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Center Parcs: Beifall für Kritiker und Fans

Beim ersten öffentlichen Info-Abend zum Mega-Projekt äußerten sich auch Anhänger - 03.09.2020 17:12 Uhr

Auf der „Strafbank“: Landrat Manuel Westphal sowie die Center-Parcs-Manager Frank Daemen, Jan Janssen und Robin Wildhagen (von links), gefilmt von einem TV-Kamerateam.

03.09.2020 © Jürgen Eisenbrand


Um Punkt 19 Uhr schnappte sich Huber das Mikrofon, um die Besucher zu begrüßen – und blickte zunächst erstaunt auf eine nahezu leere erste Bankreihe. "Wo sind denn meine Gemeinderäte?", fragte der Rathauschef in die Runde. Und konnte wenig später beobachten, wie sich die Ehrenplätze doch noch füllten.

Derweil hatten die CP-Manager Jan Janssen, Frank Daemen und Robin Wildhagen zusammen mit Landrat Manuel Westphal die direkt unter einer mächtigen Linde platzierte Bühne erklommen: einen mit zwei Sitzreihen und Geländer ausgestatteten Traktoranhänger. Hier fühle man sich "wie auf der Strafbank beim Eishockey", schmunzelte einer der Holländer.


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Nachdem Westphal, wie zuvor schon zweimal an diesem Tag – beim Zweckverband Brombachsee und im Kreistag – das dreistufige Genehmigungsverfahren und die Zuständigkeiten dafür erläutert hatte, durften Janssen und Daemen ihre "Strafbank" schon wieder verlassen. Denn auch sie absolvierten nun zum dritten Mal ihr Programm und stellten den Pfofelder Bürgern sowohl ihren Konzern wie auch ihre Pläne für die Muna vor.

Die beiden Holländer blieben ruhig und souverän

Darüber – und während der anschließenden, ausgiebigen Fragerunde – wurde es dunkler, die Quecksilbersäule sank auf 12 Grad, die Füße wurden nass und kalt – aber die beiden Holländer blieben geduldig und souverän. Unermüdlich betonten sie, wie ernst sie die Bedenken der Kritiker nähmen, wie sehr sie an einer nachhaltig-ökologischen Entwicklung des ehemaligen Militärgeländes interessiert seien.

Insbesondere Daemen, dessen Dialekt die Älteren angenehm an die TV-Legende Rudi Carrell erinnert haben dürfte, verstand es meisterhaft, die Zweifler mit ausführlichen Erklärungen und viel Verständnis für sich einzunehmen. "Wir sind uns Ihrer Sorgen bewusst", beteuerte er mehrfach, und er bot Naturschützern und Vertretern der Initiative "Seenland in Bürgerhand" an, direkte Gespräche über deren Nöte und Bedenken zu führen.

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Beide Manager bestachen mit erstaunlichem Detailwissen, scheuten sich aber auch nicht zuzugeben, wenn sie auf bestimmte Fragen – etwa nach der Zahl der in Langlau geplanten Ferienhäuser, dem Verkehrs- und Energiekonzept oder dem Umfang der Waldrodungen – noch keine gesicherten Antworten geben konnten. "Wir stehen da wie ein Hampelmann, weil wir so viele Fragen nicht beantworten können", ärgerte sich Janssen öffentlich.


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Er hätte gerne ein paar Wochen später informiert, "wenn wir mehr wissen", aber dafür war der öffentliche Druck zu groß. Und er versprach: "Ende Oktober wissen wir mehr", dann werde es weitere Info-Veranstaltungen geben. Denn, so betonte der Projektbeauftragte des Konzern auf Nachfrage eines Pfofelders: Die Zeit der Verschwiegenheit, die notwendig gewesen sei, bis CP den Zuschlag für das Gelände erhalten habe, sei nun "vorbei".

Spektakuläre Neuigkeiten erbrachte die ausgiebige Fragerunde, wie zu erwarten, nicht. Dennoch kitzelten die Pfofelder einige interessante Informationen aus Daemen und Janssen heraus. Beispiele:

Eine Brücke für mehr Sicherheit: Um ihre Besucher nicht in Gefahr zu bringen, denken die CP-Manager sogar daran, diesen unbeschrankten Bahnübergang zu ersetzen.

03.09.2020 © Jürgen Eisenbrand


Die Zufahrt zum Parkgelände werde nicht, wie von Anwohnern befürchtet, über die Karl-Müller-Straße erfolgen. "Die wird nie genutzt werden", beteuerte Janssen. Stattdessen plane man, die Besucher über das Thannhäuser Tor aufs Parkgelände zu lotsen. Um die Zufahrt für die Gäste sicherer zu machen, sie also nicht über einen unbeschrankten Bahnübergang anfahren zu lassen, werde man demnächst in Gespräche mit der Deutschen Bahn und dem Bundesverkehrsministerium eintreten. Ziel, so Janssen: "Wir wollen eine Überfahrung kreieren."

Die Wasserversorgung sei mit der vorhandenen Infrastruktur nicht machbar. Hier trage man sich mit dem Gedanken, auf eigene Kosten die Fernwasserleitung von Augsburg nach Nürnberg anzuzapfen: "Da können 60 Millionen Kubikmeter Wasser transportiert werden, aber Nürnberg braucht nur 30 Millionen." Beim Thema Abwasser überlegten die Planer noch, ob sie auf dem Gelände eine eigene Kläranlage bauen oder – ebenfalls auf eigene Kosten – die bestehende aufrüsten wollen.

Bedenken, ihr Konzern werde keine Kurtaxe und auch keine Gewerbesteuer zahlen (müssen), wiesen Janssen und Daemen zurück: An jedem Standort zahle man selbstverständlich eine Kurtaxe, wo es keine Verpflichtung gebe, sogar freiwillig. Und da jeder Center Parc eine eigenständige GmbH sei, fielen auch Gewerbesteuern an, sobald Gewinne erwirtschaftet würden.

Die Besitzverhältnisse sind sehr verschieden

Kritisch zu den Besitzverhältnissen an den Center Parcs befragt, räumten die Manager ein, dass diese sehr verschieden seien. Manche Parcs gehörten Großinvestoren, manche Privatpersonen, manche Immobilienkonzernen; im Saarland seien auch einzelne Wohnungen verkauft worden.

Klar sei aber in jedem Fall, so Daemen: "Alle Parcs, die wir in Jahrzehnten gebaut haben, betreiben wir auch noch." Und setzte als griffiges Schlagwort obendrauf: "Wir sind gekommen, um zu bleiben." Niemand müsse also eine hässliche Investitionsruine am Ufer des Brombachsees befürchten.

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Auch den Vorwurf, der französisch-niederländische Konzern habe sich mit dem Muna-Gelände ein nahezu verschenktes Schnäppchen gesichert, wies Jan Janssen zurück. Anders, als von einem Fragesteller errechnet, liege der Quadratmeterpreis nicht bei 7,50 Euro, sondern deutlich höher. Zum einen habe man für die 150 Hektar (1,5 Millionen Quadratmeter) mehr geboten als den geforderten Mindestpreis von 11,1 Millionen Euro. Zum anderen werde für die Sanierung des großflächig mit Sprengstoff, Diesel, Kerosin und Lösungsmitteln verseuchten Bodens ein "zweistelliger Millionenbetrag" fällig. Wofür es – anders als häufig behauptet – keine Zuschüsse vom Freistaat gebe.

Dass der geplante Center Parc, in dessen Einzugsbebiet (maximal drei Autostunden) 14 Millionen Menschen leben, die Kapazitäten des Urlaubsgebietes Brombachsee überlasten könnte, glauben die beiden Holländer nicht. "Der Gast passt sich an", sagte Jan Janssen auf eine entsprechende Frage: "Wenn es am See mal sehr voll ist, dann bleibt er eben im Park und geht erst raus, wenn die Tagesgäste aus Nürnberg wieder weg sind." Für die Region wichtig sei jedoch der Ganzjahresbetrieb, der auch in bislang (zu) ruhigen Zeiten Leben ins Seenland bringe. Wovon übrigens die auch die umliegenden Gemeinden profitieren könnten, denn: Viele Gäste verließen den Park, machten Ausflüge, brächten Geld in Geschäfte, Gastronomie und Einzelhandel.

Gegen Ende der Fragerunde, es war inzwischen stockfinster geworden, meldeten sich dann nach vielen kritischen Stimmen auch noch zwei Fans des Center Parcs zu Wort: Oliver Röhrl vom Strandhotel Seehof in Langlau und Volker Sanwald, der in Absberg das San-Shine-Camp betreibt und Räder sowie Wasserfahrzeuge verleiht.

"Ich freue mich, wenn ihr kommt!"

Röhrl begrüßte seine, wie er sagte, "zukünftigen Nachbarn" euphorisch: "Ich freue mich, wenn ihr kommt!", sagte der Hoteldirektor, von dem man hätte annehmen können, er lehne die neue, mächtige Konkurrenz ab. Doch im Gegenteil: "Von Center Parcs wird die ganze Region profitieren", ist Röhrl sich sicher: "Ich bin ein absoluter Fürsprecher von Center Parcs."

Ins gleiche Horn blies Volker Sanwald: "Ich bin heilfroh, dass Center Parcs kommt", sagte der Unternehmer. Er erinnerte daran, dass vor 25 Jahren "viel mehr los war an den Seen als jetzt" und die "Infrastruktur nicht ausgelastet" sei. CP biete der Region "die Chance, dass der Tourismus auch in der zweiten Generation leben kann".

Interessant: Röhrl wie auch Sanwald erhielten für ihre flammenden Plädoyers jeweils spontanen Applaus aus dem Publikum – so wie einige der kritischen Fragesteller zuvor ebenfalls. Dabei war rein akustisch nicht auszumachen, welche der beiden Gruppen zahlreicher auf der "Schwärz" vertreten war.

Klar wurde jedoch: Der Armada der Leserbriefschreiber, die in den letzten Wochen Stimmung gegen Center Parcs gemacht hatte, steht offenbar eine stattliche, aber bislang recht schweigsame Truppe gegenüber, die das 350-Millionen-Investment auf dem Muna-Gelände begrüßen würde.

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