Badewarnung ausgedehnt

Braune Altmühl: Sauerstoffmangel sorgt für Gestank und tote Fische

20.7.2021, 17:09 Uhr
Braun ist das Wasser im Altmühlzuleiter und auch im See. Einher geht damit ein ekliger Geruch und auch tote Fische wie hier am Wehr bei Streudorf schwimmen im Wasser. Zu viele Nährstoffe und der daraus resultierende Sauerstoffmangel sind das Problem.

Braun ist das Wasser im Altmühlzuleiter und auch im See. Einher geht damit ein ekliger Geruch und auch tote Fische wie hier am Wehr bei Streudorf schwimmen im Wasser. Zu viele Nährstoffe und der daraus resultierende Sauerstoffmangel sind das Problem. © Foto: Horst Kuhn

Verantwortlich für den aktuellen Zustand ist das Hochwasser in der jüngsten Vergangenheit, wodurch belastetes Wasser in die Altmühl und somit in den See gelangt ist. Deshalb passt die Wasserqualität nicht mehr, die genommenen Proben prüfen die beiden Ämter derzeit noch.

"Erst wenn eine Gesundheitsgefährdung für Badegäste ausgeschlossen werden kann, wird die Warnung zurückgenommen", heißt es aus der Ansbacher Behörde. So geht man auch in Weißenburg vor. Der Leiter des dortigen Gesundheitsamts, Dr. Johannes Rank, erklärt, dass die Badewarnung vorsorglich vorgenommen wurde.

Überschwemmungen sind Schuld

Parallel informiert das Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA), über Sauerstoffmangel in Gewässern als Folge des Hochwassers. Sowohl die toten Fische, der Gestank als auch die dunkle Farbe etwa im Altmühlzuleiter hängen mit den Überschwemmungen zusammen.

Zur Farbe erklärt Dr. Gabriele Trommer vom WWA: "Das Wasser, das durch den Boden zurücksickert, löst organische Kohlenstoffe." Diese gäben dem Wasser die dunkle Färbung. Alles was auf einer Wiese zu finden sei, Gras, Vegetation, Gülle sorgten dafür. Dieser "braune Saft" entsteht beispielsweise auch, wenn Schnittgras länger steht und feucht wird, so der Vergleich der Biologin, die beim WWA Fachbereichsleiterin Technische Gewässeraufsicht ist und somit für Monitoring, Biologie und Warndienste zuständig.

Der Sauerstoffmangel ergibt sich durch die erhebliche Menge an ausgeschwemmten Sedimenten und Nährstoffen, teilt das WWA in einem Schreiben mit. Denn nicht nur die großen Auenlandschaften der Flüsse wie der Altmühl, der Aisch und der Fränkischen Rezat habe es überschwemmt. Auch große landwirtschaftliche Flächen, Äcker und Wiesen wurden überflutet, öffentliche Kanalisationen wurden entlastet.

Und da alles, also auch dieser Überschuss an Nährstoffen, etwa von Bakterien oder Algen verstoffwechselt wird, wird mehr Sauerstoff verbraucht, erläutert Trommer. Hinzu komme, dass die Pflanzen und deren Wurzeln auf überschwemmten Flächen dem Wasser - zumindest zum Teil - ebenso Sauerstoff entzögen, den sie sich sonst aus der Luft holten.

Jeder verwesende Regenwurm verbraucht Sauerstoff

Viel Sauerstoff verbrauchten zudem die Bakterien im Boden, ja, jeder Regenwurm, alles, was verwese, verbrauche ihn. "Und das sauerstoffarme Wasser sickert dann zurück in die Altmühl", weiß Trommer. Die Produktion des lebenswichtigen Gases durch Wasserpflanzen erfolge zudem sehr eingeschränkt aufgrund der Trübung des Wassers.

Der Gestank rühre ebenfalls von den Verwesungs- und Gärprozessen her. Der Abbau von organischem Material kann sogar in Form von Bakterienrasen auf der Wasseroberfläche sichtbar werden, der wie ein ölähnlicher Film aussieht, informiert das WWA in seiner Mitteilung. Aber auch die Sauerstoffarmut trage zur Geruchsbelästigung bei. Gabriele Trommer vergleicht das mit einem Zimmer, das länger nicht gelüftet wurde: "Mit der Belüftung durch frisches Wasser wird sich das wieder geben."

Die Expertin hofft, dass bis nächste Woche Besserung eintritt: "Es wird sich selber regenerieren durch die Verdünnung und das Weiterlaufen des Wassers. Das ist ein natürlicher Prozess." Jedoch fließe die Altmühl relativ langsam, es daure bis das Wasser vom Oberlauf über Ornbau an Gunzenhausen vorbeigeflossen sei. So lange leiden die Tiere im Wasser, Fische und Kleinstlebewesen. Es kam und kann laut der WWA-Mitteilung auch noch weiterhin zu Fischsterben kommen.

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