Erste Hilfe gegen den Ärztemangel

10.1.2015, 12:00 Uhr
Stolz stellten Dr. Marc Metzmacher (rechts) und Dr. Ute Schaaf (links) „ihre“ ersten Medizinstudenten im Praktischen Jahr vor. Johanna Kurzhagen (Mitte) ist bereits in Gunzenhausen tätig, im März fängt Angelika Patin-Graf in Absberg an. Professor Dr. Thomas Kühlein (Uniklinik Erlangen, 2. von rechts) begleitet das Projekt.

Stolz stellten Dr. Marc Metzmacher (rechts) und Dr. Ute Schaaf (links) „ihre“ ersten Medizinstudenten im Praktischen Jahr vor. Johanna Kurzhagen (Mitte) ist bereits in Gunzenhausen tätig, im März fängt Angelika Patin-Graf in Absberg an. Professor Dr. Thomas Kühlein (Uniklinik Erlangen, 2. von rechts) begleitet das Projekt.

Diese Möglichkeit ist einer von mehreren geplanten Schritten, um den Ärztemangel im Kreisgebiet zu verringern oder ihm vorzubeugen.
Beteiligt sind die Praxen Dr. Schaaf in Absberg, Dr. Metzmacher in Gunzenhausen und Dres. Graf/Weymann in Theilenhofen. Sie wurden zu Akademischen Lehrpraxen der Universität Erlangen-Nürnberg akkreditiert. Die genannten Praxen sehen dies als Chance, bei den angehenden Kollegen Interesse für die Landarztmedizin zu wecken.

„Studenten, die bei mir ein Praktikum während des Studiums absolvierten“, sagt Dr. Ute Schaaf, „äußerten sich immer wieder positiv überrascht über das breite Spektrum in der Praxis, die sehr freundliche und persönliche Aufnahme durch die Patienten und die vielfältigen Möglichkeiten der Region in Hinblick auf Freizeitgestaltung und Kultur.“ Ähnlich äußert sich Dr. Marc Metzmacher: „Wir können nun Studenten frühzeitig die Möglichkeiten der Medizin auf dem Land aufzeigen – Studenten, die bis dahin meist nur Großstadt und Klinik in ihre beruflichen Perspektiven einbezogen haben. Wenn die angehenden Ärzte unseren Landkreis erst mal kennen und die hausärztliche Tätigkeit auf dem Land mit dem abwechslungsreichen Tätigkeitsfeld schätzen lernen, hat die ärztliche Versorgung auf dem Land dauerhaft eine Chance.“

PJ-Studentin Johanna Kurzhagen ist bereits seit Anfang Januar in Gunzenhausen tätig. Sie geht davon aus, in einer Hausarztpraxis auf dem Land einen tieferen Einblick in die Allgemeinmedizin zu bekommen als in der Stadt. Sie erwartet dort ein „breiteres Patientenspektrum und intensivere Patientenbetreuung aufgrund der geringeren Facharztdichte“. Darüber hinaus erhofft sie sich eine „intensivere Betreuung durch den für sie zuständigen, sehr motivierten Allgemeinmediziner. Ohne die bereitgestellte Unterkunft wäre mir diese Chance verwehrt geblieben“

Dies sieht auch die Stadtverwaltung Gunzenhausen so. Bürgermeister Karl-Heinz Fitz hat im Sinne der Stadt für die erste PJ-Studentin im Landkreis und ihre Nachfolger in Gunzenhausen eine Unterkunft zur Verfügung gestellt. Auch bei der Ersteinrichtung leistet die Stadt laut Marc Metzmacher vorbildliche und zukunftsweisende Unterstützung. Für die Studenten, die noch in ihrer Universitätsstadt leben und bereits Miete zahlen, ist eine doppelte Mietzahlung nicht machbar. Wohnraum ist also eine Grundvoraussetzung für die ersten Berührungen mit der ländlichen Allgemeinmedizin.

Tägliche Arbeit am Patienten

Die letzten beiden Semester des Medizinstudiums – genannt „Praktisches Jahr“ – stehen ganz unter der Prämisse, das im Studium erworbene Wissen unter Aufsicht erfahrener Lehrärzte in der täglichen Arbeit am Patienten anzuwenden. Das PJ setzt sich aus drei Fächern zusammen (vier Monate Innere Medizin, vier Monate Chirurgie und vier Monate in einem Wahlfach) und muss an einer Universitätsklinik oder einem anerkannten akademischen Lehrkrankenhaus oder einer akademischen Lehrpraxis abgeleistet werden.

Da die Allgemeinmedizin weder in einer Universitätsklinik noch in einem akademischen Lehrkrankenhaus erlebt und erlernt werden kann, kam die Allgemeinmedizin als PJ-Wahlfach in der Vergangenheit ins Hintertreffen, was inzwischen als ein Faktor für den Mangel an Allgemeinärzten erkannt wurde – frei nach dem Motto: „Was ich nicht kenne, kann ich nur schwer schätzen lernen“. Die Einrichtung von Lehrstühlen in der Allgemeinmedizin in Erlangen hat nun die Möglichkeit geschaffen, ausgewählte Allgemeinpraxen auf dem Land in die praktische Arbeit der universitären Lehre zu integrieren und den Studenten somit ein Wahltertial Allgemeinmedizin zu ermöglichen.

Das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Gesundheitsministerium soll es den Studenten durch spezielle Förderung erleichtern, ihr Praktikum in einer Landpraxis zu absolvieren. Im aktuellen PJ-Jahrgang haben sich an der Uni Erlangen zehn Studentinnen für ein PJ in der Allgemeinmedizin entschieden, fünf davon werden aufs Land gehen. Das Engagement von Schaaf und  Metzmacher ermöglicht es, dass drei davon im Raum Gunzenhausen ausgebildet werden.

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