Stadträte besichtigen Tagesstätte

Eine Anlaufstelle für psychisch Kranke in Gunzenhausen

11.7.2021, 16:34 Uhr
Leiterin Susanne Wüst (rechts) führte die Mitglieder des Ausschusses für Bildung und Soziales durch die Einrichtung und stellte dabei zusammen mit Peter Zippel (Zweiter von links), der die Tagesstätte seit eineinhalb Jahren besucht, die Arbeitstherapie vor.

Leiterin Susanne Wüst (rechts) führte die Mitglieder des Ausschusses für Bildung und Soziales durch die Einrichtung und stellte dabei zusammen mit Peter Zippel (Zweiter von links), der die Tagesstätte seit eineinhalb Jahren besucht, die Arbeitstherapie vor. © Marianne Natalis, NN

Eine Anlaufstellte für Menschen mit seelischer Erkrankung und Suchtmittelabhängigkeit, das ist die Gunzenhäuser Tagesstätte für seelische Gesundheit. Den Betroffenen Halt und ihrem Tag eine Struktur zu geben, ist das erklärte Ziel.

Einladend wohnlich sind die Aufenthaltsräume in der Tagesstätte für seelische Gesundheit gestaltet, davon konnten sich die Ausschussmitglieder, wie hier Christoph Mötsch (links) und Paul Pfeifer mit Leiterin Susanne Wüst, überzeugen.

Einladend wohnlich sind die Aufenthaltsräume in der Tagesstätte für seelische Gesundheit gestaltet, davon konnten sich die Ausschussmitglieder, wie hier Christoph Mötsch (links) und Paul Pfeifer mit Leiterin Susanne Wüst, überzeugen. © Marianne Natalis, NN

Wie den Menschen in der Einrichtung An der Stemme genau geholfen wird, das erfuhren nun die Mitglieder des Stadtratsausschusses für Bildung und Soziales direkt am Ort des Geschehens: Die jüngste Sitzung des Gremiums ging in der Tagesstätte über die Bühne. Dort stellte Leiterin Susanne Wüst ihre Arbeit und die Räumlichkeiten vor.

Soziale Teilhabe ermöglichen

2019 wurde die Tagesstätte in den ehemaligen Räumen von "Küche aktiv" eröffnet. Als eine von wenigen Einrichtung ist sie gleichermaßen eine Anlaufstelle für Menschen mit seelischen wie auch mit Suchtmittel-Erkrankungen. Das Angebot richtet sich an Betroffene, die einen Klinikaufenthalt hinter sich haben, bei denen eine Reha-Maßnahme nicht mehr angezeigt ist, die wegen ihrer Erkrankung nicht mehr berufstätig sein können oder deren Erkrankung chronisch ist.

Ziel sei es, erläutert Susanne Wüst, den Gesundheitszustand zu stabilisieren, den Menschen die soziale Teilhabe zu ermöglichen und die Angehörigen zu entlasten. Wichtigster Ansatz ist dabei, dem Alltag der Betroffenen eine Struktur zu verleihen. Deshalb kann auch nicht einfach jeder kommen und gehen. Es gibt eine bestimmte Anzahl an Plätzen, die fest vergeben werden. Und zwar an Menschen, die einen entsprechenden Nachweis vorlegen können. Das kann etwa ein entsprechender Arztbericht aus der Psychiatrie sein.

Bernd Bretschneider, im AWO-Kreisverband Vorstandsreferent für Psychiatrie und Pflege, beantwortete die Fragen der Stadträte und Rathausmitarbeiter.

Bernd Bretschneider, im AWO-Kreisverband Vorstandsreferent für Psychiatrie und Pflege, beantwortete die Fragen der Stadträte und Rathausmitarbeiter. © Marianne Natalis, NN

Die Tagesstätte, deren Träger der AWO-Kreisverband Mittelfranken Süd ist, verfügt über 20 Plätze, von denen derzeit zehn belegt sind. Die "Besucher", wie sie Susanne Wüst nennt", sind im durchschnitt 54 Jahre alt und derzeit mehr Männer als Frauen.

Verbindlichkeit gibt Sicherheit

Wer einen festen Platz in der Einrichtung hat, kann selbst entscheiden, wie viele Tage pro Woche er kommen möchte. Allerdings müssen sich die Besucher dabei auf bestimmte Tage festlegen - denn Verbindlichkeit gibt Sicherheit. Mindestens drei Tage sollten es schon sein, fünf wären nach Ansicht der Sozial-Pädagogin besser, denn es geht bei allem ja darum, den Betroffenen Halt zu geben.

Die bieten ihnen unter anderem die Arbeits- und Beschäftigungsangebote, die jeden Vormittag auf dem Programm stehen. Das kann Peter Zippel nur bestätigen. Der 64-Jährige aus Absberg besucht die Einrichtung seit eineinhalb Jahren, vorher war er in einer AWO-Tagesstätte in Weißenburg untergebracht. Seit einem schweren Verkehrsunfall im Jahr 1978 schwerbehindert, findet Zippel in der Gunzenhäuser Einrichtung einen Lebensinhalt. Die Arbeit und der Kontakt zu anderen Menschen macht ihm Spaß, er sei hier "sehr zufrieden".


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Neben der Arbeitstherapie kommt aber auch die Gemeinschaft und das soziale Miteinander nicht zu kurz. Es gibt Raum für Gespräche, Geburtstage werden gefeiert und ganz wichtig ist das gemeinsame Mittagessen, das jeden Tag frisch zubereitet wird. Der anschließende Küchendienst ist obligatorisch. Nachmittags stehen Freizeitaktivitäten auf dem Programm wie etwa gemeinsame Ausflüge, Spaziergänge, Museums- oder Kinobesuche. Geplant ist zudem, montags von 13 bis 16 Uhr einen offenen Treff anzubieten.

Niemand wird zum Arbeiten gezwungen

Die Teilnahme an den Beschäftigungsangeboten ist freiwillig, macht Susanne Wüst klar, niemand wird hier zum Arbeiten gezwungen. Es gibt einen gemütlichen Aufenthaltsraum, einen expliziten Ruheraum und den großzügigen Eingangsbereich, wo gemeinsam gegessen wird und Sessel zum Verweilen einladen. Allerdings versucht Wüst schon, die Besucher zum Mitmachen zu motivieren, denn einfach nur auf dem Sofa herumzusitzen, das gibt dem Tag keinen Sinn. Und genau die sollen die Menschen in der Tagesstätte ja finden.

Beim anschließenden Rundgang - aufgeteilt in zwei Gruppen - gab es noch viele Detailfragen, die Susanne Wüst und Bernd Bretschneider, der Vorstandsreferent für Psychiatrie und Pflege des AWO-Kreisverbands Mittelfranken Süd, ausführlich beantworteten. Der Leiterin der Tagesstätte ist es ein wichtiges Anliegen, die Bekanntheit ihres Angebots zu steigern. Denn die Einweihungsfeier, mit der der Öffentlichkeit die neuen Einrichtung vorgestellt werden sollte, fiel der Corona-Pandemie zum Opfer. Künftig soll es deshalb - wenn möglich - neben dem offenen Treff auch Vorträge und ähnliches geben. Zudem sind ehrenamtliche Mitarbeiter willkommen.

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