Reiche Ernte

Der Garten im August: Richtig gießen und Wasser sparen

Gerhard Durst

5.8.2022, 11:00 Uhr
Hilfe bei Hitze: Quellsteine im Garten versorgen Vögel und Insekten mit lebensrettendem Wasser.

© Gerhard Durst, NN Hilfe bei Hitze: Quellsteine im Garten versorgen Vögel und Insekten mit lebensrettendem Wasser.

Wer vor Jahrzehnten für Obst- und andere Schattenbäume gesorgt hat, hat bei Hitze sicher einen Vorteil. Allerdings müssen auch die Bäume reichlich bewässert werden.

Sprühnebel ist ein Fehler

Leider werden in vielen Gärten immer noch traditionsgemäß jeden Abend die Pflanzen mit Sprühnebel aus dem Gartenschlauch überzogen oder mit dem Sprüher der Gießkanne. "Ein Fehler ist, dass zwar häufig, aber nur in geringen Mengen bewässert wird", erläuterte Kreisfachberaterin Carola Simm jüngst bei der regelmäßigen Monats-Führung im Kreislehrgarten in Weißenburg (Bergerstraße 2-4, immer um 18 Uhr am letzten Mittwoch im Monat).

Was im Gewächshaus bei Tomaten und Gurken richtig ist – und Leonie und Emely hier zeigen –, gilt für alle Pflanzen: Effizientes Gießen erfordert bis zu zwei Gießkannen pro Quadratmeter; an die Wurzeln – und nicht über die Pflanzen gesprüht.

Was im Gewächshaus bei Tomaten und Gurken richtig ist – und Leonie und Emely hier zeigen –, gilt für alle Pflanzen: Effizientes Gießen erfordert bis zu zwei Gießkannen pro Quadratmeter; an die Wurzeln – und nicht über die Pflanzen gesprüht. © Gerhard Durst, NN

Dabei werde lediglich die Bodenoberfläche befeuchtet, und das Wasser dringt nicht tiefer in den Boden ein. "Daher geht ein großer Teil des Wassers durch Verdunstung verloren", sagt Simm. "Zusätzlich wird das Wurzelwachstum der Pflanzen zur Oberfläche gelenkt, anstatt in tiefere Bodenschichten, und so können Pflanzen Trockenzeiten schlechter überstehen."

Empfehlenswert sei es, in den frühen Morgenstunden möglichst bodennah zu wässern, damit das Wasser direkt zu den Wurzeln kommt. Das Gärtner-Motto lautet also: "Morgenstund’ hat Gold im Mund". Da der Boden immer nur eine gewisse Menge Wasser pro Zeiteinheit aufnehmen kann und der Rest einfach oberflächlich abfließt, sollte nicht mit zu viel Druck gegossen werden.

Durchdringend wässern

Es empfiehlt sich, lieber seltener, aber dafür durchdringend zu wässern. "Als Faustregel gilt, dass ein Liter Wasser pro Quadratmeter einen Zentimeter tief in den Boden eindringt", rechnet die Fachfrau vor: "Um sicherzugehen, dass die Wurzeln in 10 bis 20 Zentimetern Bodentiefe mit Wasser versorgt werden, sollten pro Gießvorgang 10 bis 20 Liter pro Quadratmeter gegossen werden."

Reiche Ernte: Brombeersträucher tragen heuer gut – und pflücken kann man die leuchtend schwarzen Beeren oft noch bis in den Oktober hinein.

Reiche Ernte: Brombeersträucher tragen heuer gut – und pflücken kann man die leuchtend schwarzen Beeren oft noch bis in den Oktober hinein. © Gerhard Durst, NN

Die kleinen Nachwuchsgärtnerinnen Leonie und Emely haben es ausprobiert und festgestellt, dass ein bis zwei Gießkannen ganz schön viel Wasser für diese relativ kleine Fläche sind. Je nach Witterung reicht es allerdings bei dieser Methode, alle zwei bis vier Tage zu gießen.

Unter der Webadresse www.vielfaltsmacher.de des Landesverbandes für Gartenbau heißt es zudem, dass Topfpflanzen schneller austrocknen und deshalb im Sommer – je nach Pflanzenart und Witterung – meist jeden Tag ihre Wasserration brauchen. Abends zu gießen, fänden vor allem die bei Gärtnern wenig beliebten Schnecken toll, und es begünstige zudem Pilzkrankheiten.

Humusgehalt ist wichtig

Für den Wasserhaushalt im Boden spielt auch der Humusgehalt eine wichtige Rolle. Mit dem Gehalt an organischer Substanz steigt die Fähigkeit des Bodens, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Es empfiehlt sich daher, den Humusgehalt des Bodens durch die Zufuhr von Kompost und Gründüngung zu fördern.

Auch durch die Bodenbearbeitung kann Einfluss auf die Wasseraufnahme- und Speicherfähigkeit genommen werden. Eine wirkungsvolle Maßnahme, um die Verdunstung des Wassers aus dem Boden zu verringern, ist das Mulchen. Durch das Mulchen mit Rasenschnitt, Laub oder Ernterückständen bleibt die Bodenfeuchtigkeit länger erhalten, und der Boden heizt sich nicht so stark auf.

Kapillaren unterbrechen

Auch durch oberflächliches Hacken werden die Verdunstungsverluste verringert. Böden bilden mit der Zeit oberflächliche Verkrustungen und feine Risse. Durch diese Kapillaren steigt das Bodenwasser bis zur Oberfläche auf, wo es schließlich durch Verdunstung für den Boden und die Pflanzen verloren geht. An heißen Tagen kann der Wasserverlust bis zu sechs Liter pro Quadratmeter betragen. Durch Hacken werden diese Kapillaren unterbrochen – und damit Verdunstungsverluste verringert.

Wer will, dass Rosen weiter blühen, muss die Blüten jetzt rasch abschneiden – und wird dafür mit Neutrieben belohnt. Beim verblühten Lavendel empfiehlt der Praktische Gartenratgeber den Mitgliedern in den Gartenbauvereinen – soweit im Juli übersehen – noch Anfang August einen Rückschnitt, um zur Bildung neuer Triebe und damit auch zu mehr Blüten anzuregen. Außerdem fördere dies die Lebenserwartung und begrenze die Vergreisung.

Im Gemüsegarten können noch Salate aller Art gepflanzt werden: Endivien, Zuckerhut, Radicchio sowie China- und Senfkohl wird empfohlen. Spinat und Feldsalat können ebenfalls jetzt gesät oder gepflanzt werden.

Reichhaltige Brombeerernte

Kräuter können getrocknet werden, wir ernten weiter Gurken und gesunde Zucchini. Neben den Himbeeren können wir uns heuer über eine reichhaltige Brombeerernte freuen. Allerdings reifen die Früchte nicht gleichzeitig, sondern nach und nach bis in den Oktober hinein. Erst wenn die Beeren dick sind und schwarz glänzen, sind sie süß und können verarbeitet werden. Also laufend kontrollieren und nur reife Früchte ernten. Wer sie einfriert, kann sie ganzjährig verarbeiten.

Im Obstgarten sind wurmige und faulige Früchte aufzusammeln und über die Braune Tonne zu entsorgen. Einige Sommeräpfel können demnächst schon gekostet werden. "Starkwachsende Apfelbäume können durch einen Sommerschnitt im Wachstum beruhigt werden", empfiehlt der Praktische Gartenratgeber ebenso wie einen Belichtungsschnitt zwei bis drei Wochen vor der Ernte bei Äpfeln.

Während wir die Vögel und Insekten am Morgen, mittags und abends am Quellschein beobachten, können wir vielleicht auch schon an das kommende Frühjahr denken und eine Vorauswahl an Zwiebelblumen wie Tulpen, Narzissen oder Krokusse treffen. Wichtig ist im Sommer, dafür zu sorgen, dass immer frisches Wasser in der Vogel- und Insektentränke ist. Sie brauchen das lebensspendende Nass derzeit genauso dringend wie unsere Pflanzen.