Samstag, 14.12.2019

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Ein Nahwärmenetz für Markt Berolzheim?

Örtliche Initiatoren organisierten einen ersten Informationsabend - 12.10.2019 12:09 Uhr

Richard Bloß, Michael Schweinzer, Wolfgang Prosiegel, Harald Schmidt, Karl Endt und Thomas Haußner (von links) haben sich zum Ziel gesetzt, in Markt Berolzheim ein Nahwärmenetz zu etablieren. Erste Informationen zur Umsetzung hatte Referent Philipp Unöder von der Hilpoltsteiner Firma „ENERPIPE“ im Schützenhaus parat. © Uli Gruber


Erstaunlich viele Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, um sich unverbindlich dem gleichermaßen aktuellen wie umfangreichen Komplex Nahwärme "anzunähern". Darüber hinaus sorgte die Auftaktveranstaltung für Transparenz.

Nicht jeder potenzielle Teilnehmer wusste im Vorfeld, welche Personen sich des für die Kommune mitunter richtungsweisenden Projekts angenommen hatten: Richard Bloß, Wolfgang Prosiegel, Harald Schmidt, Michael Schweinzer, Thomas Haußner und Karl Endt erachten es als ökologisch sinnvoll, "in B-Heim ein adäquates, effizientes und kostengünstiges Wärmemedium zu etablieren", wie sie erklären. Zudem würde dies einen kleinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel darstellen. Mehrere Nachbargemeinden seien bereits auf diesen Zug aufgesprungen.

Nach wie vor herrscht vielerorts Unklarheit zur Intention, Wirkungsweise und Technik des Nahwärmekonzepts. Aufklärung stand deshalb auf der Agenda des Info-Abends. Referent Unöder ging akribisch an die Sache heran. Er stellte sich und seinen Arbeitgeber vor, verwies auf die langjährige Erfahrung und auf das entsprechende Know-how der expandierenden Hilpoltsteiner Firma. Diese würde die Umsetzung planen und vom ersten Tag an fachkundig begleiten.

Unöders Argumentation wusste im Gesamtpaket zu überzeugen. Objektiv, sachlich und jederzeit nachvollziehbar präsentierte er eine Vielzahl an Gründen, welche für diese Form der Energieversorgung sprechen. Fragen aus der Versammlung heraus, durchaus auch kritisch, wurden nach derzeitigem Kenntnisstand beantwortet.

Zu etwaigen Kosten und Standortdetails äußerte sich der Redner bewusst nicht. Erst nach einer zwingend erforderlichen Datenerhebung mit anschließender Bewertung sei dies möglich: "Konkrete Zahlen können wegen unterschiedlicher lokaler Gegebenheiten erst bei der nächsten Zusammenkunft genannt werden." Grundsätzlich handelt es sich bei der Nahwärme um thermische Energie, die ausgehend von einer zentralen Heizungsanlage an mehrere Abnehmer einer Stadt, Siedlung oder eben auch eines Dorfes verteilt werde. In ländlichen Regionen biete sich laut Unöder eine Holzheizung an. Diese laufe vollautomatisch mit zerhackten Holzresten aus Wald und Landschaftspflege. Der Brennstoff sei regenerativ, in heimischen Gefilden erhältlich und zudem preisstabiler als Gas oder Öl.

Auch die Politik setze inzwischen auf Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energien. Wie der Fachmann erklärt, stellt die Bundesregierung Fördermittel mit einem Volumen von 500 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Des Weiteren werde beabsichtigt, ab 2026 keine neuen Ölheizungen mehr zuzulassen.

Bürgermeister Fritz Hörner kam ebenfalls zu Wort. Er steht der Erschließung eines Nahwärmenetzes nur eingeschränkt positiv gegenüber: "Nahwärme muss in das Konzept der Gemeinde passen!" Um in Markt Berolzheim möglichst optimale Voraussetzungen in puncto Energieversorgung zu schaffen, gebe es Alternativen. Der Rathauschef befürchtet wegen der zu verlegenden Leitungen eine weitere Erwärmung des Trinkwassers. Diese Annahme entkräftete Unöder jedoch und erläuterte: "Werden die Mindestabstände eingehalten, gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme!"

Hörners Skepsis ging aber noch weiter. Im verhältnismäßig dicht bebauten "MB" solle eine überdimensionierte Bündelung an Versorgungsleitungen in den Straßen vermieden werden. Bedenken äußerte er ferner im Zusammenhang mit eventuell begrenzten Hackschnitzel-Ressourcen im Gemeindebereich. Derzeit sehe es mit dem Bestand noch gut aus. Dies müsse jedoch nicht über Jahrzehnte hinweg gewährleistet sein. Ein Hinzukauf an Brennmaterial, möglicherweise aus anderen Ländern, könnte die Wirtschaftlichkeit langfristig gefährden. "Mir geht es um Nachhaltigkeit und Regionalität", so die klare Meinung des Bürgermeisters.

ULI GRUBER

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