Samstag, 18.01.2020

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Faktencheck zur Umgehung Schlungenhof

Heinrich Schmidt, der Leiter des Staatlichen Bauamts Ansbach, räumt mit einigen Mythen auf - 10.01.2020 17:03 Uhr

Der Verkehr der Zukunft: Nach Berechnungen des Staatlichen Bauamts nimmt der Verkehr dank einer Umgehungsstraße in der Ansbacher Straße massiv ab, während er in der Alemannenstraße vergleichsweise moderat stärker wird. © Staatliches Bauamt Ansbach


Zusammen mit seinem Chefplaner Werner Ott hat Schmidt in den Konferenzraum "Spielberg" der Stadthalle geladen und erklärt noch einmal, worauf es ihm und seiner Behörde ankommt: "Wir möchten den Menschen in Gunzenhausen die notwendigen Informationen und Grundlagen für eine wohlüberlegte Entscheidung geben."

Die wichtigsten Fragen – und Heinrichs Schmidt Antworten:

Die Kosten

Immer wieder ist von 44 Millionen Euro die Rede, die die Umgehung angeblich koste. Dabei werden laut Schmidt gerne zwei Projekte in einen Topf geworfen, die man sauber trennen müsse.

Für die Umfahrung Schlungenhof kalkuliert man beim StBA mit etwa 17 Millionen Euro – und zwar egal, ob man die Vorzugsvariante 3.1 oder eine andere der vom Amt als tauglich bewerteten umsetzt. Den größeren Teil der besagten 44 Millionen, nämlich 27, verschlänge die Beseitigung des Bahnübergangs bei Laubenzedel mittels einer Unterführung.

Laut aktueller Rechtslage würden Bund, Bahn und Landkreis diese Summe zu gleichen Teilen übernehmen. Derzeit sei jedoch in Berlin ein Gesetz schon weit gediehen, nach dem künftig der Bund 50 Prozent, die Bahn ein Drittel und das Bundesland den Rest zu zahlen hätten – der Landkreis wäre fein raus.

Allerdings: Finanziell deutlich attraktiver wäre es für die Bahn, die Gleise mit einer Brücke zu queren. Die wird zwar vor Ort von allen Beteiligten aus ästhetischen Gründen abgelehnt, würde nach Schmidts grober Schätzung aber nur etwa 10 Millionen Euro kosten. Für den Fall, eine Umfahrung würde gebaut, wäre also "viel Verhandlungsgeschick notwendig, um der Bahn die Unterführung schmackhaft zu machen", so Schmidt.

Vor- und Nachteile

Heinrich Schmidt ist überzeugt, dass eine Ortsumfahrung "mehr Vorteile als Nachteile hat". Schlungenhof werde "massiv entlastet", 80 Prozent des Pkw- und "fast der gesamte Schwerverkehr werden verlagert".

Die Befürchtung, die Laubenzedler würden im Gegenzug deutlich mehr belastet werden, sieht er nicht, im Gegenteil: Durch Lärmschutzmaßnahmen würden sie vom Bahnlärm entlastet, an keinem Wohnhaus werde der gesetzliche Lärmvorsorgewert überschritten.

Die Kernstadt

Befürchtungen seiner Kritiker, der Anschluss der B 13 an die B 466 am "Kino-Kreisel" würde mehr Verkehr in die Kernstadt spülen, weist Schmidt zurück. Diese Sorgen seien nachvollziehbar, aber nach Auskunft von Fach-Planern unbegründet: "Wir können da Sorgen entkräften."

Aufwändige Berechnungen hätten zwar eine leichte Zunahme des Verkehrs in der Alemannenstraße/In der Stritt sowie in der äußeren Nürnberger Straße ergeben. In der Ansbacher, Bahnhof- und Bühringerstraße bis hinaus in die Weißenburger Straße werde der Verkehr jedoch abnehmen (siehe Grafik).

Entwicklung Schlungenhof

Für Schlungenhof böte eine Umfahrung "großes Entwicklungspotenzial", sagt Schmidt – eine Ansicht, die man auch im Gunzenhäuser Rathaus teilt. Man könne dort "städtbaulich ganz neu denken", schwärmt auch StBA-Planer Werner Ott. Die beiden verkehrsreichsten Straßen seien massiv entlastet, die Lebensqualität steige entsprechend, der Ortsteil werde wieder attraktiver.

Dass die Menschen im Nordosten Schlungenhofs (Ringstraße) massiv unter der Umgehungsstraße leiden würden, glaubt Schmidt nicht. "Die Lärmvorsorgewerte von 49 Dezibel in der Nacht werden eingehalten", verspricht er; bisher habe man maximal 47 Dezibel gemessen. Für die Anwohner der bisherigen Bundesstraße liege dieser Wert bei über 70, also im gesundheitsschädlichen Bereich.

Die Trassenführung

Das StBA hat sich auf die sogenannte Variante 3.1 festgelegt, "wobei auch andere Varianten sehr dicht dem favorisierten Trassenvorschlag folgten", wie es in einer aktuellen Mitteilung der Behörde heißt. Das bedeutet: Ein Vorschlag, wie ihn die CSU zuletzt vorgelegt hat (wir berichteten in unserer gestrigen Ausgabe), habe durchaus noch Chancen auf Realisierung.

Deren Idee, die neue B 13-Trasse gleich nach der Bahnbrücke in Muhr am See dicht an die Gleise heranzuführen, trifft beim StBA sogar auf großes Wohlwollen. Allein wegen des zu erwartenden Widerstands aus Laubenzedel habe man von dieser Version die Finger gelassen. Und das, obwohl sie laut Schmidt für den Ortsteil sogar ein "deutlicher Gewinn" wäre, weil dann der Lärmschutzwall erheblich länger ausfiele, der Laubenzedel (auch) vor Zuglärm bewahrt. Auch die zweite CSU-Idee, die Trasse noch ein Stück länger an den Gleisen entlang zu führen und dann in einem Kreisverkehr zwischen Kino und McDonald’s auf die B 466 treffen zu lassen, sei "diskussionsfähig". Allerdings schaffe man so auf der B 466 einen weiteren Knotenpunkt, und man müsse zusätzliche Überlegungen anstellen, wie man die Masse des Verkehrs von dort aus wieder in Richtung der Gunzenhäuser Westumgehung bekomme.

Flächenverbrauch und Naturschutz

"Jede Straße bedeutet eine neu versiegelte Fläche", räumt Heinrich Schmidt ein. "Auch die Auswirkungen auf den Artenschutz und den Naturschutz sind sorgfältig zu prüfen, und es ist für Ausgleich zu sorgen." In Sachen Naturschutz sei die favorisierte Trasse "genehmigungsfähig", besonders streng geschützte Tiere, die einen Straßenbau unmöglich machten, gebe es dort nicht.

Für die Umfahrung werden laut Schmidt etwa 5,5 Hektar (entspricht etwa sieben Fußballfeldern) benötigt, rund die Hälfte davon werde letztendlich auch versiegelt. Dafür könnten im Gegenzug nicht mehr benötigte Teile der "alten" B 13 und der Kreisstraße zwischen Laubenzedel und Schlungenhof entsiegelt werden. "Der Landbedarf und die Zerschneidung der landwirtschaftlichen Flur sind unbestritten", sagt Schmidt. "Sie werden aber mit der gewählten Trasse so gering wie möglich gehalten." Etwa, indem man die Trasse entlang alter Flurgrenzen führt, sodass bei Variante 3.1 nur drei "landwirtschaftliche Grundstücke mittig durchschnitten" werden.

B13 ertüchtigen

Umfahrungs-Gegner schlagen gerne vor, auf den Neubau zu verzichten und mit dem gesparten Geld die Ortsdurchfahrt Schlungenhof zu optimieren, sie also auch mit Lärmschutzmaßnahmen auszustatten.

"So einfach ist das nicht", sagt Heinrich Schmidt. Die Mittel für Ortsumgehungen könnten nicht einfach umgelenkt und in die Ertüchigung einer bestehenden Trasse gesteckt werden. Lärmschutzmaßnahmen seien nur sehr eingeschränkt möglich, und "es würden weiterhin pro Tag bis zu 15 800 Fahrzeuge, darunter 1200 Lkw, durch Schlungenhof rollen – mit entsprechendem Lärm und Schadstoffausstoß".

Erfolg des Bürgerbegehrens

Wenn die Gunzenhäuser am nächsten Sonntag dem Bürgerbegehren zustimmen und das Ratsbegehren ablehnen, "dann haben wir nach wie vor den gesetzlichen Auftrag, eine Umfahrung zu bauen", sagt StBA-Chef Schmidt. Allerdings wiederholt er auch, was er immer wieder betont hat: Er werde "die Planung für eine Ortsumgehung Schlungenhof nicht gegen den Willen der Stadt Gunzenhausen weiterverfolgen". Und den drücke der Bürgerentscheid aus.

Es gebe "zahlreiche andere Gemeinden, die sich nach einer Umgehung sehnen", und dann arbeite seine Behörde eben daran weiter. Und in Schlungenhof passiert auf lange Zeit: nichts.

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