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Center Parcs baut am Brombachsee: Bürgermeister bleibt neutral

Bevor sich Reinhold Huber entscheidet, will er alle Fakten auf dem Tisch haben - 24.08.2020 06:01 Uhr

Auf dem rund 150 Hektar großen Gelände zwischen Langlau und Brombachsee war bis Ende 2007 die Munitionsanstalt (Muna) der Bundeswehr und bis 1992 das Corps Depot der U.S. Army untergebracht. Nun will hier Center Parcs eine Ferienanlage bauen.

23.08.2020 © Limes-Luftbild.de


"Ich habe dazu eine neutrale Haltung", sagt Huber, der im Mai sein Amt angetreten hat. "Meine Aufgabe ist es jetzt, alle Aspekte abzuklären und alles für die Bürger erklärbar zu machen." Er wolle derzeit "nicht spekulieren, sondern Fakten recherchieren". Deshalb werde er auch schon bald seinen Kollegen im Leutkircher Rathaus besuchen und dort erörtern, "was die gut gemacht haben und was sie nicht mehr so machen würden". Wie berichtet, hat Center Parcs in der Allgäuer Kleinstadt für rund 350 Millionen Euro die jüngste seiner sechs deutschen Ferienanlagen errichtet, in der 5000 Urlauber übernachten können.

Den Leserbriefschreibern, die derzeit vehement Stimmung machen gegen den Investor, bescheinigt Huber, dass sie "lauter sind als die Befürworter, am lautesten die, die nicht betroffen sind". Und mit einem ironischen Schmunzeln fügt er hinzu, dass er erwarte, demnächst die ersten Leserbriefe aus Stuttgart zu entdecken.

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Feriensiedlung am Brombachsee: Das plant Center Parcs

Nun ist es offiziell: Center Parcs plant eine Feriensiedlung mit mindestens 800 Häusern am Brombachsee. Die Rede ist von einer "innovativ-ökologischen Muster-Ferienanlage". Während Landrat Manuel Westphal sich für das Projekt ausspricht, formiert sich das Lager der Gegner bereits. Ein Überblick in Bildern.


Er jedenfalls sei gespannt auf die Präsentation der Pläne am 1. September in der Sitzung des Zweckverbandes Brombachsee, im Kreistag und am Abend bei einer Art Open-Air-Bürgerversammlung in Pfofeld (19 Uhr, Gelände in der Schwäz, Anmeldung bis 28. August per Mail an r.huber@pfofeld.de unter Angabe der Personenzahl). Daran dürfen nach den derzeit gültigen Corona-Vorschriften maximal 200 Personen teilnehmen.

Kritik an der "Marketingtour"

Diesbezüglich meldete sich am Wochenende die erst vor wenigen Tagen gegründete Bürgerinitiative (BI) "Seenland in Bürgerhand" zu Wort. Sie kritisierte die Info-Veranstaltung als "Marketingtour rund ums Seenland, um die Gewinninteressen des Konzerns durchzusetzen".

Pfofelds Bürgermeister Reinhold Huber will alle Aspekte abklären.

23.08.2020 © Gisela Franz


Die BI habe deshalb Huber gebeten, "nach der Vorstellung des Projektes durch Center Parcs in Pfofeld in dieser Veranstaltung auch die Sichtweise der Bürgerinitiative darlegen zu dürfen". Einen "offenen Dialog", wie ihn Center Parcs ankündige, könne es nur geben, "wenn beide Seiten in direkter Gegenüberstellung ihre Argumente der Bevölkerung darlegen können". Dafür sei "die Auftaktveranstaltung in Pfofeld genau der richtige Moment". Huber jedenfalls will sich alle Argumente erst einmal anhören, bevor er eine Entscheidung trifft.

"Meine Aufgabe ist es, Schaden von der Gemeinde abzuwenden, aber eben auch Chancen zu nutzen, wenn es sinnvoll ist." So müsse man zum Beispiel prüfen, ob Pfofeld trotz aller zu erwartenden Zuschüsse überhaupt in der Lage sei, die Infrastruktur für den Center Parc zu schaffen: "Da bleibt noch viel an der Gemeinde hängen."


Center Parcs hat das beste Angebot abgegeben


In Sachen Gewerbesteuer macht er sich schon mal keine Illusionen: "Nennen Sie mir einen internationalen Konzern, der seine Gewinne wirklich vor Ort versteuert", antwortet der 67-Jährige, der lange Jahre in der Wirtschaft tätig war, auf eine entsprechende Frage. Und setzt hinzu: "Diese Argumentation ist mir zu flach."

Dass die Gemeinde Pfofeld am Ende das Projekt über den Bebauungsplan verhindern könnte, hält Huber für durchaus möglich. Die Frage sei aber: "Tun wir uns damit einen Gefallen?" Und er betont noch einmal: "Erst werden jetzt Fakten gesammelt, und dann wird entschieden."

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