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Breitensport: Corona sorgt für Rückenschmerzen

Freizeit- und Gesundheitssportler können derzeit nicht wie gewohnt trainieren. - 08.11.2020 07:52 Uhr

Wer seinem Körper etwas Gutes tun möchte, muss dies in den Wintermonaten oft in den eigenen vier Wänden zun – vor allem während des Lockdowns.

06.11.2020 © Foto: Christin Klose/ dpa-tmn


Es ist ruhig geworden auf den Sportplätzen und in den Hallen der Region. Dort, wo sich noch bis Ende Oktober Sportler verschiedener Disziplinen darum bemüht haben, trotz aller Widrigkeiten einen halbwegs regulären Betrieb aufrechtzuerhalten, ist es nun menschenleer. Im vereinseigenen Fitnessstudio des TV 1860 Gunzenhausen stehen Ergometer, Hantelbänke und Laufbänder seltsam verloren im Raum verteilt.

Seit dem vergangenen Montag darf sich niemand mehr daran versuchen, vor Weihnachten noch die paar Kilos zu verlieren, die sich während des üppigen Schlemmens über die Festtage in unbarmherziger Regelmäßigkeit in den Problemzonen anhäufen. „Schon bitter“, findet es Fitnesstrainer Denis Sterzer, dass er bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Türen schließen muss. „Ich verstehe das nicht ganz. Eigentlich ist das Training hier ja gesundheitsfördernd und stärkt das Immunsystem“, sagt er.


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"Etwas trüb" sei die Stimmung gewesen als die Mitglieder erfahren hätten, dass sie ihr Sportprogramm für mindestens vier Wochen wieder im heimischen Wohnzimmer absolvieren müssen. "Manche haben schon geklagt, dass sie wahrscheinlich wieder Rückenschmerzen bekommen werden. Damit es nicht ganz so schlimm wird, haben wir ein paar unserer Geräte ausgeliehen", erzählt Sterzer. Er nimmt ohnehin an, dass die Zwangspause länger dauern könnte als nur bis Ende November.

Fitness hat nachgelassen

Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr hat sich gezeigt, wie sehr den Mitgliedern das Training fehlt. Bei manchem hat der Fitnesszustand deutlich gelitten. Obwohl Sterzer Online-Kurse entwickelt hatte, die zumindest eine gewisse Grundfitness der Sportler erhalten sollten. Für die Zeit des zweiten Lockdowns plant er nun, Trainingseinheiten über die Videoplattform Zoom anzubieten. Ein wenig wird es aber noch dauern bis es soweit ist. "Gerade ist das alle noch in der Planung", sagt der 36-Jährige.

Dass wochenlange Inaktivität Spuren hinterlässt, hat auch Silke Pawlicki erfahren. Die 48-Jährige leitet die Sparte Damengymnastik bei der DJK Gnotzheim. "Wir haben nach dem ersten Lockdown gemerkt, dass wir alle Probleme mit dem Rücken hatten, wir waren auch nicht mehr so beweglich", berichtet sie.

Die Frauen ihrer Sportgruppe, die meisten davon zwischen 40 und 60 Jahre alt, treffen sich sonst wöchentlich für ein intensives Ganzkörpertraining. Wegen des niedrigeren Infektionsrisikos im Freien haben sie die Sommermonate auf dem Sportplatz verpasst. Erst im September ging es wieder in die Halle. Bis sich die Gruppe in der letzten Woche vor dem Lockdown angesichts deutlich gestiegener Corona-Fallzahlen wieder für das Joggen an der frischen Luft entschied.


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Ihr fehle das Training jetzt schon wahnsinnig, sagt Pawlicki. "Natürlich waren wir sehr traurig, dass wir wieder pausieren müssen, aber alle haben die Entscheidung akzeptiert", berichtet sie. Dabei ist nicht nur der Verzicht auf regelmäßige Bewegung ein Problem. Gerade die sozialen Kontakte zu den Sportkameradinnen fehlen. "Wir sind eine ganz tolle Truppe", sagt sie lachend, "hier kann jede mit jeder ratschen."

Ältere vom Lockdown besonders betroffen

Mehr noch als um ihre Gymnastikdamen sorgt sich Pawlicki um die Aktivgruppe der DJK Gnotzheim. Die besteht hauptsächlich aus Seniorinnen, die altersmäßig ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf einer Corona-Infektion haben. Allerdings leiden sie auch besonders unter der trainingsfreien Zeit. "Wenn die sich nicht mehr bewegen, ist die gesundheitliche Beeinträchtigung natürlich noch stärker", befürchtet Spartenleiterin Pawlicki.

Die Damengymnastik-Gruppe der DJK Gnotzheim hat den Sommer hauptsächlich im Freien verbracht – erst im September wechselte sie in die Halle.

06.11.2020 © Foto: DJK Gnotzheim


Aktuell überlegt sie, ob sie wieder Videos drehen soll für ihre Sportlerinnen, die jetzt zu Hause sitzen. Im März und April hat sie das gemacht – mit gemischten Gefühlen. "Es ist natürlich nicht dasselbe wie gemeinsam in der Halle zu stehen."

Inge Walz kann das nur bestätigen. Sie leitet beim 1. FC Altenmuhr die Sparte Gymnastik und Zumba. Außerdem kümmert sie sich um das Kinderturnen. Viermal pro Woche steht die 66-Jährige daher in normalen Zeiten in der Halle. "Wir machen das ja nicht nur aus Spaß. Das Training ist für unseren Allgemeinzustand wichtig, gerade für den Rücken", sagt sie. "Man merkt schon nach zwei Wochen, dass die Muskulatur abbaut."

Gemeinschaft bleibt unersetzlich

Viel gejoggt und mit dem Rad gefahren sind sie auch beim 1. FC Altenmuhr den Sommer über. Erst vor ungefähr sechs Wochen hat man sich zurück in die Halle begeben. Bis die Fallzahlen drastisch stiegen und die Politik den Lockdown-Light verkündete, um gegenzusteuern und die Krankenhäuser vor einer Überlastung zu bewahren.

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Walz berichtet, dass sie Älteren das relativ gelassen hingenommen hätten. "Für die Jüngeren war es schlimmer, die haben schon etwas gejammert." Auch Walz hat im Frühjahr ein Trainingsvideo aufgenommen und an ihre Sportler verschickt. Ob sie das nochmal tun wird, weiß sie noch nicht. Sport in der Gemeinschaft lässt sich eben doch nicht so leicht ersetzen.

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