Donnerstag, 17.10.2019

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Bergwald-Helfer in Heidenheim

Team aus Freiwilligen arbeitet im Gemeindewald bei Hechlingen - 13.04.2019 06:27 Uhr

Wertvoller Beitrag für unsere Umwelt: Im Heidenheimer Gemeindewald freuten sich darüber Projektleiter Adrian Braemer (Zweiter von links), Bürgermeisterin Susanne Feller (mit Prospekt) sowie die Experten Jürgen Stemmer (AELF) und Revierförster Kurt Reitenspieß (rechts). © Uli Gruber


Eine knappe Woche lang bearbeiten etliche freiwillige Helfer des Projekts unter der Leitung von Adrian Braemer eine Fläche im Gemeindewald unweit von Hechlingen am See.

Darüber freuen sich neben Bürgermeisterin Susanne Feller der Heidenheimer Revierförster Kurt Reitenspieß und Jürgen Stemmer, Bereichsleiter Forsten der Außenstelle Gunzenhausen des Amts für Ernährung, Landwirtschaft Forsten (AELF). Die Behörde ist federführender Projektstandort.

Millionen Bäume gepflanzt

Bei einem Sichtungstermin am "Arbeitsplatz" informierte Projektleiter Braemer über die Intention und den Ablauf der Maßnahmen. Demnach organisiert das "Bergwaldprojekt" seit seiner Gründung ökologische Arbeitseinsätze mit Freiwilligen. Seitdem wurden in Deutschland mehr als zwei Millionen Bäume gepflanzt, Hunderte Hektar Wald und Biotope gepflegt, Schutzwälder saniert, viele Wildbäche renaturiert und Dutzende Hochmoore wiedervernässt. Der Verein wurde für dieses Engagement als offizielles UN-Dekade-Projekt "Biologische Vielfalt" ausgezeichnet.

Gearbeitet wird jeweils im Team unter der Leitung erfahrener Projektförster des Vereins. Die Freiwilligen werden in den Projektwochen zusätzlich von geschulten ehrenamtlichen Gruppenleitern betreut und von Bergwaldköchen versorgt. In allen Funktionen sind gleichermaßen Frauen wie Männer unterwegs. Unterkünfte, Verpflegung, Werkzeuge und Einsatzfahrzeuge werden vom Verein gestellt. Die freiwillige Teilnahme ist kostenlos.

Die Projekte werden mit Fördermitgliedsbeiträgen, privaten Spenden, Nachlässen, Kostenbeteiligungen der Projektpartner, Förderungen von Stiftungen und Kooperationsbeiträgen von Unternehmen finanziert. Sogenannte "Integrative Projektwochen" bieten auch Menschen mit Behinderungen oder geflüchteten Menschen die Möglichkeit, sich in den Dienst der Natur zu stellen. In Heidenheim sind unter anderem Frauen und Männer der Lebenshilfe Gunzenhausen dabei. Mit dem Einsatz für die Natur leistet das "Bergwaldprojekt" einen konkreten Beitrag zur Stabilisierung oder Verbesserung der ökologischen Situation. Tausende haben mitgearbeitet und dabei einen vertieften Einblick in die Zusammenhänge der Natur, unsere Abhängigkeit von den natürlichen Lebensgrundlagen und deren Bedrohungen gewonnen. Das Miteinander und der häufig beschworene Teamgeist tragen ganz erheblich zum Gelingen bei. Das Mittagessen wird draußen am offenen Feuer eingenommen. Die Unterkünfte sind überwiegend einfache Forsthütten oder Ferienlagerhäuser. In den Sommermonaten kann auch im Zelt geschlafen werden, mit Waschgelegenheit im Freien.

Was speziell im Heidenheimer Gemeindewald gemacht wird, erläuterte Revierförster Reitenspieß. Die zu bearbeitende Fläche war bis März 1990 mit rund 60 Jahre alten Fichten bestockt. Dann kam der Jahrhundertsturm "Wiebke" und hinterließ eine Kahlfläche. Darauf entwickelte sich in der Folgezeit eine üppige Eschen-Naturverjüngung (natürliche Ansamung von den Altbäumen der Umgebung), die aufgrund ihrer Dichte und Vitalität auch ohne Zaunschutz aufwachsen konnte. Die Freude über die ersparten Kulturkosten (Pflanzung, Zaunbau, Ausgrasen) währte indes nicht sehr lange.

Unter fachlicher Anleitung wird richtig zugepackt. Die Teilnehmer des „Bergwaldprojekts“ lernen dabei eine Menge über das Ökosystem Wald. © Uli Gruber


Vor etwa zehn Jahren trat eine bis dahin unbekannte Eschen-Krankheit auf, wegen ihrer äußerlich erkennbaren Merkmale Eschen-Triebsterben benannt. Die breitete sich rasant aus und befiel auch die besagte Fläche, auf der die Bäume inzwischen etwa fünf Meter hoch waren. Die Krankheit ließ zunächst die jüngsten Triebe absterben, später ganze Bäume. Mittlerweile ist der Bestand derart stark gefährdet, dass eine Neukultur mit Wechsel der Baumart erforderlich ist.

Dazu muss die Fläche geräumt werden, die abgestorbenen Eschen und die darunter wachsenden Sträucher sind also zu entfernen. Dann können im Schutz der verbleibenden – noch lebenden – Eschen junge Buchen gepflanzt werden, die an anderer Stelle im Gemeindewald aus natürlicher Ansamung (Naturverjüngung) gezogen werden. Dieser Prozess wird als "Wildlingsgewinnung" bezeichnet.

Insofern lernen die freiwilligen Helfer des "Bergwaldprojekts" alle Teilarbeiten einer kompletten Aktion kennen, vom Wildwuchs einer Schadfläche bis zu regulären Kultur.

ULI GRUBER

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