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Freitag, 19.07.2019

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Bei Eisregen: Tanklaster verunglückt am Gelben Berg

Fahrer missachtete die Wintersperrung der steilen Strecke bei Sammenheim - 01.02.2019 14:24 Uhr

Zu viel gewagt: Der mit 7000 Litern Heizöl beladenen Tankwagen scheiterte an der vereisten – und deshalb gesperrten – Straße von Sammenheim nach Heidenheim. © Jürgen Eisenbrand


Der Fahrer eines Tankwagens, der etwa 7000 Liter Heizöl geladen hatte, ließ sich von dem Verkehrsschild nicht beeindrucken, nahm die Straße auf den Gelben Berg, eine der steilsten im Landkreis, in Angriff — und scheiterte spektakulär.

Etwa 100 Meter vor dem Scheitelpunkt der Strecke ging auf der eisglatten Fahrbahn nichts mehr. Der Lkw geriet ins Rutschen, kam nach rechts von der Strecke ab, dreht sich und landete etwa 30 Meter tiefer rechts im Straßengraben. Und dabei hatte der Berufskraftfahrer sogar noch doppeltes Glück: Der Lkw kippte nach rechts, die Fahrerseite blieb unbeschädigt, sodass er sich selbst aus dem Führerhaus hinauskämpfen konnte. Er wurde mit einem schweren Schock ins Krankenhaus gebracht. Und: Der Heizöltank schlug nicht leck, es lief kein Brennstoff aus, eine Öko-Katastrophe blieb dem Naturschutzgebiet erspart.

Hubschrauber im Einsatz

Um 10.03 Uhr ging die Unfallmeldung bei der Rettungsleitstelle ein, wenig später machten sich Polizei, drei Feuerwehren (Gunzenhausen, Sammenheim, Meinheim), BRK und THW auf den Weg. Und auch ein Rettungshubschrauber des ADAC nahm Kurs auf den Gelben Berg.

Der hatte naturgemäß keine Probleme, zur Unfallstelle zu gelangen. Die Wehren, die Sanitäter und das THW näherten sich ihr problemlos von oben — nur ein Polizei-BMW versuchte sein Glück von Sammenheim aus: vergeblich. Auch das Dienstfahrzeug hatte auf der Eisbahn keine Chance. Es blieb stecken, musste zunächst mit Unterlegkeilen gesichert und dann per Seilwinde von der Feuerwehr geborgen werden.

Weil die sich jedoch nicht allzu nahe an die Steilstrecke heranwagte, mussten die Floriansjünger über eine Strecke von rund 80 Metern mehrere Stahlseile und Abschleppketten aneinanderknoten, um überhaupt an das steckengebliebene Polizeiauto heranzukommen. Oben verbanden ihre Kollegen zwei große Lkw mit einer Abschleppstange, sicherten sie ebenfalls mit Unterlegkeilen gegen das Wegrutschen – und erst dann konnte das Manöver beginnen.

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Sammenheim: Mit Tanklaster in Graben gelandet

Dass die kleine Verbindungsstraße zwischen Heidenheim und Sammenheim im Winter aus gutem Grund gesperrt ist, zeigte ein Unfall, der sich am Freitagvormittag ereignet hat. Beteiligt war ein Tankwagen, der auf der schneeglatten Fahrbahn ins Rutschen kam und landete im Graben.


Wie der havarierte Tankwagen geborgen werden soll, war am Freitagnachmittag noch völlig unklar. Laut Auskunft des Polizeibeamten vor Ort hat der Inhaber des Pappenheimer Heizölhandels noch am Unfallort mit der in Niederbayern ansässigen Herstellerfirma des Lkw Kontakt aufgenommen. Die entsandte einen Fachmann nach Sammenheim, der die am besten geeignete Methode austüfteln sollte. Gegebenenfalls, so der Beamte, müsse dann noch ein Spezial-Bergefahrzeug geordert werden — eine langwierige Prozedur, die womöglich am Freitag gar nicht mehr abgewickelt werden konnte.

Weg mit dem Eis

Denn: Zunächst einmal musste ja die Straße eisfrei gemacht werden, um mit dem Bergefahrzeug überhaupt an die Unfallstelle zu gelangen. Das versuchten die rund 50 Feuerwehrleute zunächst mit ganz normalem Streusalz. Falls das nicht ausreichen sollte, gab das Landratsamt auf telefonische Anfrage der Polizei auch den Einsatz des für die Umwelt problematischen Calciumchlorid frei.

Der Tanklaster liegt im Graben, aber wenigstens der steckengebliebene Polizeiwagen konnte geborgen werden. Mithilfe etlicher Abschleppseile und einer Winde zogen ihn die Feuerwehrleute vom Eis. © Jürgen Eisenbrand


Der Versuch des Lkw-Fahrers, den Gelben Berg bei Eisglätte zu erklimmen, rief bei den ortskundigen Feuerwehrlern Kopfschütteln hervor: "Absoluter Wahnsinn!", kommentierter einer. Und ein anderer sagte dem Altmühl-Boten: "Wir Sammenheimer kennen unseren Berg, wir wissen, wann wir noch rauffahren können, und wann nicht. Und bei diesem Wetter hätte nicht einmal ich es versucht."

  

Jürgen Eisenbrand E-Mail

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