Küken besendert

Ein schlechtes Jahr für den Großen Brachvogel

27.10.2021, 17:08 Uhr
Die besenderten Brachvogelküken sollen Aufschluss darüber geben, wo genau sie sich bewegen und wie man sie vor Gefahren schützen kann.

Die besenderten Brachvogelküken sollen Aufschluss darüber geben, wo genau sie sich bewegen und wie man sie vor Gefahren schützen kann.

In einem seit 2017 laufenden Satellitentelemetrie-Projekt für den Großen Brachvogel konnte der Naturschutzverband LBV dieses Jahr gleich elf Vögel mit GPS-Sendern ausstatten. Acht der elf Vögel sind erfolgreich an den Küsten Frankreichs, Spaniens und Portugals angekommen. Auch in den bayerischen Brutgebieten erforscht der LBV mittels Radiotelemetrie das Leben der Brachvogelküken.

"Mit dieser bewährten Technik können wir während der Wiesenbrütersaison und auch langfristig konkrete, zielgerichtete Schutzmaßnahmen vor Ort anstoßen und umsetzen", berichtet Verena Rupprecht, LBV-Projektleiterin Brachvogeltelemetrie.

Die Aktivitäten der mit Satellitensendern ausgestatteten bayerischen Brachvögel in ihren Überwinterungsgebieten kann aktuell jeder und jede live im Internet mitverfolgen unter www.lbv.de/telemetrie-brachvogel.

Hauptursache ist der Verlust des Lebensraums

In vielen bayerischen Wiesenbrütergebieten setzen sich Artenschützer dafür ein, den Bruterfolg der Brachvögel zu erhöhen und so die Bestände wieder auf ein stabiles Niveau zu heben. Dennoch schaffen es die meisten Brachvogelpaare nicht, erfolgreich ihre Küken großzuziehen. "Hauptursache für die bedrohliche Lage des Großen Brachvogels ist der Verlust seines Lebensraums, der mit dem Mangel an Nahrung und Wasser sowie ungünstigen Flächenstrukturen, wie zu dichten Wiesen sowie häufiger und flächendeckender Mahd, zusammenhängt. Aber auch Störungen durch Freizeitaktivitäten der Menschen und der enorme Druck durch Fressfeinde, wie dem Fuchs, lassen die Bestände zurückgehen", erklärt Verena Rupprecht.

Die zahlreichen Gefährdungen, denen die Küken fünf Wochen lang vom Schlupf bis zum Flüggewerden ausgesetzt sind, will der bayerische Naturschutzverband genauer untersuchen. In Zusammenarbeit mit Behörden, Ehrenamtlichen und Gebietsbetreuern hat der LBV in diesem Jahr über 80 Küken in den bayerischen Wiesenbrütergebieten Altmühltal, Königsauer Moos und Donaumoos mit Radiosendern ausgestattet. Mit Antennen und sehr kleinen, leichten Sendern kann das Bewegungsmuster der Vögel genau erfasst werden.

Die Daten haben gezeigt, dass viele Küken schon die ersten Lebenswochen nicht überstehen und viele Gefahren drohen. Die genaue Positionsbestimmung der Küken ermöglichte es den Tierschützern mehrfach, sie in letzter Sekunde vor der Mahd aus den Wiesen zu retten. Auch konnten dank der Daten zahlreiche Mahdtermine in guter Kooperation mit Landwirten und Landwirtinnen sowie den zuständigen Behörden frühzeitig verschoben werden.

Frühjahr war zu kalt und nass

Dennoch kann der LBV heuer keine positive Bilanz bei den Wiesenbrütern ziehen. "Das nasse und kalte Frühjahr führte zur Aufgabe einiger Nester und wirkte sich negativ auf die Nahrungssituation aus. Auch bei den jungen Küken im Daunengefieder gab es zahlreiche Verluste", berichtet die LBV-Biologin. Zusammen mit dem hohen Druck durch Fressfeinde und zahlreiche Störungen durch Freizeitaktivitäten führte dies bayernweit zu einem relativ schlechten Jahr für die Wiesenbrüter.

Expertin für Wiesenbrüter: Verena Auernhammer.

Expertin für Wiesenbrüter: Verena Auernhammer. © Isabel-Marie Köppel, NN

Nächstes Jahr erwartet der LBV die Rückkehr der im Jahr 2020 GPS-besenderten Jungvögel, die sich aktuell noch in ihren Überwinterungsgebieten aufhalten. "Das wird eine sehr spannende Phase in unserem Projekt", freut sich Verena Rupprecht. "Kehren die Vögel zu uns nach Bayern zurück? Und nach welchen Kriterien wählen sie ihr Revier für die nächste Brutsaison aus?"

Es ist bekannt, dass Brachvögel für viele Jahre sehr reviertreu sind, sobald sie einmal ein Brutgebiet bezogen haben. Das vom LBV und dem Landesamt für Umwelt (LfU) konzipierte Satellitentelemetrie-Projekt kann somit für die optimale Gestaltung der Lebensräume neue Erkenntnisse liefern. Das Projekt wird durch den Bayerischen Naturschutzfonds gefördert.

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