt wird. So er­klärte es am Infoabend Thomas Kel­ler vom Wasserwirtschaftsamt Ans­bach.

Phosphate wiederum spielen beim Düngen eine große Rolle. Lei­der bleiben sie oft nicht auf den Äckern, sondern wandern durch Ab­schwemmung und Erosion in die Zu­läufe beispielsweise des Igelsbach­sees. Dem ist nicht leicht beizukom­men, da es in dessen Einzugsgebiet „viele steile Flächen gibt“, so Keller.

„Wir werden hier keinen Chiemsee kriegen“

Nährstoffeinträge werde man auf­grund der Lage des Seenlands aber auch nie ganz verhindern können. „Wir werden hier keinen Chiemsee kriegen“, betonte der Referent. Ziel könne nur sein, die Einträge auf ein mittleres Maß zu minimieren. Das aber soll durch freiwillige Maß­nahmen geschehen, ergänzte Friedrich Beißer, Wasserberater am Amt für Er­nährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Ansbach.Wie diese aussehen können, erläuterte Beißers Kollege Ernst Hilmer, Pflanzenbauberater an der gleichen Behörde in Weißenburg.

Mit einer Bewirtschaftung quer zum Hang sei es etwa möglich, Abschwem­mungen vorzubeugen.Bei starken Nie­derschlägen aber könne man Erosi­onen dadurch „nicht verhindern, aber verringern“, so Hilmer. Als bestes Mittel pries er in Igelsbach den Anbau von Zwischenfrüchten wie Phacelia an.

Sind sie erst einmal zu Stroh geworden, bremse das den Regen. Und nicht nur das: Effektvoll demons­trierte Hilmer, wie positiv sich das Stroh auf die Bodenqualität auswirkt und dabei zum Erosionsverhin­derer Nummer eins werde. Bei Feldversu­chen (die Hilmer als Film vorführte) hatte er nämlich erstaun­liche Ergebnisse er­zielt.

Geheimnisse des Erfolges

Ein durch­schnittener „Dienst­eimer“ (der so die Form eines übergroß­en Tortenrings an­nahm) diente ihm bei seinen Experimenten zur Begrenzung von Teilstücken verschie­dener Ackerflächen. Auf einer von ihnen war eine Zwischen­frucht angebaut wor­den, auf der anderen nicht. Beide Test­felder ließ er mit Was­ser begießen.

Im ersten Fall konnte man das Versickern in Sekunden mes­sen, im zweiten Falle in Minuten. Das Geheimnis des Erfolgs war da­bei nicht nur das Stroh selbst,sondern eine Spezies namens Regenwurm, die das Stroh sehr gerne als Futter auf­nahm. Die Würmer bauten ein weit­verzweigtes Gangsystem, welches das Wasser aufnehmen konnte und oben­drein den Boden fruchtbarer werden ließ.

Hilmers Ausführungen sorgten durchaus für den sprichwörtlichen Aha-Effekt bei den Landwirten. Bei weiteren Infoabenden könnten seine Worte ebenso auf fruchtbaren Boden fallen. Nach der Auftaktveranstaltung in Igelsbach sind die Wasserberater und ihre Mitstreiter noch an folgenden Orten zu Gast (Beginn ist jeweils um 20 Uhr): Dienstag, 26. Oktober, in Schernberg (Gasthaus „Berg­wirt“); Donnerstag, 28. Oktober, in Deffersdorf (Gasthaus Franz); Diens­tag, 2. November, in Buch am Wald (Gasthaus Planner); Dienstag, 9. No­vember, in Leutershausen (Gasthaus „Krone“); Mittwoch, 10. November, in Ornbau-Gern (Gasthaus „Zum Anger“). Darüber hinaus werden von den Landwirtschaftsämtern einzel­betriebliche Beratungen angeboten.

ley

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