Mittwoch, 21.04.2021

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Ehemalige Puppenspielerin Heli Keilholz verwirklicht sich nun in Gunzenhausen

Die Künstlerin nutzt die Altmühlwiesen als ihr Atelier - 07.11.2020 17:38 Uhr

Die Natur zu ihrem Atelier erkoren hat sich die Künstlerin Heli Keilholz, die seit einem halben Jahr in Gunzenhausen lebt.

06.11.2020 © Foto: Marianne Natalis


Es ist die Künstlerin Heli Keilholz, die mangels geeigneter Räume kurzerhand die Altmühl-Wiesen zu ihrem Atelier erkoren hat. "Wir müssen neue Wege finden, um unser Glück zu gestalten", ist die 74-Jährige mit Blick auf diese ungewöhnlichen Corona-Zeiten überzeugt und findet das Ihre unter anderem beim Gestalten in der Natur. Auf die Wiese neben dem Reitsteg hat sie sich einen kleinen Tisch gestellt und bringt dort mit einem Stechbeitel und einem Holzschlegel ein Stück Pappelholz in Form.

Vor rund einem halben Jahr ist Heli Keilholz nach Gunzenhausen gezogen – mitten im ersten Corona-Lockdown, "das war hart". Ihr Name hat in der Region einen guten Klang, hat die gelernte Kindergärtnerin doch zusammen mit ihrem Mann Günter ein Vierteljahrhundert lang die "Puppenspielerei" in Wassertrüdingen betrieben.

Das Puppentheater, für das sie ihren Beruf aufgab, führte die junge Frau damals "weg vom bürgerlichen Leben". Dem Ehepaar Keilholz gab die kleine Bühne "finanzielle und gesellschaftliche Freiheit", erzählt sie mir auf Nachfragen. Unkonventionell ist Heli Keilholz bis heute geblieben. Doch nachdem das Ehepaar vor gut zehn Jahren sein Lebenswerk "Puppenspielerei" in jüngere Hände übergab und mit dem Tod ihres Mannes im Jahr 2014 bot ihr das große Haus in Altentrüdingen "keine Zukunft mehr".

Unterrichtet "plastisches Gestalten" an der vhs

In Gunzenhausen fand sie nicht nur eine altersgerechte Infrastruktur und einen ebensolchen Wohnraum, nicht zuletzt dank ihrer vhs-Kurse hat sie hier auch freundschaftliche Kontakte geknüpft. Seit fünf Jahren unterrichtet sie an der Volkshochschule "plastisches Gestalten", auch die Malkurse des Dittenheimer Künstlers Ulrich Winter hat sie übernommen.

Ihre Arbeit an dem Stück Pappelholz ist eine Vorbereitung für ihren Gestaltungskurs. Ganz frisch geschlagen ist der Baum, das sieht man dem grobfaserigen Holz an. Der Mann einer Teilnehmerin hat Scheiben für den Kurs gefertigt, die Kursteilnehmer sollen daraus – wenn es wieder möglich ist – ein Relief modellieren.

Doch zunächst will Heli Keilholz ausprobieren, wie sich dieses Holz bearbeiten lässt, was damit möglich ist. Denn Pappel ist "kein ideales Schnitzholz", erfahre ich, aber es lässt sich formen, wenn man nicht "gegen das Holz arbeitet".

Keilholz ist klassische Autodidaktin

Die 74-Jährige ist eine klassische Autodidaktin. Sie hat keine Kurse besucht, sondern über das Theater zur Kunst gefunden. 25 Jahre lang hat sie mit ihrem Mann die Figuren für die Wassertrüdinger Puppenbühne gefertigt, das Gestalten "liegt in meiner Biografie".

Und sie ist eine Frau, die sich zu helfen weiß. Für das Bearbeiten der Pappelholzscheiben ist keine Werkbank notwendig, ein einfacher Tisch reicht vollkommen aus. Zwischen Tischplatte und Holz muss man nur eine Schnittmatte legen, das Arbeitsstück einfach mit ein paar Schraubzwingen befestigen, "und schon können wir loslegen", freut sie sich über das gelungene Provisorium, das gute Dienste leistet.

Während sich Heli Keilholz wieder in ihre Arbeit vertieft, gehe ich – beschwingt von dieser unerwarteten Begegnung – weiter, das leise Hämmern ihres Holzschlegels begleitet mich noch eine ganze Weile.

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