Tourismus

Darum bedauern viele die Absage an Center Parcs

31.5.2021, 18:03 Uhr
Etwa 800 Ferienhäuser sollten am Brombachsee im Fränkischen Seenland entstehen.

Etwa 800 Ferienhäuser sollten am Brombachsee im Fränkischen Seenland entstehen. © Ton Hurks/Center Parcs

Mit 52,4 Prozent hatte eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Pfofeld am Sonntag gegen das geplante Vorhaben auf dem Muna-Gelände bei Langlau, einem Gemeindeteil von Pfofeld, gestimmt. Das Ergebnis sei „so zu akzeptieren“ sagte der Weißenburger Landrat Manuel Westphal (CSU) gegenüber dem Altmühl-Boten. Aus Westphals Sicht wäre die Ferienanlage „natürlich eine große Chance für eine positive Weiterentwicklung unserer Region und für das gesamte Fränkische Seenland gewesen“.

Dass der ergebnisoffene Planungsprozess nicht erfolgen wird, hält der Politiker für „sehr bedauerlich“, sowohl aus seiner persönlichen Sicht als auch in seiner Eigenschaft als Landrat von Weißenburg-Gunzenhausen, Vorsitzender des Zweckverbands Brombachsee sowie des Tourismusverbands Fränkisches Seenland.

Wie es mit dem Muna-Wald weitergeht, darüber habe nun die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) als Eigentümerin des Areals zu befinden. „Der Ball liegt bei der BImA“, meinte Westphal noch am Sonntagabend, direkt nach Bekanntgabe des Ergebnisses. Sie müsse entscheiden, ob es ein neues Vergabeverfahren geben wird. Das Gelände bleibe weiterhin eingezäunt.

IHK spricht von Rückschlag

Simon Amesöder, Vorsitzender des IHK-Gremiums Weißenburg-Gunzenhausen, hadert ebenfalls mit dem Ausgang des Entscheids. Mit dem knappen Ergebnis gegen den Ferienpark bleibt, kommentiert Dr. Simon Amesöder den Ausgang des Bürgerentscheids. Damit bleibe „im Fränkische Seenland erneut ein Chance – vielleicht die letzte – zu einer strategischen Weiterentwicklung des Tourismus und der gesamten Region ungenutzt“.

Insbesondere die ökologisch-nachhaltige und ganzjährige Ausrichtung des Center Parcs „hätte als Ausgleich zum bestehenden Tagestourismus und als sichtbares Leitprojekt mehr als gut getan“, ist der Vorsitzender des IHK-Gremium Weißenburg-Gunzenhausen nach wie vor überzeugt.

Mit der Vorzeigeregion wird es nun nichts

Der Park werde jetzt, so Amesöder, an anderer Stelle realisiert, und die hiesige Region müsse sich dann „wieder einmal vorführen lassen, dass es doch möglich ist, Urlaubsvergnügen und Umweltverträglichkeit zu vereinen“. Leider bleibe es dem Fränkischen Seenland nun verwehrt, eine Vorzeigeregion in dieser Richtung zu werden.

Enttäuscht zeigte sich auch Oliver Röhrl, Leiter des Strandhotel Seehof in Langlau. Es sei schade, dass die Gemeinde Pfofeld nicht die Chance genutzt habe, zuerst ins Verfahren zu gehen und erst wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen, den Weg des Bürgerentscheids zu suchen. Nun aber „müssen wir das Ergebnis respektieren, das haben wir immer gesagt“. Röhrl befürchtet, dass im Seenland nun weiterhin der Schwerpunkt auf dem Tagestourismus liege. Auch an der Verkehrssituation werde sich jetzt nichts ändern, eine Umgehungsstraße werde wohl nicht gebaut.


So sollte das Dorf am Brombachsee aussehen


Nun bleibe abzuwarten, welche konkreten Vorschläge die Bürgerinitiative „Seenland in Bürgerhand“, die Gegner des Vorhabens, über die Zukunft des Muna-Geländes unterbreiten.
Eine Idee hat Werner Falk, FDP-Kreisrat aus Gunzenhausen. Das Gelände könne teilweise als „Wald-Feriensiedlung“ genutzt werden, wie es eine am Schwielowsee bei Potsdam gibt. Aber auch dafür sei ein privater Investor notwendig.

Eine unabdingbare Voraussetzung sei allerdings, dass die BImA die militärischen Altlasten restlos beseitige. Falk verhehlt dabei nicht, dass sich die Kreistagsfraktion der Liberalen am Sonntag „ein anderes Votum gewünscht hätte“. Selbstverständlich aber akzeptiere die FDP die Entscheidung der Pfofelder Bürger.

Eine ungünstige Prognose

Hans-Dieter Niederprüm, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fränkisches Seenland, zeigte sich vom Ausgang des Bürgerentscheids „sehr überrascht“. Aus touristischer Sicht bedauere er das Abstimmungsergebnis. Die Chancen seien nicht erkannt worden. Niederprüm befürchtet, dass es jetzt schwerer werde, sich im deutschlandweiten Wettbewerb zu behaupten. Und Investoren werden in Zukunft „vielleicht einen großen Bogen um das Fränkische Seenland machen“.

Dieser Meinung ist auch Nicole Maaß, Sprecherin der Interessensgemeinschaft „Bürger Pro Center Parcs“. „Wenn ich ein Investor wäre, würde ich nicht mehr herkommen wollen.“ Sie sieht nun die BI „auf jeden Fall“ in der Bringschuld. Die Gegner des Projekts stünden nun in der Verantwortung, eine Alternative aufzuzeigen oder sich zumindest zu beteiligen. „Sie dürfen sich jetzt nicht zurückziehen, nur, weil sie ihr Ziel erreicht haben.“

Maaß und ihre Mitstreiter wären bereit, sich bei dem Prozess zu beteiligen: „Es geht ja nicht um uns persönlich, sondern darum, das Beste für die Region zu erzielen.“ Die Interessengemeinschaft werde laut der Thannhäuserin weiter bestehen, auch wenn vermutlich mit einer geringeren Personenzahl.

Auch wenn die Befürworter „nach wie vor wahnsinnig enttäuscht“ sind, wollen sie nach vorne blicken und schauen, wie das Fränkische Seenland künftig attraktiver werden kann. Das wird auf absehbare Zeit ohne Center Parcs geschehen. Man hätte das Projekt Brombachsee gerne umgesetzt, heißt es in einer schriftlichen Reaktion auf das Ergebnis des Bürgerentscheids. Die Erhaltung der natürlichen Umgebung habe immer höchste Priorität für das Unternehmen, weshalb „wir der ideale Partner für eine zukunftsorientierte Zusammenarbeit mit der Region gewesen wären“.

Die Absage steht allerdings im Widerspruch zu Äußerungen von Spitzenvertreter des Konzerns gegenüber dem Weißenburger Tagblatt kurz zuvor. Da hieß, man wolle sich „Türen offenhalten“ und das Projekt eventuell in einem Jahr noch einmal vorlegen.

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