CSU erobert mit Karl-Heinz Fitz das Rathaus zurück

18.3.2014, 08:08 Uhr
Noch-Bürgermeister Joachim Federschmidt (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Karl-Heinz Fitz zur gewonnenen Wahl. Der CSU-Mann setzte sich mit 77 Stimmen Vorsprung durch.

Noch-Bürgermeister Joachim Federschmidt (rechts) gratuliert seinem Nachfolger Karl-Heinz Fitz zur gewonnenen Wahl. Der CSU-Mann setzte sich mit 77 Stimmen Vorsprung durch. © Erich Neidhardt

Der 52-jährige Jurist setzte sich mit 3750 Stimmen gegen seinen Mitbewerber Jo­achim Federschmidt von der SPD durch, den 3673 Wählerinnen und Wähler wieder als Rathauschef haben wollten. Federschmidt lenkte als Nachfolger von Gerhard Trautner sechs Jahre lang als Bürgermeister die Geschicke der Altmühlstadt.

Nicht wie vor sechs Jahren berstend voll, aber mit Vertretern der im Stadtrat vertretenen Parteien und Wählergruppen sowie etlichen inte­ressierten Gunzenhäusern doch gut gefüllt war der Sitzungssaal im Rathaus, als Hauptamtsleiter Klaus Stephan kurz nach 18.45 Uhr das mit Hochspannung erwartete vorläufige amtliche Endergebnis der Bürgermeisterwahl verkündete.

Demnach kam Fitz auf 50,52 Prozent der Stimmen, während sich Federschmidt mit 49,48 Prozent begnügen musste. An dem hauchdünnen Vorsprung des CSU-Bewerbers sollte sich nichts mehr ändern. Die Wahlbeteiligung lag mit 57,44 Prozent etwas unter dem Niveau von 2008, als 57,69 Prozent erreicht wurden. Von den 13 135 Wahlberechtigten schritten heuer 7543 an die Urnen. Insgesamt 7423 gültige Stimmen wurden abgegeben.

Die Parteifreunde von Fitz, der vor sechs Jahren bei der Stichwahl gegen Federschmidt mit 41,73 Prozent der Stimmen den Kürzeren gezogen hatte, brachen im Rathaussaal nach Bekanntgabe des Ergebnisses in spontanen Jubel aus. Der CSU-Mann, der Anfang Mai das Bürgermeisteramt antreten wird, wurde mit Glückwünschen geradezu überhäuft. Zu den ersten Gratulanten zählten neben seiner Ehefrau Angelika und den beiden Kindern Jonas und Franziska ein sichtlich enttäuschter Bürgermeister Joachim Federschmidt.

Nachdem der amtierende Rathauschef der Stadt Gunzenhausen „Gottes Segen und viel Glück“ gewünscht hatte, verließ er mit seiner Frau Kathrin rasch den Sitzungssaal. Man konnte bei Federschmidt bei aller Enttäuschung aber auch den Eindruck gewinnen, dass eine Last von ihm gefallen war – spätestens dann, als er im Hinausgehen bemerkte: „Endlich wieder leben!“

Beste Stimmung prägte Wahlparty

Ausgelassene Fröhlichkeit und spürbare Erleichterung nach langen Wochen des Hoffens und Bangens prägten die Wahlparty der CSU im Gasthaus „Altes Rathaus“ von Ex-Stadträtin Erika Wüst, zu der sich neben zahlreichen Parteifreunden der frühere Europaparlamentarier Dr. Ingo Friedrich und Altbürgermeister Gerhard Trautner eingefunden hatten. Auch Landrat Gerhard Wägemann ließ es sich nicht nehmen, dem neuen Bürgermeister seine Glückwünsche auszusprechen.

Sie alle wurden von Friedrich Kolb, dem CSU-Ortsverbandsvorsitzenden, willkommen geheißen. Er bescheinigte Fitz, nicht nur in den vergangenen sechs Jahren als 2. Bürgermeister der Stadt, sondern auch im Wahlkampf mit sehr viel Fleiß und Zielstrebigkeit gewirkt zu haben. Dies seien Charakterzüge, die Fitz auszeichneten. Er wisse, was er wolle, und könne als künftiger Gunzenhäuser Bürgermeister auf eine starke Mannschaft bauen. Gemeinsam habe man es geschafft, den amtierenden Bürgermeister aus dem Amt zu heben, was eine „echte Herausforderung“ gewesen sei. Unter dem Strich zähle nun die Überzeugung der Mehrheit der Bürger, dass man aus Gunzenhausen mehr machen könne.

Kolb: „Keine neuen Gräben aufreißen“

„Nun muss man schauen, keine neuen Gräben aufzureißen, sondern die Stadt gemeinsam nach vorn zu bringen“, hofft Kolb auf ein parteiübergreifendes gutes Miteinander im Stadtrat. Die CSU sei stolz, wieder den Bürgermeister zu stellen. Nun müsse man die anstehenden Aufgaben sachorientiert anpacken.

Das Miteinander liegt auch dem neugewählten Rathauschef sehr am Herzen. Karl-Heinz Fitz will großen Wert darauf legen, dass die Stadtratsarbeit künftig wieder von Gemeinsamkeit geprägt ist und „dass wir persönliche Schärfe hinter uns lassen“. Es gelte, sachorientiert zu arbeiten und persönliche Anfeindungen außen vor zu lassen. Fitz hat sich vorgenommen, auf alle im Stadtparlament vertretenen Parteien und Gruppierungen zuzugehen. Wichtig sei, dass gemeinsam am Vorankommen der Stadt gearbeitet werde.

Fitz ist überzeugt, dass er mit den bisherigen und auch den neugewählten Stadtratsmitgliedern „gut klarkommen wird“. Es gelte, den anderen gegenüber mit Respekt zu begegnen, auch wenn es einmal Meinungsverschiedenheiten gebe. Der CSU-Mann gab zu, dass nach dem Wahlsieg „eine große Last“ von ihm abgefallen ist. Gegen einen amtierenden Rathauschef anzutreten, sei keine einfache Sache. Nun gelte es, mit viel Herzblut für das Wohl der Stadt zu arbeiten. „Der Bürgermeister ist ein Bürgermeister für alle“, lautete das Credo des 52-Jährigen. Die Parteibrille dürfe jedenfalls nicht „das Geschehen bestimmen“.

Dankbar äußerte sich Fitz auf der Wahlparty für alle Unterstützung auch während des Wahlkampfs, den er bewusst sachlich geführt habe. Man habe Hand in Hand gearbeitet und dies habe sich letztendlich gelohnt. Fitz sprach von einer „tollen Mannschaft“. Er hat sich vorgenommen, seine „Visionen 2020“ (wir berichteten) Wirklichkeit werden zu lassen. Allem voran solle Gunzenhausen in sechs Jahren als eine wirtschaftlich aufstrebende und florierende Stadt dastehen, die sich familienfreundlich und mit einen attraktiven Freizeitangebot auch für junge Menschen präsentiert und in der sich auch die älteren Mitbürger wohlfühlen.

Wie für Friedrich Kolb trübt laut Dr. Ingo Friedrich nur ein einziger Wermutstropfen die gewonnene Wahl: „Es wäre schön gewesen, wenn der frühere Bürgermeister Willi Hilpert dies noch erlebt hätte.“ Er ist wie Fraktionsvorsitzender Pappler davon überzeugt, dass Gunzenhausen unter Fitz und seiner Mannschaft einen großen Schritt nach vorn machen wird. Für Pappler gilt es, die Interessen der Bürger ernst zu nehmen und gemeinsam Politik zum Wohl der Stadt zu machen. „Wir müssen die Geschicke der Stadt miteinander und über die Parteigrenzen hinweg gestalten“, wünscht er sich ein enges Miteinander aller agierenden Kräfte. Er dankte wie Fitz den Wählern für ihr Vertrauen.

Landrat freut sich auf Zusammenarbeit

In den allgemeinen Jubel stimmte auch Landrat Wägemann ein: „Ich gratuliere Karl-Heinz Fitz und der  gesamten Mannschaft zu ihrem Wahlsieg, über den ich mich riesig freue.“ Er ist davon überzeugt, dass mit dem CSU-Mann nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Vorsitzender des Zweckverbands Altmühlsee ein gedeihliches Miteinander möglich sein wird. „Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit“, verriet Wägemann. Der „extreme Fleiß“, den der CSU-Bewerber in den vergangenen sechs Jahren zeigte, habe sich nun ausgezahlt.

Bei den Vertretern der SPD, die sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in der Pizzeria „Am Blasturm“ eingefunden hatten, war die Enttäuschung über den Wahlausgang deutlich spürbar. Für Joachim Federschmidt, der noch bis Ende April als Stadtoberhaupt im Einsatz sein wird, wurde es möglicherweise versäumt, die eigenen Wähler stark genug zu mobilisieren. „Vielleicht haben wir sie zu wenig bewegt“, kommentierte er den Wahlausgang.

Untätigkeit brauche sich die SPD jedenfalls nicht vorwerfen zu lassen. Man habe in den vergangenen sechs Jahren „sehr viel aufs Gleis gesetzt“ und dabei intensiv auch Themen beackert, die Karl-Heinz Fitz gerne aufgreife. Federschmidt nannte hier neben der Ansiedlung neuer und der Unterstützung der bestehenden Betriebe unter anderem die Betreuungsangebote für Kinder und pflegebedürftige Senioren sowie die Wohnbauförderung. Auch stünden die Stadtwerke genauso wie die Sparkasse stabil da. Die Stadt befinde sich in geordneten Verhältnissen und davon werde die CSU jetzt profitieren. Auch die Ortsteile seien genauso wie der Umweltschutz nicht zu kurz gekommen. Überdies habe man die Krisenjahre 2009/10 so gut gemeistert wie nur wenige andere Kommunen. Fitz könne als sein Nachfolger angesichts des in der vergangenen Legislaturperiode Geleisteten „gut weiterarbeiten“.

Dass die Gunzenhäuser mehrheitlich für den CSU-Mann gestimmt haben, muss man für Federschmidt akzeptieren. Für ihn steht die Altmühlstadt nach seiner sechsjährigen Amtszeit gut da. Die Arbeit für die Stadt sehe man nicht unbedingt an „Schauprojekten“, sondern darin, dass das öffentliche Leben insgesamt gut funktioniere. Es gebe zudem eine „fantastische Stadtverwaltung“ und er hoffe, dass dies auch künftig geschätzt werde.

Federschmidt ist dankbar für die Unterstützung während seiner Amtszeit. Er nimmt das Wahlergebnis nicht persönlich, hätte sich aber gewünscht,  dass das, was für die Stadt gemacht wurde, mehr gesehen worden wäre. Der SPD-Mann hätte sich einen ehrlicheren und faireren Wahlkampf gewünscht, sieht in dem Ergebnis der Abstimmung am Sonntag aber auch etwa Positives: „Ich hab jetzt mehr Zeit für meine Frau.“„Mehr erhofft“ habe er sich von den Stadtteilen. „Nach dem was dort in den letzten Jahren an Entwicklung lief“, wie er rückblickend betonte. Jetzt gelte es, den Blick nach vorn zu richten.

Federschmidt: „Machen wir weiter.“ Noch völlig offen ist, wie es bei dem 50-Jährigen beruflich weitergehen wird. Federschmidt, bis dahin Beamter auf Lebenszeit, schied vor sechs Jahren aus dem aktiven Staatsdienst aus, weil er nach der Übernahme des Bürgermeisteramts als Wahlbeamter nicht zwei Herren gleichzeitig dienen konnte. Der Gunzenhäuser, Diplom-Ingenieur (FH) Landespflege, hat vor, sich beim Freistaat erneut um eine Stelle zu bewerben. Ihm wurde allerdings bereits signalisiert, dass es unwahrscheinlich sein wird, in Mittelfranken beruflich Fuß zu fassen. Er geht davon aus, dass er „irgendwo in Bayern“ eine Stelle bekommen wird und eventuell seinen Lebensmittelpunkt von Gunzenhausen weg verlagern muss. Näheres will er in den nächsten Wochen mit der Staatsregierung abklären. Seine künftige Arbeitssituation wird auch ausschlaggebend dafür sein, ob für Federschmidt ein Mitwirken im Stadtrat in Frage kommt.

SPD über Wahlbeteiligung enttäuscht

Über die niedrige Wahlbeteiligung und das Ergebnis der Bürgermeisterwahl enttäuscht äußerte sich Alfred Pfeil, der seit 30 Jahren für die SPD im Stadtrat Sitz und Stimme hat. Nur wenige Stimmen hätten den Ausschlag gegeben, dass eine sehr erfolgreiche Bürgermeisterarbeit gestoppt worden sei. Ein anderer werde jetzt die Früchte ernten. Pfeil („Ich blicke nicht zurück im Zorn, aber ich kann nicht verstehen, dass so wenige zur Wahl gingen, wo doch jede Stimme zählt“) hofft, dass Karl-Heinz Fitz mehr als bisher als Vermittler auftritt. Er wünscht sich genauso wie SPD-Ortsvereinsvorsitzende Monika Wopperer eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem neuen Amtsinhaber. Die Sozialdemokraten müssten sich nicht vorwerfen, zu wenig getan zu haben, und Fitz müsse sich jetzt an seinen Versprechen messen lassen.

Wopperer und Pfeil finden es schade, dass der große Einsatz Federschmidts für die Stadt auch in wirtschaftlicher Hinsicht von den Wählern nicht im erhofften Ausmaß gewürdigt wurde. Die SPD werde sich auf jeden Fall auch künftig für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger einsetzen. Nun brauche man aber etwas Zeit, um neue Strategien zu entwickeln. Pfeil: „Wir werden in den nächsten Monaten abklären, was alles möglich ist.“

Für Monika Wopperer ist das Ergebnis angesichts der Stimmung, die in der Stadt und den Ortsteilen zu spüren war, unbegreiflich. Sie findet es schade, dass das Engagement Federschmidts von den Wählern nicht im erwünschten Ausmaß gewürdigt wurde. Das Desinteresse an der Wahl ist für sie „erschreckend“.

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