Freitag, 28.02.2020

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Ellinger Karnevalsgesellschaft sorgt für Stimmung

Gala-Auftritt nach zweijähriger Zwangspause wurde von den Gästen stürmisch gefeiert - 10.02.2020 17:57 Uhr

Früh übt sich, wer später mal ein großer Karnevalist werden möchte. Auch die Jüngsten begeisterten mit ihrem Showteil. © Foto: Reinhard Krüger


Es war ihr erster Auftritt nach der zweijährigen Zwangspause wegen der Generalsanierung der Halle. "Das war unser Wohnzimmer, und das ist unser Wohnzimmer", stellte KaGe-Präsident Siggi Stöbich junior in seiner Eröffnungsansprache klar.

Der 34-jährige künftige Grundschullehrer führte gekonnt durch den Abend, begrüßte die Ehrengäste, stellte die Gruppen vor und sorgte für einen reibungslosen Ablauf. Und der hatte es in sich. Geschickt zusammengestellt unter der Federführung von Vorstand Alexander Gun, zeigten die 130 Nachwuchskünstler und ihre bühnenerfahrenen Akteure, was sie seit Mai vergangenen Jahres alles geprobt und einstudiert haben. Hofstaat, Prinzenpaare (Sabine I. und Christian II. bei den Erwachsenen sowie Luisa I. mit ihrem Mattes I. bei den Kindern) und Aktive füllten die Bühne, trugen Gedichte vor und tanzten den Eröffnungswalzer.

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"Öllingen helau" in Gunzenhausen

Nach zwei Jahren "Zwangspause" sind die Ellinger Karnevalisten zurück in der Gunzenhäuser Stadthalle und zeigten ein beeindruckendes Programm. Dabei sparten sie auch nicht mit lokalen Seitenhieben auf die Gastgeber.


Bunt und farbenfroh ging es beim Jugendschautanz "Vaiana" zu. Unter der Regie von Madlen und Corinna Seibold wirbelten, sangen und tanzten Claudia Stretz, Schwimmerin Jessica und Daniela Hussendörfer mit ihren Freundinnen und Freunden über die zusätzlich erweiterte Spielfläche. Der Applaus sei das Brot der Künstler, sagte Ehrenvorsitzender Karl-Georg König, und konnte sich freuen: Frenetisch klatschte das Publikum über die gekonnte Darbietung.

Das setzte sich fort bei der Kindergarde, die bei beliebten Melodien von Altmeister Udo Jürgens tanzte, sprang und grätschte. Die Trainerinnen Andrea Fischer und Theresa Koch hatten die Jüngsten punktgenau vorbereitet. Das zeigten auch gleich die zwei Tanzmariechen Hannah Lutz und Xenia Attmannspacher, die wirbelnd zu "Highway to Hell" über die Bühne fegten und auch mal mit ausgestrecktem Bein die Luftgitarre herausholten. Hier hatten Karina Krach, Verena König und Nicole Angerstein ganze Arbeit im Training und Arrangement bewiesen. Die Prinzengarde, ganz in Blau, zeigte ihre großen Fertigkeiten, vor allem wenn es um den berühmten Spagat ging.

Das Kinderprinzenpaar Luisa I. und Mattes I. sprach ein Gedicht. © Foto: Reinhard Krüger


Als Nachtwächter verkleidet nahm sich Vorstand Alexander Gun das Gunzenhäuser Lokalgeschehen vor. Klares Thema Nummer eins: "die Drecks-Schwamm-Spinner-Raupen" vom Burgstall. Alles kahl gefressen, freie Sicht in der Nacht nach oben zur Milchstraße. "Ich bin mir vorgekommen wie nach einem Agent-Orange-Abwurf in Vietnam", schwadronierte der Karnevalist und erzählte vom Schnecken-Checken im Freibad. Die Schnecken fand er nicht, dafür lauter hässliche Raupen.

Auch wusste er etwas von einem ultra-geheimen Zimmer im Rathaus, wo "selbständiges Denken ausdrücklich erwünscht ist", aber der Saal mit seinen neun Quadratmetern "einfach zu groß ist". Gun teilte gerne aus und empfahl Wirtschaftsjuniorenchef Alexander Herzog, doch mal ein Menü mit einem "knusprig frittierten Schwamm-Spinner-Schenkel samt Buchenblatt" statt Zwei-Sterne-Koch Alexander Herrmann zum Neujahrsempfang einzuladen. Die Blaualgen-Plage am Altmühlsee bekam das Gunzenhäuser Publikum ebenso serviert wie ein dickes Lob für die "pikobello eins a sanierte Stadthalle: "Ihr seid scho a Hund".

"Gunzenhausen first"

Na ja, und zu guter Letzt muss die Grubers Erika auch noch herhalten mit ihrem ewigen Traum frei nach Martin Luther King, Barack Obama und Donald Trump: "I have a dream, that one day the Landesgartenschau will come to Gunzenhausen. Yes wie can – Gunzenhausen first." Wie in Wassertrüdingen, "bloß besser, höher, schöner und weiter".

Zu einem farbenprächtigen Spektakel gestaltete sich der Showbeitrag „König der Löwen“. Er zählte zu den Höhepunkten des Abends. © Foto: Reinhard Krüger


Zu einem weiteren Höhepunkt und echten Hingucker wurde der Schautanz zum Musical "Der König der Löwen". 40 Tänzerinnen und Tänzer boten neben ihrem Können auch einen optischen Genuss. Ständig gingen die Augen der Zuschauer von rechts nach links, dann wieder zur Mitte, als neben den Löwen auch Zebras, Hyänen, Geparden und Giraffen mit unglaublich guten Masken und Kostümen sangen, tanzten und Texte vortrugen. Über Monate hinweg hatten dafür Mandy Kagerer (Kostüme), Siggi Stöbich sen. (Masken) sowie Katharina Schneider und Siggi Stöbich junior (Tanz und Choreographie) ihre Freizeit in den Dienst der guten Sache gestellt.

Vollends schräg wurde es zum Ende hin, als die Elferräte die gute alte Geschichte von "Sissi und Franz" zum Besten gaben. Sie schwurbelten nach Herzenslust über das österreichische Kaiserpaar, das sich in Wahrheit im Öllinger Bräustüberl kennenlernte. Da steppte der Bär, natürlich die Mannsbilder in ihren überspannten Kleidern und Uniformen, entworfen von Claudia Stretz und Margit Wild. Das Publikum lachte sich krumm, der Beifall donnerte, Ziel erreicht. Für die entsprechende Musik sorgte Alexander Gun höchstpersönlich, und Sandra Kersting war mit Mirjam Dörntlein verantwortlich dafür, dass sich Männer wie Damen bewegten.

Frenetischer Applaus belohnte die Akteure des Schautanzes für ihren Einsatz und ihr Können. © Foto: Reinhard Krüger


Gute fünf Stunden dauerte das Spektakel in der Stadthalle. Nach Ellingen, Weißenburg und Pleinfeld war Gunzenhausen die letzte Station der diesjährigen Session.

Gab es etwas zu kritisieren? Einige Besucher vermissten eine faschingsgemäße Dekoration, vor allem im Foyer wäre der eine oder andere Farbtupfer eine Bereicherung gewesen. Zudem erschien die Musik vom Don Horn Orchester unter der Stabführung von Peter Kunzelmann aus Nürnberg etwas zu laut. "Wir konnten uns kaum unterhalten", bedauerte ein langjähriger Besucher. Dafür sprach Jana Bernwald (24) aus Gunzenhausen, die mit einer Freundin den Ball besuchte, dem Veranstalter ein großes Lob aus: "Uns hat es super gefallen", beteuerten sie. Vor allem die Aufführung des Schautanzes vom "König der Löwen" tat es den tanzbegeisterten jungen Damen an. Darauf ein dreifach donnerndes "Helau".

Reinhard Krüger E-Mail

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