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Freitag, 07.08.2020

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Breite Front gegen weiteren Solarpark bei Igelsbach

Eine Interessengemeinschaft will den Bau einer großen Photovoltaik-Anlage verhindern - 01.08.2020 16:42 Uhr

In diesem Tal nahe Igelsbach will die Energiekontor AB einen neun Hektar großen Solarpark errichten. Dagegen regt sich in dem Dorf nun Widerstand.

© Erich Neidhardt


Hier wurde eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet, die den Bau der "Absberg II" benannten Anlage sehr kritisch sieht. Die Mitglieder befürchten, dass die PV-Anlage die Umgebung des Orts und der Ferienregion am Brombachsee erheblich verändern wird – und dies nicht zum Positiven.

Bei einem Ortstermin verwies Martin Linck zusammen mit einer Reihe von Mitgliedern der IG nun darauf, dass die Anlage im schönsten Teil des Igelsbacher Tals gebaut werden soll. Die geplante PV-Fläche würde sich zwischen dem Dorf Igelsbach mit seinen etwa 40 Haushalten und dem Naturschutzgebiet am Igelsbachsee befinden, mitten in der intakten Kulturlandschaft des Ferien- und Erholungsgebiets Fränkisches Seenland, machten die Teilnehmer gegenüber unserer Zeitung deutlich.

"Sicher kommen unsere Urlaubsgäste nicht aufs Land, um dann zwischen eingezäunten Industrieanlagen wandern zu gehen", sind die IG-Mitglieder überzeugt. Gleiches gelte auch für die Pilger, die auf dem vorbeiführenden Jakobsweg unterwegs seien und statt entspannt und sich selbst findend durch die Natur zu wandern von den in der Sonne glänzenden Glasplatten geblendet würden. Sie würden sicherlich nicht verstehen, warum ein so schöner Fleck Erde für die Energiegewinnung geopfert werde.

Wertvolle Ackerflächen

Auch geht es den IG-Mitgliedern um die Zukunft der örtlichen Landwirtschaft. Es sei nicht zu rechtfertigen, diese für die heimischen Betriebe sehr wertvollen Ackerflächen zur Stromproduktion zu verwenden. Sie würden von ortsansässigen Landwirten für die Nahrungsmittelproduktion auch im Sinne der Erhaltung der lokalen ländlichen Stukturen bewirtschaftet – und dies mit viel Hingabe und Erfolg. "In einer Welt, die mehr und mehr von Autokraten regiert wird, sehen wir die Nahrungsmittelversorgung im eigenen Land wichtiger als eh und je", so die IG-Mitglieder. Auch leiste der kleine Ort Igelsbach mit der Anlage "Absberg I" schon einen beachtlichen Beitrag für die Erzeugung grüner Energie. Sie erzeuge Strom für immerhin 1400 Haushalte.

Für die Interessengemeinschaft Igelsbach hat die Stromproduktion mit PV-Anlagen in der Bevölkerung zu Recht eine hohe Akzeptanz, aber es sei zu hinterfragen, ob dieses weitere schöne Stück Natur den erneuerbaren Energien zum Opfer fallen müsse. Sicher gebe es noch freie Dachflächen und auch besser geeignete Freiflächen, die nicht dem Broterwerb dienten oder wie in der hiesigen Region zudem noch für die Umwelt und den Tourismus bedeutend seien. Die intakte Landschaft quasi vor der Haustür sollte der Nachwelt erhalten bleiben. Überdies gebe es auch noch viel Energiesparpotenzial, das noch nicht genutzt werde. Auch der Bayerische Bauernverband (BBV) vertrete die Auffassung, dass PV-Anlagen vorrangig auf Dachflächen installiert werden und wertvolle Acker- und Grünlandflächen nicht angetastet werden sollten.

Laut der IG liegt den Verpächtern der betroffenen landwirtschaftlichen Flächen seitens der Firma Energiekontor mit Stammhaus in Bremen wohl ein ertragreiches Angebot vor und die Pachtverträge mit den Landwirten würden einfach nicht verlängert. Natürlich hätten die Besitzer von landwirtschaftlich verpachteten Flächen den nachvollziehbaren Vorteil, diese über Jahrzehnte umweltfreundlich im Sinne der Energiegewinnung, gewinnbringend und ohne weiteren Verwaltungsaufwand "versorgt" zu wissen.

Für die betroffenen Landwirte bedeute diese Entwicklung in Zukunft aber das Aus und für den heimischen Lebensraum eine "erhebliche optische und räumliche Veränderung von Abwechslung und Vielfalt zu mehr Eintönigkeit".

In diesem Tal nahe Igelsbach will die Energiekontor AB einen neun Hektar großen Solarpark errichten. Dagegen regt sich in dem Dorf nun Widerstand.

© Erich Neidhardt


"Durch den Abzug von Ackerflächen wird die Existenz der Landwirte bedroht. Außerdem ist ein Photovoltik-Aacker 30 Jahre lang auch für die Gesamtbevölkerung im Sinne der Erlebbarkeit von Naturschönheit und Artenreichtum, kurz dem Erholungswert, verloren", beschreibt die IG die negativen Folgen von "Absberg II". Auch würden durch die Anlage keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.

Für Nachwelt erhalten

Es sei klar, dass die Bauern, die ihren Betrieb mit Viehhaltung und Ackerbau in Verbindung mit den Pachtflächen ausgebaut haben, vor den Kopf gestoßen seien, wenn ihnen diese Flächen nun kurzerhand weggenommen werden. In Igelsbach, ist die IG überzeugt, hätte die Landwirtschaft noch lange Zukunft. "Wie soll man aber die Nachkommen für den Beruf begeistern, wenn diese zusehen müssen, wie Ackerflächen einfach entfallen, weil sie mit Photovoltaikplatten zugepflastert werden", fragen sie sich.

Nachdem Vertreter der Energiekontor AG die wirtschaftliche Bedeutung der vorhandenen (Igelsbach und Kalbensteinberg) und geplanten PV-Anlagen (Igelsbach) für die Gemeinde Absberg in den Vordergrund stellten, wurden nach Angaben der Interessengemeinschaft seitens der politisch Veranwortlichen in Absberg durchaus auch kritische Stimmen laut.

So wären von den bestehenden Anlagen beispielsweise noch keine Gewerbesteuern eingegangen und eine vorgesehene anteilige Zahlung des Betreibers aus der Stromeinspeisung wäre nur eine freiwillige Leistung, die jederzeit ausgesetzt oder zurückgezogen werden könne. Auch seien die geringen Zahlungen für die Kabelnutzung zu vernachlässigen.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft haben im Rathaus Absberg und im Gasthaus Reinwald in Igelsbach Unterschriftenlisten gegen den Bau des neuen Solarparks ausgelegt. Weitere Unterschriftensammlungen sind in den einzelnen Gemeindeteilen geplant und die IG hofft auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung und obendrein auf ein Einsehen im Gemeinderat, der darüber entscheiden wird, ob die Anlage gebaut werden darf – oder nicht.

ERICH NEIDHARDT E-Mail

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