Der Traum vom Beet

Eine gebürtige Treuchtlingerin und ihr Geschäft mit dem Gemüse

24.9.2021, 05:50 Uhr
Die in Hagenau aufgewachsene Christina Scheffler inmitten ihrer Anbaufläche. Den sicheren Bürojob hat sie gegen die Selbstständigkeit getauscht und das zu Zeiten der Pandemie. Dieser Mut wurde bislang belohnt.

Die in Hagenau aufgewachsene Christina Scheffler inmitten ihrer Anbaufläche. Den sicheren Bürojob hat sie gegen die Selbstständigkeit getauscht und das zu Zeiten der Pandemie. Dieser Mut wurde bislang belohnt. © Foto: privat

Christina Scheffler ist im idyllischen Hagenau aufgewachsen Lebensmittel, das war für sie etwas, was immer da war. Ihre Eltern hatten in dem kleinen Gemeindeteil eine Ferkelerzeugung und Ackerland. "Wir hatten immer alles vor Ort, es musste nicht erst eingekauft werden", erklärt sie.

Dass das nicht die Realität der breiten Bevölkerung ist, merkte sie, als sie für ihre Ausbildung zur Industriekauffrau an die Stadtgrenze nach Fürth zog. "Ich habe mich gefragt, wo die Leute hier ihre Lebensmittel her beziehen, woher die Sachen kommen, die im Supermarkt liegen." Auch das Verständnis dafür, welche Gemüse- und Obstsorten in der Region saisonal vorkommen – und welche eben nicht – vermisste sie.

Als sie später mit ihrer eigenen Familie nach Hiltmannsdorf (Landkreis Fürth) in ein Haus umzog, begann sie wieder aktiv mit der Selbstversorgung, wie ihre Eltern es ihr beigebracht haben. Auf einer Facebook-Seite informierte sie ihre Bekannten über die Fortschritte ihres Kleingartenprojekts. "Ich habe viel ausprobiert. Natürlich bin ich auch oft auf die Nase gefallen", erzählt sie über den Anbau auch alter und eher unbekannterer Gemüsesorten.

Market Gardening ist Trend

Immer tiefer tauchte sie in das Netzwerk des Market Gardenings ein und vernetzte sich in der Szene mehr und mehr. Market Gardening bedeutet, dass viel Gemüse auf wenig Fläche und über Direktvermarktung auf zum Beispiel Wochenmärkten stattfindet – eben solidarische Landwirtschaft.


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Dabei kommen keine schweren Geräte oder Maschinen zum Einsatz, das Gemüse wird kleingärtnerisch in Handarbeit bestellt. Schefflers Wunsch wurde stärker, sich aus dieser Leidenschaft ein echtes Standbein aufzubauen.

Im vergangenen Jahr kam dann einiges zusammen. Die Pandemie, der große Sohn, der in die Schule kam und Schefflers Gedanken, die immer wieder darum kreisten, sich aus ihrer Leidenschaft heraus etwas Eigenes aufzubauen.

"Ich kündige jetzt!"

Im März 2020 schrieb sie ihrem Mann schließlich eine Nachricht auf dem Handy. "Ich kündige jetzt meinen Job", stand da. Er schrieb "Mach das", zurück. Schon Mitte Mai verkaufte sie ihre ersten Gemüsekisten in Abo-Form, die binnen zwei Stunden ausverkauft waren. "Da waren Salat, Radieschen, Kohlrabi, Stielmus, Feldsalat drin", erzählt sie heute. Das "Kistla", wie sie ihr Projekt genannt hat, hat seitdem Bestand. "Ich hatte Angst, dass im Laufe der Pandemie das Interesse an regionalen Lebensmitteln wieder nachlassen könnte", sagt Scheffler heute.

Doch so war es nicht, ganz im Gegenteil. Ihre Kisten sind für dieses Jahr komplett ausgebucht. Einmal in der Woche kann man sich das zusammengestellte Gemüse bei ihr abholen. "Mir war der persönliche Austausch wichtig."

Gemüse bringt Freundschaften

Außerdem seien mit Lieferungen hohe logistische Aufwände verbunden, so die Mutter zweier Söhne. Viele ihrer Kunden würden ihr freudestrahlend erzählen, was sie aus dem Gemüse gezaubert hätten, ein Rezepte- und Ideentausch findet beim Kiste-Abholen oft statt.

Noch heute fährt sie gerne mit den Kids zu den Großeltern nach Hagenau, die Urgroßmutter wird in Bubenheim besucht. Wer in Treuchtlingen ein ähnliches Projekt starten will, dem empfiehlt Scheffler, sich drüber zu informieren, welche Vertriebsmöglichkeiten es gibt.

Nicht immer muss es das Abo-Modell sein, manchmal passt ein Verkauf auf dem Wochenmarkt besser. "Man denkt immer, auf dem Land bauen doch eh alle selber an", sagt sie. "Aber so ist es nicht. Viele haben Hochbeete, aber viele Menschen eben auch nicht." Deshalb sei es denkbar, dass derartige Gemüseprojekte im Prinzip überall funktionieren könnten. Bereuen tut sie ihren Schritt raus aus dem Angestelltenverhältnis und rein in die Selbstständigkeit nicht, sagt sie. Mittlerweile hat sie fast 1000 Quadratmeter Anbaufläche, über 50 Gemüsesorten und einige Kräuter und liefert so rund 35 Wochen im Jahr frisches Gemüse.

Wer mehr über Christina Scheffler erfahren will, kann am morgigen Samstag, 25. September, um 17.45 Uhr das Bayerische Fernsehen einschalten. In der Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" kommt ihre Geschichte vor.

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