Jeder kann kommen

FabLab Altmühlfranken: Eine offene und kostenlose Werkstatt in Gunzenhausen

Isabel-Marie Köppel
Isabel-Marie Köppel

Lokalredaktion Gunzenhausen

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19.3.2022, 05:58 Uhr
Schon etwas älter, aber unkaputtbar: Diese Topfschleifmaschine hat die Firma Schaeffler dem FabLab überlassen. Uwe Mann erklärte deren Funktionsweise.

© Isabel-Marie Köppel, NN Schon etwas älter, aber unkaputtbar: Diese Topfschleifmaschine hat die Firma Schaeffler dem FabLab überlassen. Uwe Mann erklärte deren Funktionsweise.

Dabei handelt es sich um eine offene Werkstatt, die von Ehrenamtlichen betreut wird, und wo jeder hin kann, um die Gerätschaften zu nutzen und auszuprobieren. Die Idee ist, sich Spezialmaschinen zu teilen. Denn wer hat schon einen Laser-Cutter zuhause? Er ist auch die mit Abstand teuerste Maschine im neuen FabLab: Digital gesteuert, schneidet und graviert er Holz- sowie Kunststoffplatten.

Verschiedene 3D-Drucker können im FabLab genutzt werden.

Verschiedene 3D-Drucker können im FabLab genutzt werden. © Isabel-Marie Köppel, NN

Fabian Müller, dem Vorsitzenden des zugehörigen Vereins, ist die Freude und Erleichterung angesichts der Eröffnung deutlich anzumerken. "Es ist sehr schön, dass der Tag endlich da ist. Wir hatten viele Verzögerungen", sagt der 27-Jährige und nimmt Bezug auf die Erschwernisse, ausgelöst durch die Corona-Pandemie. Ein Kernteam von etwa 15 Personen hat sich um alles gekümmert, angefangen beim Rohbau. Unter ihnen befinden sich etwa Informatiker, Industriemechaniker oder Ingenieure - vom Rentner bis zum Azubi. Rund 1300 Meter Stromkabel und 200 Meter Netzwerkkabel haben sie verlegt, schätzt Müller. "Aber der Umbau ist noch nicht abgeschlossen. Wie in jeder Werkstatt gibt es immer was zu tun", sagt er schmunzelnd.

Neben einem Holz- und Metallbereich - der dazugehörige Raum ist übrigens mit einer Reinluftabsaugung ausgestattet - gibt es auch eine Textilecke mit drei professionellen Nähmaschinen und einem Schneideplotter, mit dem sich etwa Logos für T-Shirts ausschneiden lassen. Daneben befindet sich die "Elektrobastelecke" mit Messtechnik, Lötkolben, Multimeter und Frequenzzähler. Computer sind natürlich auch vorhanden. Also jede Menge Platz für kreative Köpfe.

"Ein Ort des geführten Selbermachens"

Müller und alle Engagierten verstehen das FabLab als eine Bildungseinrichtung, an der Wissen vermittelt werden soll. "Es ist ein Ort des geführten Selbermachens", erklärt er. Die freiwilligen Helfer seien nicht dazu da, Auftragsarbeit zu erledigen.

Als Dankeschön gab's mit dem Laser-Cutter eigens hergestellte Uhren.

Als Dankeschön gab's mit dem Laser-Cutter eigens hergestellte Uhren. © Isabel-Marie Köppel, NN

Zu finden ist das FabLab in der Industriestraße 21a, also in der Halle, die ursprünglich für Geflüchtete erbaut und von der Firma Hetzner Online gekauft wurde. 400 Geräte stehen nun auf rund 200 Quadratmetern zur Verfügung. Über 90.000 Euro wurden dafür ausgegeben. Die Hälfte davon stammt aus einem EU-Fördertopf, und die Stadt Gunzenhausen schießt für fünf Jahre 5000 Euro jährlich zu.

Außerdem haben sich lokale Firmen wie Hetzner Online, Bosch Industriekessel, Alfmeier, Verpa Folie oder Schaeffler mit Sach- und Geldspenden beteiligt. Langfristig möchte sich das FabLab Altmühlfranken über Firmenspenden und aus seinen Mitgliedsbeiträge finanzieren. Derzeit zählt es rund 60 aktive Mitglieder, die je einen Jahresbeitrag von 60 Euro zahlen. Maßgeblich bei der Vereinsgründung und den Förderanträgen hat Kathrin Kimmich von der Zukunftsinitiative Altmühlfranken geholfen.

Freude über großes Interesse

Gegründet wurde dieser im Januar 2019 und hatte zum Start gleich 50 Mitglieder. Müller und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter betonen immer wieder, wie überrascht sie darüber waren. Auch über das Interesse aus der Bevölkerung freuen sie sich sehr - zumal die offene Werkstatt erst jetzt, über zwei Jahre nach der Gründung, an den Start gehen kann. Bereits drei Jahre zuvor landete die Idee erstmals bei der Stadt, sagt Bürgermeister Karl-Heinz Fitz.

Zur Eröffnung kamen auch Sponsoren: Klaus Beetz (Alfmeier), Wolfgang Pendelin (Bosch Industriekessel), Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Erich Herreiner (Koordinator Förderprogramm), Julia Herzog (Hetzner Online), Fabian Müller vom FabLab (v. li.).

Zur Eröffnung kamen auch Sponsoren: Klaus Beetz (Alfmeier), Wolfgang Pendelin (Bosch Industriekessel), Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Erich Herreiner (Koordinator Förderprogramm), Julia Herzog (Hetzner Online), Fabian Müller vom FabLab (v. li.). © Isabel-Marie Köppel, NN

Etwa 65 FabLabs gibt es in Deutschland, rund 1300 weltweit. Wer hier in der Gegend eines aufsuchen wollte, musste bisher bis nach Rothenburg oder Nürnberg fahren. "Wir haben ein riesen Einzugsgebiet", weiß Müller. Erstmals in Berührung mit einem FabLab kam er in Erlangen, als er studierte. Vor kurzem hat er sein Informatik-Studium abgeschlossen und ist nun in der Software-Branche tätig, aber arbeite "leidenschaftlich gerne mit Holz".

Auch für Schulen geeignet

Es war ein Wunsch der Mitglieder, den Holzbereich gut auszustatten. So finden sich dort neben bereits erwähnten Geräten auch eine Drechselbank und eine Hobelmaschine, die "so fein hobelt, dass man nicht mehr nachschleifen muss", erklärt der gebürtige Streudorfer stolz. Dabei weist er auf die Arbeitssicherheit hin. Alles sei nach den Vorschriften der jeweiligen Berufsgenossenschaften eingerichtet. "Jeder soll hier mit so vielen Fingern raus, wie er rein ist", scherzt er. So könnten auch Schulklassen beruhigt kommen.

Denn im Gunzenhäuser FabLab soll es auch geschlossene Termine geben - eben für Schulklassen, eine Exkursionen von Auszubildenden oder Ferienprogrammen. Wie du Öffnungszeiten für die sogenannten "Open Labs", also die Termine, an denen jeder kommen kann, aussehen werden, ist derzeit noch unklar. Nun müssen zunächst genügend ehrenamtliches Personal geschult und Maschinenanweisungen erstellt werden. "Aber wir hoffen in den nächsten Monaten loslegen zu können", zeigt sich Müller zuversichtlich.

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