Müll-Sammelaktion

Bilanz: Treuchtlinger Rathausplatz in kürzester Zeit zugemüllt

MK
Milena Kühnlein

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16.9.2021, 05:45 Uhr
Bürgermeisterin Kristina Becker und Sebastian Kutzsche waren enttäuscht, aber wenig überrascht, von der schieren Menge an Müll, die binnen einer Woche illegal in einem Radius von 500 Metern um das Treuchtlinger Rathaus abgeladen wurde.

Bürgermeisterin Kristina Becker und Sebastian Kutzsche waren enttäuscht, aber wenig überrascht, von der schieren Menge an Müll, die binnen einer Woche illegal in einem Radius von 500 Metern um das Treuchtlinger Rathaus abgeladen wurde. © Foto: Milena Kühnlein

"Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie Treuchtlingen morgen aussieht." Diese Botschaft stand auf einem Plakat auf den drei Bauzäunen am Rathausplatz in Treuchtlingen. Was in Treuchtlingen heute getan wird, scheint vor allem die nicht sachgerechte Müllentsorgung zu sein. Denn: In dem Dreieck stapeln sich Berge von losem Müll, Schutt und prall gefüllte blaue Müllsäcke.

Dieser Müll wurde binnen einer Woche in einem Umkreis von 500 Metern rund um das Rathaus in der Stadt eingesammelt. Bauhofleiter Sebastian Kutzsche schüttelt den Kopf über den Inhalt, um den jetzt einige Bienen kreisen, wundern tut es ihn jedoch nicht. "Mich schockt nichts mehr", sagt er, offensichtlich resigniert.

In dem Dreieck finden sich zum Beispiel Farbeimer, ein Koffer, ein Drucker, ein Teppich, ein Staubsauger und jede Menge anderer Krimskrams. "Das was da liegt, ist oft nicht mal Sondermüll. Da sind Sachen dabei, die man klassischerweise in den Rest- oder Plastikmüll schmeißen kann".


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Doch dort ist der Abfall nicht gelandet. Stattdessen lag er im Kurpark, halbherzig versteckt in einer Hecke oder einfach demonstrativ vor Wohnhäusern auf der Straße. "Die Menschen beschweren sich, dass so viel Müll in der Stadt liegt, aber irgendwer muss das ja weggeschmissen haben", erklärt Kutzsche. Ganz so anonym, wie viele meinen, ist die Müllentsorgung in vielen Fällen gar nicht. Amazon-Lieferpakete oder Postbriefe landen nämlich samt Adresse oft ebenfalls dort, wo sie nicht hingehören. So hat der Bauhof die Chance, den Müllverursacher zu ermitteln. Dann können sogar Bußgelder drohen. Dass es nicht legal ist, den privaten Müll einfach so in der Stadt zu verteilen, ist vielen Menschen bewusst.

Entsorgung findet heimlich statt

Kutzsche sagt dazu: "Viele Menschen machen das abends oder nachts". Nur so kann er es sich erklären, dass irgendwann mal Fleischabfälle in den Mülleimern im Kurpark verteilt wurden. Das ist nicht nur ordnungswidrig, sondern kann für Mensch und Tier ernsthaft gefährlich werden.

Ein anderes Thema, das nicht weniger eklig ist, ist der Hundekot. Viele Hundehalter würden die Haufen ihrer Vierbeiner zwar in Plastiksäcken einsammeln, diese dann aber einfach ins Gebüsch oder sonst wohin "entsorgen".

In dem Bauzaun-Dreieck wurden diese übrigens gar nicht erst berücksichtigt, da der Gestank wohl kaum auszuhalten gewesen wäre.

Sind die Menschen zu bequem?

Sebastian Kutzsche versteht dieses Verhalten der Menschen nicht. "Die meisten Dinge kann man kostenlos entsorgen oder gegen eine kleine Gebühr. Das schafft jeder." Er vermutet aber Bequemlichkeit und Desinteresse.

Dass die Stadt trotzdem ordentlich bleibt, ist Menschen wie dem Bauhofmitarbeiter Daniel Reithmeier zu verdanken, der bei dem Termin am Rathausplatz ebenfalls anwesend ist. Er sammelt den Müll der anderen unerbittlich und immer wieder aufs Neue ein und entsorgt diesen fachgemäß.

Wer sich unsicher ist, welcher Müll wo entsorgt werden kann, dem ist übrigens damit geholfen, sich auf der Seite des Wertstoffhofs Treuchtlingen zu informieren. Dort sind übersichtlich alle Müllarten aufgelistet. Auch sind dort Kontaktdaten hinterlegt, bei denen man bei konkreten Fragen noch einmal nachhaken kann.

Eine Aktion mit Nachwirkung?

Sebastian Kutzsche artikuliert – inspiriert durch die einwöchige Sammel-Aktion – einen klaren Wunsch an die Bürgerinnen und Bürger: Dass diese künftig umsichtiger und fairer mit ihrem privaten Müll umgehen.

Bürgermeisterin Kristina Becker erkennt das Problem in der Stadt und ruft die Bürger ebenso dazu auf, Müll nicht einfach "wo man geht und steht" liegen zu lassen. Sie zeigte sich außerdem erstaunt, dass so viel Müll nur in einem 500-Meter-Radius zusammen kam und nicht mal im gesamten Stadtgebiet.

Das Stadtoberhaupt will auch am Wallmüllerplatz spezielle Mülleimer für Zigaretten anbringen lassen. "Die Menschen beschweren sich über die Stummel, die dort rumliegen, wo die Kinder plantschen und spielen."

Das "Mülldreieck" wurde nach dem Treffen mit Kutzsche und Becker wieder abgebaut und der Müll vernünftig getrennt und weggebracht. Ob diese Installation am Rathausplatz im Nachgang dazu führt, dass sich Menschen mehr mit ihrem problematischen Umgang mit der Müllentsorgung befassen? Das ist nicht klar zu beantworten. Sicher ist jedoch eins: Ohne Leute wie Reithmeier oder Kutzsche, wäre die Stadt schon binnen kürzester Zeit zugemüllt.

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